Tierliebe // Der Kampf unserer Siamkatze Lucy

Noch vor einer Woche hätte ich gedacht, dass ich diesen Blogartikel mit den Worten „Der schwerste Gang meines Lebens“ überschreiben muss. Doch Gott sei Dank (!) ist die Geschichte anders ausgegangen. Aber lest selbst.

Wer ebenfalls Haustiere hat, kann mir sicherlich zustimmen, dass die eigenen Tiere wie Familienmitglieder sind. Sie sind Teil der Familie. Wir haben uns Katzen zulegt, lange bevor die Kinder da waren und seitdem sind sie nicht mehr wegzudenken.

Kleiner Rückblick

Bevor ich zur Überschrift und zum eigentlichen Thema komme, möchte ich euch kurz erzählen, wie und wann wir unsere Katzen bekommen haben. Ich kannte es durchaus schon von meinem Elternhaus, dass Tiere mit im Haus sind, aber mein erstes eigenes Haustier, bekam ich durch Milo – die British Kurzhaarkatze – und Lucy – unserer Siamkatze. Ich entschied mich im Frühjahr 2008 bewusst für Rassekatzen, den genauen Grund kann ich euch gar nicht sagen. Wir bekamen die beiden Katzen damals noch als Baby, 12 und 14 Wochen alt und ich weiß noch, wie aufgeregt ich war, als wir sie endlich abholen durften.

Katze, Siamkatze, Babykatze

Fortan bereicherten die beiden kleinen Katzen unser Leben. Sie waren so verspielt und verschmust, es machte wirklich großen Spaß mit ihnen.

Lucy’s Anti-Immun-Krankheit

Leider hat Lucy schon ziemlich früh eine Krankheit entwickelt, die gegen ihr Immunsystem arbeitet. Deswegen bekommt sie schon viele Jahre lang sogenanntes Prednisolon, eine Tablette mit Kortison. Erhält sie dieses Medikament nicht oder versuchen wir es zu reduzieren, fängt Lucy an, sich wie wild ihre Haut aufzukratzen und es entstehen überall Wunden. Ich vermute, dass diese Krankheit von einer Art Überzüchtung her stammt. Wir haben beide Katzen von einer Privatfamilie gekauft und als wir Lucy als Baby in ihrer Familie besuchten, war eine der erwachsenen Katzen bereits wieder schwanger. Lucy und ihre Geschwister waren zu der Zeit vielleicht 9 Wochen alt.

Siamkatze, British Kurzhaar Katze, Babykatze

Die Tierärzte sagten mir von vornherein, dass Lucy’s Herz wegen dem Kortison irgendwann nicht mehr mitmachen wird und gaben ihr grundsätzlich schon mal 2-5 weniger Lebensjahre, aber das nahm ich natürlich in Kauf, was sollte ich auch anderes machen.

Siamkatzen, so auch unsere Lucy, sind grundsätzlich total fitte, neugierige, lebensfrohe Katzen. Lucy erzählte mir stets miauend, was sie gerade tat. „Miau“ (ich gehe jetzt aufs Klo, Mama) oder „Miau“ (ich habe gerade gefressen Mama und jetzt lege ich mich hin). Und grundsätzlich war Lucy immer eine sehr liebevolle Katze. Sie sprang auf den Schoß oder kam mit unter die Decke, wenn wir schlafen gegangen sind. Sie war eine sehr einnehmende Katze, eben typisch Siam.

Siamkatze

Trotz Lucy’s Krankheit, die immer wieder das Einholen der Tabletten erforderte, waren wir in den letzten 9 Jahren wirklich selten beim Tierarzt. Beide waren nie krank, eben außer Lucy’s bekannter Krankheit. Bis zur letzten Woche.

Die härteste Zeit meines Lebens

Während mein Mann über’s Wochenende mit seinem Bruder auf einem Konzert in Dresden war, bin ich mit den Kindern zu meiner Familie an die Nordsee gefahren. Für die Katzen war gesorgt, sie bekamen täglich Futter und Lucy ihre Tablette. Als wir Sonntag wieder kamen, lag ein Brief unseres Katzensitters auf dem Tisch, sowie eine aufgerissene Packung von Chlorella Algen, die wir uns vor unserer Abfahrt noch bestellt hatten. Die Algen dienen generell zum Entgiften des Körpers. Eigentlich sind die Chlorella Algen nicht gefährlich, bei einer Überdosis könnte es allerdings schon mal kritisch werden. Ich hatte mir nicht allzu große Sorgen gemacht, dennoch bemerkte ich am selben Abend, dass mit Lucy irgendetwas nicht stimmte. Sie kam nicht wie sonst freudestrahlend angelaufen, um ihre Tablette mit ihrem Nassfutter einzunehmen und auch sonst fiel mir dann auf, dass ich sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte. Am Futternapf saß sie abwesend, viel ruhiger und unauffälliger als sonst.

