Baby, Mama, Schwangerschaft

Schwangerschaft // Warum ich die Nackenfaltenmessung ablehne

Vorweg: Nein, ich bin nicht schwanger. Ich habe aber etwas auf dem Herzen. Da ich in meinen Statistiken immer wieder sehe, wie oft mein Ultraschallbild zur auffälligen Nackenfalte angeklickt wird, möchte ich gerne noch einmal gezielt darauf eingehen, warum ich die Nackenfaltenmessung immer wieder ablehnen würde.

Rückblick

Vor allem jetzt im Rückblick betrachtet, sehe ich, wie viele Sorgen vollkommen umsonst waren. (Falls ihr die Geschichte nochmal nachlesen möchtet, klickt hier) Unser Sohn hatte in der 14. Schwangerschaftswoche eine auffällige Nackenfalte, ja. Aber der Wert, der die Auffälligkeit oder Unauffälligkeit bestimmt, wird vom Arzt gemessen. Wie schnell vermisst er sich um Haaresbreite und schon wird ein vollkommen gesundes Kind auf einmal auffällig und ein Prozess wird in Gang gesetzt, der das Leben des noch ungeborenen – vielleicht völlig gesunden Kindes – gefährden kann.

Unser Ergebnis

Ich möchte keine Zahlen und keine Statistiken in den Raum werfen. Jede Mama da draußen muss selbst entscheiden, was sie tut und was sie lässt. Aber ich möchte gerne etwas sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, dass die Frauenärzte schnell verunsichern. Und ich möchte das beste Beispiel dafür liefern, weshalb so ein Wert, das ermittelte Risiko, nur ein Wert ist. Nämlich anhand meines vollkommen gesunden Sohnes, unserem Sonnenschein. Wenn ich mir vorstelle, dass andere Mütter vielleicht dasselbe gesagt bekommen, wie wir und sich deswegen gegen das Fortbestehen der Schwangerschaft entscheiden, obwohl so ein wundervoller Mensch hätte entstehen können, dann wird mir schlecht und ich werde unglaublich traurig. Ich wünschte, ich könnte jeder Frau, die in dieser Lage ist, Mut zusprechen und an die Hand nehmen. Sie mitnehmen zu meinem Kind und ihr zeigen, dass er kerngesund ist und ich so glücklich bin, mich nicht hab verunsichern zu lassen.

Und selbst wenn das Risiko höher sein sollte, selbst wenn ein ungesundes Kind auf die Welt kommt, dann ist es trotzdem gewollt und geliebt und wert, auf dieser Welt sein zu dürfen. Das ist meine Meinung und vielleicht stehe ich damit ziemlich alleine da, aber mich bewegt das Thema so sehr, dass ich es nochmal mit euch teilen wollte.

Warum ich die Nackenfaltenmessung ablehne

15 Comments

  1. Sabienes

    12. Mai 2016 at 10:27

    Ich stimme dir vollkommen zu, man lässt sich von den Frauenärzten leicht verunsichern. Mir hat diese vielleicht übertriebene Sorgfalt einmal eine Fruchtwasseruntersuchung eingebracht – auch alles ohne Befund. Ich würde es immer abwägen: Wäre die mögliche Behinderung für das Kind tödlich (z.B. ein offener Bauch, so dass eine Abtreibung sinnvoll sein könnte (wenn dies eine Alternative wäre) oder einfach nur eine Behinderung, die man mit Therapien usw. in den Griff bekommen könnte (z.B. Lippen-Gaumen-Spalte)? Denn was will man mit diesem Wissen sonst anfangen? Aber letztendlich müssen das die Eltern, bzw. die Mutter selbst entscheiden. So schwer es auch ist.
    LG
    Sabienes

