Kindergarten, Mama

Die Sorgen einer Mutter: Der Kitaplatz

Lange habe ich überlegt, wie ich diesen Beitrag nennen soll… „Das Lottospielen bei der Kitaplatzsuche“… „Der unmögliche Kitaplatz“… aber ganz grob gesagt, ist es im Moment meine größte Sorge: Einen Kitaplatz für meine 3-jährige Tochter zu bekommen.

Ein Jahr zuvor: Wir waren gerade mitten im Umzugsstress und ich war froh, eine Tagesmutter gefunden zu haben. Wenig später musste ich mich erneut mit dem Thema der Kinderbetreuung auseinander setzen: Soll ich meine Tochter ein halbes Jahr nach Tagesmutter-Eingewöhnung in eine Kita geben, weil alle sagen, wenn sie 3 ist, werde ich keinen Platz mehr bekommen? Ich sah meine Tochter an und wusste, dass sie nicht bereit dafür war. Es mag Kinder geben, die kein Problem damit haben, mit 2 in eine große Einrichtung zu kommen, vor allem, wenn sie vorher keine andere, kleinere Betreuung kannten (außer der Eltern natürlich). Aber meine Tochter, ängstlich, schüchtern, klammernd, hatte sich gerade mal eben an die Tagesmutter gewöhnt. Meine Entscheidung lautete also ganz klar: Nein! Meine Tochter kommt mit 3 in die Kita, so wie es früher auch normal und üblich war.

Mittlerweile geht der Trend aber leider dazu über, dass Eltern ihre Kinder immer früher in eine Betreuung geben, oft schon für 35 oder sogar 45 Stunden in der Woche. Freiheit wird das dann genannt, wieder sein eigenes Leben leben. Eigentlich wäre mir das auch ziemlich egal, was andere Eltern mit ihren Kindern machen. Schließlich muss das jede Familie für sich selbst entscheiden. Und vor allem, wenn ein Elternteil alleinerziehend ist, gibt die Situation oft nur die Vollzeitbetreuung als Lösung her.

Die Sache ist aber nun die, dass dieser Trend verhindert, dass mein Kind mit 3 einen Kitaplatz bekommt. Dadurch, dass viele Kinder schon mit 2 in die Kita sollen, wurden die Gruppen erweitert. Nun beherbergen die größeren U3-Gruppen nicht mehr wie vorher 3-6-jährige Kinder, sondern sie fangen schon bei 2-jährigen Kindern an. Die Rechnung ist also ganz einfach: Ein Kind aus Gruppe A wird 6 und kommt im Sommer in die Schule, dadurch wird ein Platz in Gruppe A frei. Dieser Platz wird mit einem 2-jährigen Kind belegt und dieses bleibt in dieser Gruppe, bis es ebenfalls 6 wird und zur Schule geht. Das heißt ganz einfach: Kein Platz mehr für 3-Jährige. Wenn jetzt jemand sagt, dass Kitas 3-Jährige aufnehmen müssen, jaaaaaa! Kita XY hat – wenn überhaupt – genau einen Platz für ein 3-jähriges Kind frei. Auf diesen Platz bewerben sich zig Kinder. Wenn du dann nicht in der Kirche oder Beamter bist, hast du schon verloren.

Heute sieht es also wie folgt aus: Absagen um Absagen flattern ins Haus. Kitas sagen mir, sie können mir keinen Platz anbieten, weil sie keinen Platz für mein 3-jähriges Kind frei haben. Die Folge? Das Jugendamt kümmert sich um einen Platz. In welcher Kita, welches Konzept, welches Umfeld, wie weit weg diese Kita ist, das ist egal. Wenn ich den mir angebotenen Platz nicht nehme, entfällt jeglicher Gesetzanspruch und ich darf meine Tochter auch nicht weiter zur Tagesmutter bringen (Diese Infos stammen aus einem Telefonat direkt mit dem Jugendamt!).

Was mir dabei am meisten zu schaffen macht, ist dass ich als Mutter so hilflos bin. Ich möchte das Beste für mein Kind, so wie vermutlich jede Mutter. Und ich muss dabei zusehen, wie ein anderer darüber entscheidet, wie mein Kind in den ersten so wichtigen Jahren seines Lebens geprägt wird. Unfair. Unglaublich unfair.

9 Comments

  1. Mel

    21. Januar 2015 at 13:17

    Das erinnert mich an den Sommer 2013, in dem ich lächelnd einen Brief öffnete und dann gar nix mehr zu lachen hatte. Lies gerne hier: https://lebelieberbunt.de/wenn-man-keinen-kindergartenplatz-bekommt/
    Ich drück euch die Daumen!