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Ich machte mir Sorgen, mein Mann meinte allerdings, dass wir ihrem Körper Zeit geben sollten, sich zu regenerieren. Ihr könnte übel sein und der Entgiftungsvorgang muss quasi wieder stabilisiert werden. Also wartete ich einige Tage ab. Lucy futterte immer weniger und als sie dann zum Ende der Woche hin sogar auf dem Stuhl einpullerte, auf dem sie gesessen hatte, fuhr ich Freitag zum Tierarzt.

Die Diagnose: Akutes Nierenversagen

Eine nette Tierärztin, die ich bisher noch nicht kannte, empfing uns und stellte ziemlich schnell fest, dass Lucy dort bleiben muss. Sie informierte sich kurz über die Chlorella Algen, stellte aber nichts lebensgefährliches fest und tippte auf Blutanämie, weshalb sie Lucy erstmal Blut abnehmen wollte. Am selben Tag noch telefonierte die Ärztin mit mir und berichtete mir, dass die Nierenwerte extrem hoch sind, sogar so hoch, dass sie nicht messbar waren. Am Folgetag dann die Diagnose: Akutes Nierenversagen. Das Telefonat am Samstag war wohl das schlimmste, dass ich in der ganzen Zeit mit der Ärztin geführt hatte. Sie sagte zu mir, dass es Lucy schlechter geht, dass sie nur apathisch in der Ecke liegt, einpullert und nichts frisst. Und sie sagte, dass wenn es Lucy am Sonntag, also einen Tag später nicht besser geht, sie sie erlösen möchte. Ich fing sofort an zu weinen, aber mir und der Ärztin blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten. Lucy bekam in der ganzen Zeit Infusionen, die die Niere neustarten und ihr helfen sollten.

Wisst ihr, mit Haustieren weiß man immer, dass es irgendwann zu Ende geht. Aber ich hatte immer eine riesige Angst davor. Ich liebe meine Katzen über alles und so ein Verlust und die damit einhergehenden Schmerzen sind einfach nur zu begreifen, wenn man ebenso Haustiere hat und diese Liebe empfinden kann. Die Zeit von Freitag bis Sonntag, aber speziell der Samstag, war der Horror für mich. Ich malte mir Bilder aus, wie es sein wird, wenn sie einschläft, wie es sein wird, wenn sie nicht mehr da ist. Ich erinnerte mich an die ersten Wochen mit ihr als Baby und daran, wie schön die Jahre mit ihr waren. Dass es doch noch viel zu früh und nicht fair ist, sie jetzt schon gehen lassen zu müssen. Ich geißelte mich dafür, dass ich das Wochenende nicht da gewesen bin und dass ich jetzt nicht für sie da sein konnte. Ich stellte mir vor, wie sie alleine dort in der Praxis sitzt und ich weinte, weinte, weinte. Ganz ehrlich: So einen Schmerz habe ich noch nie gefühlt. So viel geweint habe ich höchstens einmal in meinem bisherigen Leben. Es war echt hart.

Das Wunder

Ich rechnete damit, dass mir die Ärztin am Sonntag mitteilen wird, dass ich für das Ende vorbeikommen soll. Doch wie durch ein Wunder, erzählte sie mir am Telefon, dass es Lucy besser geht, dass sie schon etwas fitter ist, sie die Ärztin sogar angeknurrt hat und viel stabiler wirkt, als am Tag zuvor. Ich konnte es nicht fassen. Natürlich hatten wir jeden Tag dafür gebetet – und wie wir das haben – aber ich in meinem Kleinglauben hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass ich diese Nachricht erhalten würde. Lucy war zwar noch längst nicht über den Berg, aber an Aufgeben war noch lange nicht zu denken.

Kämpf Lucy, kämpf

Obwohl ich durch diese positive Veränderung etwas Hoffnung geschöpft habe, war klar, dass Lucy noch einen ganz schönen Weg vor sich hatte. Die Nierenwerte waren für die Ärzte immer noch viel zu hoch und wenn die Niere nicht selbständig funktioniert, kann die Katze so fit sein, wie sie möchte, dann kann das Tier nicht gut weiterleben. Am Montag konnte ich Lucy dann endlich besuchen. Wie schon die Tage zuvor, musste ich auch hier weinen, aber meine Angst, in welchem Zustand ich sie antreffen würde, war sofort verflogen, als ich sie sah. Ich kuschelte, redete, betete, sang und kuschelte wieder. Es war eine tolle Zeit. Insgesamt eine Stunde konnte ich mit ihr verbringen und am Ende kam sogar noch der Arzt und klärte mich über den aktuellen Stand auf. Die Werte müssen besser werden, sie steht auf der Kippe.