  2. X-MAL ANDERS Ullrich-Turner-Syndrom

    12. Mai 2016 at 20:47

    Hallo Janina,
    ich möchte deine Worte unterstreichen. Es ist nicht nur die Nackenfaltenmessung, die werdende Eltern ihrer guten Hoffnung berauben und das Leben des Ungeborenen in Frage stellen kann. Einfach mütterliches Blut abnehmen und schon können die Gene des Babys untersucht werden. 1mm und 1 Tropfen bringen so viel Unsicherheiten. Ist das wirklich nötig? Können wir nicht Vertrauen haben?
    Bei uns wurde der Prozess in Gang gesetzt. Er wurde ein Sog und wir konnten nicht mehr zurück. Meine Tochter ist zwar ungesund geboren, was mir aber wirklich Kummer bereitet, ist die Tatsache, dass ich keine unbelastete Schwangerschaft hatte. Ich konnte mich nicht einfach freuen.
    Mir geht es ähnlich wie dir. Ich möchte werdende Eltern an die Hand nehmen und ihnen zeigen, wie wunderbar meine Tochter ist – auch mit ihrer Monosomie X.
    Wie hätte ich mich gegen sie entscheiden könne?
    Alles Gute für euch!

  3. Janina Filea

    12. Mai 2016 at 20:55

    Hallo Sabienes,
    vielen Dank für deine Worte. Eine Fruchtwasseruntersuchung konnte ich zum Glück abwenden, aber das wird von den Frauenärzten ja auch als eher harmlos und als "der nächste Schritt" verkauft. Leider.
    Dein Blog ist echt toll, die Sparte habe ich so noch nicht gesehen, klasse dass du das machst!
    Liebe Grüße,
    Janina

  4. Janina Filea

    12. Mai 2016 at 21:13

    Liebe Anne, deine Worte berühren mich sehr! Heutzutage wollen wir alles wissen, und das Vertrauen geht immer mehr verloren, leider. Die Medizin spielt vor, uns das geben zu können, was wir vermeintlich suchen.
    Ich finde es klasse, dass du so offen mit dem Thema umgehst und wünschte, das würden alle Mamis so machen! Deine kleine Maus ist echt zuckersüß!
    Liebe Grüße,
    Janina

  5. Anna

    18. November 2017 at 14:39

    Also… Ich habe mich viel viel besser gefühlt und konnte meine Schwangerschaft richtig genießen, nachdem ich die NT-Messung durchgeführt habe. Ich denke jeder soll selbst entscheiden was ihm guttut oder verunsichert. Nach einem positiven Befund bei einer NT Messung wäre es nicht zu einer Abtreibung gekommen, spätestens nach der Fruchtwasseruntersuchung wäre es ja eh klar. Gut, dass du Mut hattest einfach an dieser Stelle einen Punkt zu setzen. Es ist ok für alle, die eine Gewissheit haben wollen. Es ist viel belastender, sich auf ein gesundes Baby zu freuen und ein krankes zu bekommen, als andersrum. Ich finde NT-Messung eine tolle Alternative zu invasive Methoden.

    1. Filea

      19. November 2017 at 15:04

      Hallo liebe Anna!
      Danke für dein Feedback! Ich bin da total deiner Meinung, dass jeder selbst entscheiden sollte, was ihm guttut. Nur leider ist das oft nicht der Fall. Denn hat der Arzt erstmal die Sorgen gesät, kannst du nicht mehr frei entscheiden. Nachdem ich dieses Erlebnis mit der NM Messung hatte, habe ich gegoogled und eine unglaublich hohe Zahl gefunden, dass die Schwangeren abtreiben, aufgrund einer auffälligen Nackenfalte. Die meisten. 90% meine ich. Die wenigsten tragen das Kind aus, obwohl es sooft vollkommen gesund auf die Welt kommen würde. Natürlich möchte man Gewissheit, das kann ich total verstehen. Aber es ist eben keine Gewissheit, sondern nur eine Zahl. Ein Risiko. Und das ist sooft falsch.
      Letztlich mache ich keiner Frau einen Vorwurf, um Gottes Willen, das darf ich gar nicht. Ich möchte einfach nur meine Erfahrung teilen und dazu anregen, darüber nachzudenken, ob dieser Wert, den der Arzt einem gibt, wirklich aussagekräftig ist, oder nicht.
      Ganz liebe Grüße, Janina