    Alles Gute und liebe Grüße Mel

  2. Meeries

    23. Januar 2015 at 13:59

    Liebe Janina, Du sprichst mir aus der Seele!
    Auch ich hatte mich von Anfang an entschieden mein Kind nicht vor dem 3. Geburtstag abzugeben… und musste mich ständig rechtfertigen, ist es doch erschreckend üblich, die Kinder so früh wie möglich fremdbetreuen zu lassen. Andere entscheiden was für Dein Kind wichtig und richtig ist auch wenn einem das eigene Gefühl etwas völlig anderes sagt! Ich hab immer versucht mich dagegen zu wehren und wehre mich auch heute noch.
    Auch wir haben dann erst im 3. Nachrückverfahren einen Kindergartenplatz bekommen… am anderen Ende der Stadt obwohl wir praktisch direkt neben einem Kindergarten wohnen! Die eigentliche Ironie an dieser Sache ist: erst vor einigen Tagen hab ich eine Mutter getroffen, die direkt unterhalb des Kindergartens unserer Großen wohnt… und deren Kind in den Kindergarten neben unserem Haus geht! Erklär mir mal da einer die Logik! Plätze tauschen, nachdem die Kinder sich nach einer holprigen Eingewöhnungsphase in ihren jeweiligen Kindergärten wohl fühlen? Wohl eher nicht! Dass kurze Wege mehr Nachmittagsfreizeit für die Kinder bedeutet, die sie mit ihren Eltern verbringen können? Interessiert ja nicht! Hauptsache die Kinder sind "aufbewahrt", schließlich gehört sich das ja in unserer Gesellschaft so! Mann, mann, mann, ich könnte mich täglich darüber aufregen! Und es tat wirklich gut zu lesen, dass es noch andere vernünftige Menschen gibt, die die Dinge ähnlich sehen!

    LG, Christiane

  3. Anonym

    24. Januar 2015 at 10:21

    Hach Janina. Ich bin da ganz bei dir. Mit zwei Jahren war Paul einfach noch nicht bereit und mit drei Jahren werden wir hier das nehmen müssen was kommt. Echt zum k*****!!! Ich drücke uns die Daumen. Es wird schon irgendwie alles gut gehen. Irgendwie…

    Grüße,

    Laura

  4. Anonym

    6. Februar 2015 at 17:51

    Liebe Janina, vielleicht kannst du gegen den Bescheid vom Jugendamt Widerspruch einlegen. Dann koennte deine Tochter zumindest bei der Tagesmutter bleiben.
    Wie ist es mit vier Jahren? Hat man da dann bessere Karten?
    liebe Gruesse

  5. Anonym

    30. März 2015 at 13:36

    Es soll ja auch Eltern geben die ihre Kinder schon früh mit 35 oder 45 Stunden in die Betreuung geben weil sie einfach arbeiten gehen müssen. Beste Grüße

  6. Sarah Tüpker

    13. April 2015 at 15:15

    Hach, ich finde es gerade, trotz Eures Kummers, so schön und beruhigend, zu lesen, dass ich doch nicht alleine mit meinen Ansichten bin! Danke! <3

  7. Ann-Christin

    28. Januar 2016 at 18:17

    Liebe Janina, es tut gut zu lesen, dass man nicht die einzige Person mit eben genau diesem Problem ist! Dein Beitrag hätte auch aus meiner Feder stammen können, unsere Tochter sollte auch nicht schon nach einem halben Jahr von der Tagesmutter in die Kita wechseln und ich denke auch, dass sie damals mit knapp 2 große Schwierigkeiten gehabt hätte. Tja, und nun stehen wir auch da – keine der 8 Kitas, in denen wir sie angemeldet haben, konnte sie berücksichtigen. Jetzt stelle ich mir auch die Frage: muss ich jetzt eine x-beliebige Kita nehmen, die mir das Jugendamt vorschlägt, auch wenn sie mir aus welchen Gründen auch immer gar nicht gefällt und ich kein gutes Bauchgefühl habe? Ich finde die ganze Situation auch einfach nur unfair und es macht mich wirklich wütend, wie hilflos man nun ist.

  8. Chantal Geraldine Böhning

    14. April 2016 at 21:56

    Hallo zusammen,
    das was hier zu lesen ist, ist wirklich schade und doch alltäglich…
    Für meinen Sohn der im Januar drei Jahre alt wird musste ich eine Menge machen, um einen Platz zu bekommen. Nachdem ich hörte, dass es sooo schwer sei, einen Platz zu bekommen.
    Erst die mit Taufurkunde, dann nach Gemeinde, dann Alleinerziehende Eltern, dann …. Dann erst kommt vielleicht mein Sohn, wenn ein anderes Kind umzieht … Denn die knirpse, die bis dahin betreut werden, rücken ja in der ü3-Bereich nach.
    "Pech, dann muss man sein Kind halt schon mit 4 Monaten abgeben"… "im Osten ist das ja schon immer so"…. Ist mir sch*** egal, was andere mit ihrem Kind machen. Danke für nichts.
    Nun habe ich einen Platz, zwei Stadtteile weiter und bin von dem ganzen noch nicht so überzeugt.
    Beste Grüße und viel Glück bei der Suche,
    Geraldine

  9. Fremdbetreuung // Tagesmutter oder Kindergarten? - FILEA

    11. September 2017 at 18:13

    […] Jahren in den Kindergarten geben müssen, weil wir sonst keinen Platz mehr bekommen (zum Nachlesen hier). Ich entschied mich damals bewusst, sie noch ein Jahr länger bei der Tagesmutter zu lassen, weil […]

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