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Ohja, sie kämpfte und wie sie das tat. Wir waren uns anfangs nicht sicher, ob mein Besuch ihr vielleicht schaden könnte, weil ich sie ja wieder hergeben und verlassen musste. Aber Lucy wollte leben. Von Tag zu Tag entwickelte sie sich besser. Sie fing an wieder aufs Katzenklo zu gehen, sie wurde aufmerksamer, fitter und endlich fraß sie wieder selbständig. Doch ich hatte immer die Worte des Chefarztes im Ohr, der mir sagte, wenn die Werte nicht besser werden, muss das Tier erlöst werden, die Niere muss funktionieren. Ich besuchte sie zwei Tage später wieder, kuschelte nochmal ordentlich mit ihr und durfte auch selber feststellen, dass sie positiver wirkte, als zwei Tage zuvor.

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Bei meinem zweiten Besuch war wieder unsere Ärztin da, die Lucy von vornherein betreut hatte und sie nahm das erste Mal die Worte „nach Hause mitnehmen“ in den Mund. So langsam entwickelten wir uns also weg von „beenden“ und hin zu „nach Hause gehen“. Dafür musste der eine Nierenwert allerdings noch gehörig fallen.

Willkommen Zuhause Lucy

Jeden Tag telefonierte ich mit der Praxis und nie hatte ich das Gefühl, ich würde stören. Am Freitag dann der nächste Besuch in der Praxis und die klitzekleine Hoffnung, unsere Lucy vielleicht mit nach Hause nehmen zu dürfen. Ich betrat das Behandlungszimmer und sah den Korb, in dem ich Lucy gebracht hatte mit unserer Lucy drin. Sie durfte mit nach Hause!!! Sofort brach ich in Tränen aus, ich konnte es nicht fassen. Ein Wunder reihte sich an das nächste. Die Ärztin erzählte mir noch, dass sie selbst nicht damit gerechnet hätte, dass sich Lucy wieder berappelt. Alle Katzen, die sie bisher behandelt hat und die diese niedrige Temperatur hatten, wie Lucy sie am Samstag hatte, sind gestorben. Und sie fuhr Sonntag in die Praxis mit der Erwartung, Lucy an diesem Tag einzuschläfern. Ich kann nur nochmal sagen: Gott sei Dank.

SiamkatzeHeute ist Lucy den zweiten Tag Zuhause und wie man sieht, wir kuscheln was das Zeug hält. Ich war schon zur ersten Kontrolle bei der Ärztin. Wichtig ist, dass Lucy jetzt gut frisst, denn das macht sie hier Zuhause noch nicht sehr gut. Sie erhält besonderes Nierenfutter und wir müssen noch schauen, welches sie mag. Aber ansonsten ist sie fast wieder die Alte.

Danke an das Team

Auch wenn das Team von der Praxis diesen Artikel vermutlich nicht lesen wird, kann ich nur sagen, dass ich so so so so dankbar bin, für alles, was sie für Lucy getan haben. Ich konnte jeden Tag dort anrufen und mich erkundigen, wie es Lucy geht und ich hatte nie das Gefühl, dass ich stören würde. Sie haben mir so viel Zeit und ein eigenes Behandlungszimmer mit Lucy gegeben, als ich sie besucht habe und die Ärztin ist so lieb und klasse und kompetent, dass ich mich rundum wohlgefühlt habe, wenn man das in einer Tierarztpraxis überhaupt kann.

Aber auch meiner Familie und allen Freunden ein riesengroßes Dankeschön für all die Worte, all die vielen Gebete und Gedanken für Lucy und mich, ich fühlte mich wirklich getragen. Und ein letztes Wort noch zu den Finanzen: Ja, Lucy war eine Woche stationär beim Tierarzt und die Rechnung ist immens groß, aber soll ich euch was sagen? Die Rechnung konnte bezahlt werden und auch das ist für mich ein Wunder.

2 Comments

  1. Carola 14. August 2017 at 11:55

    Ohje, ihr Armen. Gute Besserung für Lucy. Hoffentlich geht alles gut.

    Liebe Grüße
    Carola

    Reply
    1. Filea 18. August 2017 at 16:20

      Hallo Carola, vielen Dank! Wir hoffen auch, dass Lucy wieder ganz gesund wird. So richtig übern Berg ist sie leider immer noch nicht. LG Janina

      Reply

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