  6. Yvi

    19. November 2017 at 14:54

    Liebe Filea,
    ich bin da nicht ganz bei dir.
    Bei meinem ersten Kind, habe ich das gemacht und wir hatten eine immense Nackenfalte, die deutlich sichtbar war ( was auf deinem Bild def. noch ein akzeptabler Wert war) nun, da sich bei unserem Wert der Arzt kaum verrechnen konnte, war klar das irgendwas nicht stimmt. Dennoch finde ich es, aus Erfahrung, etwas weit her gegriffen, zu sagen anhand der Nackenfalte macht man sich über das Kinder abtreiben Gedanken. Zudem ja auch jeder Arzt bei dieser Messung und einer eventuellen Auffälligkeit erklärt, dass sich das alles bis zur Geburt hin durchaus wieder regulieren kann und sogar bei unserem mehr als auffälligen Wert wurde uns das gesagt. Nachdem wir allerdings noch eine Chorionzottenbiopsie durchgeführt haben, war klar, dass unser Kleiner mit Schwierigkeiten und nicht gesund auf die Welt kommen würde. Und erst DANN wurde uns empfohlen uns darüber Gedanken zu machen. Was wir aber nie gemacht haben, denn wir hätte ihn egal wie angenommen. Er nahm uns allerdings die Entscheidung ab und starb in meinem Bauch.
    Bei meinem zweiten Kind habe ich auf Grund der Vergangenheit ebenfalls die Untersuchung machen lassen, nicht um vorher bescheid zu wissen, damit ich entscheiden kann. Nein, sondern aus dem Grund, damit ich mich genau so vorher verabschieden kann, wie ich es bei meinem ersten Kind tat. Allerdings war zum Glück alles gut und der Räuber ist nun ein zu früh geborenes, kerngesundes, aufgewecktes Schlitzohr.
    Was ich damit sagen will ist, dass mir die Untersuchung sehr geholfen hat und ich keinmal davon bereue. Und das ich leider nicht die Meinung teile, dass diese Untersuchung zu einer Abtreibung anregt, dazu gehört glaube ich, auch seitens der Ärzte in der Pränataldiagnostik weit aus mehr, einem diese Entscheidung ans Herz zu legen, als eine Nackenfalten Tranzparenz Messung, die zu 80 % gut ausgeht kann und sich von alleine teilweise wieder reguliert.
    Es ist jedem seine Entscheidung, deshalb ist es ja zum Glück kein Pflichtprogramm und muss als IGEL Leistung selbst bezahlt werden. Aber ich bin froh, dass er heutigen Zeit solche Methoden in der Medizin gibt, nicht um zu verunsichern, sondern um zu beruhigen.

    Liebe Grüße
    Yvi

    1. Filea

      19. November 2017 at 15:14

      Hallo liebe Yvi,
      erst einmal lieben Dank, dass du deine Geschichte mit uns teilst! Es tut mir sehr leid, dass euer kleines Baby im Bauch es nicht geschafft hat! Umso mehr freue ich mich mit dir, dass ihr nun einen kleinen fitten Wurm Zuhause habt 😉 Die Erfahrung die du schilderst hört sich so an, als wärst du an einen guten Arzt geraten! Bei meinem allerersten Gespräch nachdem der Arzt eine leicht auffällige Nackenfalte im Ultraschall gefunden hat, meinte er, dass wir noch früh genug dran sind, um eventuelle Maßnahmen zu ergreifen! Da war keine Beruhigung, kein „es kann sich noch zurückbilden“, nichts. Der Fokus lag direkt auf der Abtreibung. Das kann natürlich einfach nur an dem Arzt liegen, der mich schlecht aufgeklärt hat. Aber die Zahlen, die man so im Internet findet, sprechen Bände. Rund 90% der Frauen mit auffälliger Nackenfalte treiben ab. Und das ist eben krass weil der Wert alleine eben nur ein Wert ist, ein Risiko und viel zu wenig Aussagekraft hat.
      Es geht mir keineswegs darum die Frauen zu kritisieren, die eine NM Messung vornehmen oder abtreiben. Jede muss es selbst entscheiden. Ich möchte einfach nur darüber aufklären, wie es bei uns war, und etwas mehr darüber aufklären, dass eine auffällige Nackenfalte noch nicht heiß, dass das Kind behindert auf die Welt kommt.
      Ganz liebe Grüße,
      Janina

  7. Simone

    24. November 2017 at 17:36

    Hallo! Bei mir wurde auch eine sehr auffällige Nackenfalte gemessen… Sie wurde dann nochmal von einem Spezialisten nachgemessen und der meinte: unser Kind würde zu 80 prozent schwerst behindert zur Welt kommen.
    Doch dem war nicht so…. Unser Sohn wurde kerngesund geboren!!!! Ich würde die nackenfalte Messung nicht nochmal machen lassen!

