Erziehung, Mama

Entwicklung // Trotzanfälle einer 3-Jährigen oder Niemand hat mich darauf vorbereitet!

Neulich bin ich auf einen Blogpost gestoßen, in dem eine Mutter 44 Wutanfälle ihrer Tochter auflistet, die sie an einem Tag hat. Liest man diese, werden viele Menschen mit Sicherheit darüber schmunzeln. Es ist ja auch vollkommen banal, sich darüber aufzuregen, wenn man den gelben, anstatt den pinken Löffel zum Müsli bekommt. Und wie kommt Papa überhaupt auf die Idee, sie anzugucken? Selber Schuld!

Steckt man selbst als Eltern jedoch Tag für Tag in solchen Situationen, ist das alles andere als lustig.

Jetzt mal ehrlich

Unsere Tochter hat ihren eigenen Willen schon ziemlich früh entwickelt. Sie schmiss sich nie auf den Boden oder so, aber sie fing an zu schreien, sobald sie ihren Willen nicht bekam. Diese Heulorgien sind mittlerweile unglaublich theatralisch geworden. Innerlich zerreißt es mir einerseits das Herz, weil es auch Situationen gibt, wo man ihr gerne etwas geben würde, auch wenn es eigentlich nicht gut ist. Aber es gibt auch oft Szenen, in denen sie vollkommen übertreibt und dann werde ich sauer. Richtig sauer. Da kann ich auch kein Verständnis mehr zeigen, weil es schon die 20. Heulattacke am frühen Vormittag ist und ich mich so auf den Samstag gefreut hatte. Schon klar, man muss Kinder verstehen, sie verstehen die Welt nicht mehr und ihre Welt gerät aus den Fugen. Alles logisch! Alles nachvollziehbar! Aber warum wird nicht darüber berichtet, wie anstrengend solche Tage für die Eltern sind? Ist das wirklich so abwegig? Ist man eine schlechte Mutter, wenn man einfach mal etwas Ruhe haben will?

Ganz klar: Nein!

Niemand hat mich darauf vorbereitet, dass es so sein wird. Und warum? Weil niemand darüber schreibt, wie fertig man abends ist, wenn man den ganzen Tag nur Geschrei und Geheule um sich herum hat. Es gibt auch schöne Zeiten, na klar! Darüber liest man viel. Aber ich persönlich kann mir viel mehr Kraft daraus ziehen, wenn mir jemand sagt „Hey, bei mir ist das genauso!“, „Das ist ganz normal“, „Du bist ganz normal“.

Lasst uns zusammenhalten

Deswegen sei allen Mamas und Papas, die auch Kinder haben, die bei jeder Kleinigkeit losbrüllen, als hätte man ihr liebstes Kuscheltier weggeschmissen, gesagt, ihr seid nicht allein! Meine Nerven sind oft am Ende und manchmal frage ich mich tatsächlich, was ich mir dabei gedacht habe, Kinder in die Welt zu setzen. Das sind dann meine emotionalsten Momente, die vergehen auch wieder. Aber mir ist es wichtig, zu zeigen, dass auch solche Momente vorkommen.

Und was kann man tun?

Gibt es Tipps? Hmmm, schwierig! Ich frage mich jedes Mal aufs Neue, wie ich reagieren soll, ob ich richtig reagiert habe oder ob ich es hätte verhindern können. Aber meistens müssen beide, Eltern und Kind, einfach da durch. Manchmal hilft es, wenn man das Kind in den Arm nimmt. Manchmal auch nicht.

Geholfen hat mir ein Artikel, den ich dazu gelesen habe. Dort ging es darum, dass man als Eltern oft versucht, das Weinen der Kinder zu stoppen, zum Beispiel mit Ablenkung „Schau mal hier, ein Vogel“ oder mit Worten wie „Das ist doch gar nicht so schlimm“. Dabei vergisst man aber (und das habe ich auch!), dass die Kinder später als Erwachsene genau diese Methode dann auch brauchen, um ihre Trauer zu bewältigen. Entweder haben sie gelernt, mit dem Schmerz klarzukommen (in dem man ihn aushält) oder sie müssen sich ablenken oder sie denken, sie seien ein Weichei, weil ihre Trauer ja „gar nicht so schlimm ist“. Sozusagen „nun hab dich doch nicht so“. Interessant oder?