    1. Filea

      24. November 2017 at 19:59

      Hallo Simone! Ich danke dir sehr für deinen Kommentar! Und ich freue mich sehr (!!!) mit dir, dass dein Sohn gesund zur Welt gekommen ist! Das ist so wundervoll 🙂 Und ich glaube, das würde vielen ungeborenen Kindern so gehen. Aber gut, wissen tut man es erst hinterher. Oder vielleicht nie 😉 Liebe Grüße, Janina

  8. Marie

    1. Dezember 2017 at 09:05

    Ich habe mich in meiner Schwangerschaft auch bewusst gehen die Nackenfaltenmessung entschieden. Ich habe lange drüber nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass es für mich egal ist, ob sie nun völlig gesund wäre oder eben eine Trisomie 21 hätte. Meine Liebe für mein kleines Mädchen war da schon so unendlich groß!
    Jetzt habe ich ein vollkommen gesundes kleines Mädchen und musste mir nie irgendwelche Gedanken machen. 🙂

  9. Ivonne

    1. Juli 2018 at 22:56

    Ich finde es gefährlich zu sagen dass die Bewertung einer NT Messung „soo oft“ falsch ist. Sofern man nicht Spezialisierter Arzt auf dem Gebiet ist, welcher Zugang zu umfangreichen verlässlichen Daten diesbezüglich hat und weiß diese Auszuwerten, sollte man sich mit solchen Behauptungen sehr zurückhalten. Jeder Fall ist doch ganz individuell. Und wir haben nun einmal Spezialisten an die man sich im Falle einer auffälligen Untersuchung durchaus wenden kann. Zu warnen dass das Ergebnis so oft falsch ist könnte auch in die andere Richtung schief gehen. Es gibt, wie du ja schon sagst, viele Menschen, die sich bewusst für eine Abtreibung in bestimmten Fällen entscheiden weil sie wissen, dass ein Leben mit schwerstbehindertem Kind für sie nicht tragbar wäre. Wenn man jetzt unwissender Weise Hoffnung schürt indem man sagt (übertrieben gesagt), vertraut eueren Ärzten nicht weil es stimmt so oft nicht, dann kann das nach hinten losgehen und echt was kaputtmachen. Ich finde es ok, seine Erfahrung zu teilen und vielleicht anzuregen sich eine 2. oder 3. Meinung zu holen (Was man eh tun sollte) aber mit deinen Behauptungen bezüglich Zuverlässigkeit der Untersuchungen und Ärzte bitte vorsichtig sein.

  10. Jule

    29. Juli 2018 at 10:59

    Hallo!
    Wir haben bei unserem Großen auch eine Messung machen lassen; aber nur, weil wir einen Fall von Down-Syndrom in der Familie haben.
    Die Werte waren erhöht, aber wir haben uns entschlossen, nicht weiter untersuchen zu lassen. Denn eine Abtreibung kam für uns nie in Frage.
    Bei Nr. 2 haben wir uns dann gegen eine Nackenfaltenmessung entschieden, denn auch jetzt ist eine Abtreibung keine Option für uns.
    Jeder muss das für sich entscheiden und falls euch das Ergebnis beunruhigt, holt euch eine zweite, dritte oder auch vierte Meinung ein.
    Und falls ihr euch dann doch gegen das Kind entscheidet, lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden. Kein Außen-stehender kann eure Situation beurteilen – das könnt nur ihr.

  11. Helena

    9. August 2018 at 18:32

    Die Nackenfaltenmessung ist ein kleiner Baustein der Diagnostik hinsichtlich Fehlbildungen. Eine alleinig vergrößerte Nackenfalte ist nie der Grund für eine Abtreibung. Und ob jemand mit der dauerhaften Einschränkung und Abhängigkeit leben will bzw. sich dies leisten kann ist jedem selbst überlassen.

  12. Lisa

    30. September 2018 at 22:18

    Hi,
    Wir sind auch gerade in dieser Diskusion gewesen und haben uns gegen die Messung entschieden aus genau den selben Gründen… ob „behindert“ oder nicht… wir werden unser Kind dennoch lieben!
    Grüße Lisa 😊

Leave a Reply