20 Fehler pro Tag

Zum Schluss sei noch gesagt, dass keine Mutter und kein Vater perfekt ist. Wir machen alle Fehler. Täglich! Jesper Juul hat mal gesagt: „Die gelungensten Eltern machen zwanzig ernsthafte Fehler pro Tag.“ Ich finde, das entspannt doch ganz enorm oder?

Trotzanfälle einer 3-Jährigen Pinterest

6 Comments

  1. 2KindChaos

    11. Februar 2016 at 09:42

    Ich liebe Blogbeiträge über Trotzanfälle weil meine Tochter so eine kleine Zeitbombe ist seit sie 1,5 ist 🙂 ich brauch das auch, zu wissen, dass es andren auch so geht und wir "normal" sind (naja ich würd sagen bei uns ist es schon deutlich extremer als bei den meisten) 😉 Schön geschrieben!
    GlG Frida

  2. Janina Filea

    11. Februar 2016 at 14:17

    Vielen Dank dir liebe Frida! Auch für die Verlinkung auf Facebook :-*

  3. HerzKindMama

    11. Februar 2016 at 17:45

    Beim ersten Kind war es mir teilweise noch peinlich, vorallem, wenn sie in der Öffentlichkeit diese Trotzanfälle hatte und ich fühlte mich wie auf dem Präsentierteller, es kam mir so vor, als würde sich jeder nach mir umdrehen. Ich fand das dann immer toll wenn z.B. im Supermarkt an der Kasse hinter mir (meistens waren es komischerweise Männer) jemand sich ein Herz gefasst hat und versucht hat meine Tochter abzulenken. Insofern finde ich Ablenkung nicht verkehrt. Jetzt beim zweiten Kind stehe ich mittlerweile total drüber wenn sie eine Trotzattacke hat, vielleicht stumpft man mit der Zeit ab?

  4. Carolin

    12. Februar 2016 at 21:41

    Bei uns ist das ja gaaanz anders …. würde ich ja nur zu gerne schreiben 😛
    Ich freue mich immer, wenn es anderen auch so geht – Bei mir im Schlafzimmer und am Kühlschrank hängt der Spruch: "Ungeduld ist die Abwesenheit von Liebe." Das versuche ich mir täglich zu sagen und Geduld mit meinen Kindern zu haben. ahahahaah, schwer schwer schwer 🙂
    Du bist ganz normal liebe Janina 🙂 Und ich auch

  5. Jessy

    18. Februar 2018 at 21:01

    Es ist einfach schön, wenn man hört, das man nicht alleine mit dieser „Sache“ ist. Meine Kleine hat auch zwischenzeitlich ihre Trotz -bzw. Wutanfälle. Manchmal hält man es aus, aber dann gibt es Situationen wo man explodieren könnte und selber gerade nicht weiß wo oben und unten ist. Ich habe es vor kurzen auch hier bei Pictures gelesen, das wenn man in so einer Situation ist, wo es einem zu viel wird einfach aus dem Raum raus und zählen, oder ein Liedchen Summen. Hatte bei mir letztens geklappt. Es ist nicht einfach, aber dann überwiegt wieder die gute Laune der Kinder danach🤣 wo man dann einfach darüber schmunzelt was war.
    Wir schaffen das alle gemeinsam 😉😘
    Hatte das bei beiden meiner Kids, bei der Großen Zuhause(kam einmal vor und nie wieder) und bei der Kleinen im Geschäft. Beide schmissen sich auf den Boden und schriehen, ich habe beide ignoriert. Die Kleine hat es noch mal und da habe ich mich daneben gesetzt und auch getrotzt, den Blick hättet ihr mal sehen müssen.
    In dem Geschäft wo wir gewesen sind, sind wir Stammkunden, von daher war es mir nicht peinlich. Man sagte mir nur, Hut ab das du das gemacht hast, aber das war es wert und der Blick von der Kleinen 😁👍
    Wir sind NORMAL ♥️

    1. Filea

      18. Februar 2018 at 21:12

      Danke für deine Worte, du hast so Recht! Wir sind total normal 🙂

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