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Mein Tag beim SWR Nachtcafé

Titelbild: SWR Nachtcafé „Was hält Familie zusammen?“, 17.03.2017 © SWR / Tom Oettle | Auf dem Bild (v.l.): Dr. Wolfgang Krüger, Fredy Knie jun. und Ivan Knie, Janina Filev, Michael Steinbrecher, Bärbel Höhn, Alexander Benede, Rosi Forstmaier (Carlos Benede im Hintergrund)

Es ist der 20. Februar und ich sitze im Zug, der seit sage und schreibe 60 Minuten aufgrund einer Stellwerksstörung irgendwo in der Walachei steht und sich keinen Zentimeter vorwärts bewegt. Ich rege mich innerlich unglaublich auf, weil ich mal wieder meinen Anschlusszug verpasse und jetzt schon weiß, dass ich zwei Stunden später ankommen werde, als geplant. Die Deutsche Bahn macht ihrem Ruf mal wieder alle Ehre…

Doch dann erhalte ich eine Email und überfliege erst einmal die Worte. Ein Redakteur vom SWR Nachtcafé schreibt mich an und fragt mich, ob ich in die Sendung kommen möchte. Er hätte meinen Artikel über die Vorkommnisse mit meinem Vater gelesen und ich soll nun einer der Talkgäste zur Nachtcafé Sendung mit dem Thema „Was hält Familie zusammen?“ sein.

Bitte? Lese ich richtig? Ich soll ins Fernsehen?? Ich schaue nochmal auf den Absender, vielleicht ist die Email doch eher Spam. Ich kann es nicht glauben. Dann klingelt mein Handy und mir wird klar, es ist kein Scherz. Einige Telefonate folgen, ich erzähle vorab meine Geschichte am Telefon und werde grob darauf vorbereitet, was mich erwartet.

Die Vorfreude steigt. Ich suche Bilder heraus, die während der Sendung gezeigt werden dürfen, ich überlege, was ich anziehe, ich frage meine Mutter, ob ich meine Kindheit wirklich richtig in Erinnerung habe und so weiter und so fort.

Dann ist der Tag endlich da. Ich fahre mit dem Zug nach Baden-Baden (übrigens wieder mit Verspätungen…), wo ein Shuttle auf mich wartet. Ich werde in ein 5-Sterne-Hotel gefahren, wo ich noch 1,5 Stunden Zeit habe, um mich frisch zu machen und vorzubereiten. Dann werden wir Gäste zum E-Werk gefahren, wo sich das Studio des Nachtcafés befindet. Das Kribbeln in meinem Bauch wird immer stärker.

Mein erster Gang führt mich in die Maske, wo ich das erste Mal in meinem Leben von einem Profi geschminkt und hergerichtet werde. Ich kann mein Glück immer noch nicht fassen. Als nächstes folgt die Verkabelung und der Gedanke, dass mir hoffentlich meine Strumpfhose nicht herunterrutscht, weil das Tongerät dort befestigt ist. Und dann treffe ich auf den Moderator Michael Steinbrecher, der sich Zeit für mich nimmt, um mit mir ins Gespräch zu kommen, mich kennenzulernen und damit ich mit der ganzen Atmosphäre im Nachtcafé warm werde.

Was mir so sehr am Nachtcafé gefallen hat, ist, dass man sich wirklich Zeit für die einzelnen Menschen nimmt. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sich der Moderator eben mal schnell ein paar Minuten nimmt und dann zum Nächsten eilt, aber nein: Kein Zeitdruck, kein oberflächliches „Ist das Wetter nicht schön heute?“, sondern ein wirkliches Interesse an mir, an meiner Person und daran, dass ich mich wohl fühle.

Nachdem alle vorbereitet worden sind, folgt die Probe mit Licht und Ton, man wird eingewiesen, in welche Kamera man schauen muss, wenn Michael Steinbrecher ein paar erste einleitende Worte über seine eigene Person sagt. Alles ist unglaublich spannend, der Blick hinter die Kamera hat etwas magisches.

Als sich das Studio mit den ca. 80 Zuschauern gefüllt hat, nehmen wir erneut unsere Plätze ein, die Atmosphäre ist aufgelockert, der Moderator scherzt mit dem Publikum und mein Herz pocht. Doch es ist eine Mischung aus Aufregung und Freude, die sich in mir breit macht.

Dann geht es los. Meine Gedanken kreisen darum, wie ich sitzen, wo ich meine Hände haben und wie ich gucken soll. Ich versuche mich auf die Geschichten der anderen zu konzentrieren. Ganz zum Schluss – wie geplant – bin ich an der Reihe. Ich darf meine Geschichte erzählen, ich spüre keinerlei Hast oder Druck, die Kameras sind vergessen und Michael Steinbrecher lässt mich alles das sagen, was mir auf dem Herzen liegt. Die Zuschauer klatschen, als ich erzähle, wie mich das Koma meines Vaters verändert hat und wie sehr ich mich darauf freue, meinen Vater Ende April nach 6,5 Jahren wiederzusehen. Der Moderator bedankt sich bei den Zuschauern sowie bei uns Gästen und dann ist die Aufnahme nach knapp 90 Minuten auch schon wieder vorbei.

SWR Nachtcafé Was hält Familie zusammen

SWR Nachtcafé „Was hält Familie zusammen?“, 17.3.2017
© SWR / Tom Oettle

Anschließend werden wir zusammen mit dem Team zurück ins Hotel gefahren und ein gemeinsames Essen lässt uns den Abend gemeinsam ausklingen. Wir haben uns alle miteinander richtig gut verstanden und selbst Michael Steinbrecher meinte, dass wir wirklich eine tolle Truppe waren.

Nun heißt es warten, bis die Sendung am 17. März ausgestrahlt wird und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie gespannt ich darauf bin. Wir Gäste untereinander haben schon gemeint, dass wir bestimmt nicht zufrieden mit uns sind, wie es meist der Fall ist bei uns kritischen Menschen, aber ich freue mich einfach und bin so dankbar für diese Erfahrung. Ich habe jede Minute in mich aufgesogen und genossen, so gut ich konnte. Und wer weiß, vielleicht darf ich ja irgendwann wieder einmal vor der Kamera stehen. Geschmack hab ich auf jeden Fall bekommen.

Wer sich die Sendung anschauen möchte, der hat am kommenden Freitag, den 17. März um 22 Uhr beim SWR die Möglichkeit dazu. Ansonsten kann man nach der Ausstrahlung die Sendung in der SWR Mediathek nachschauen.

3 Comments

  1. Carolin

    21. März 2017 at 17:57

    Wunderschön, liebe Janina!
    Hast du ganz super gemacht! Am Anfang warst du wohl richtig aufgeregt, oder? Aber als du dran warst, hast du es wie ein Profi gemeistert!!
    Ich liebe deine Schuhe!!! Hast ein sehr schönes Outfit rausgesucht!!!
    Liebe Grüße
    Caro

    1. Filea

      22. März 2017 at 21:57

      Liebe Caro, vielen Dank für deine lieben Worte!! Ja, anfangs war ich wirklich aufgeregt, ich stand ja noch nie vor einer Kamera 😀 Aber ich war dann hinterher froh, dass ich zum Schluss dran kam. So konnte ich mich an das ganze Setting gewöhnen 😉 Die Stiefel liefe ich auch sehr. Ich hab sie schon seit einigen Jahren (damals von der Firma Jana bei Zalando bestellt) und trage sie immer noch sehr gern. Ganz liebe Grüße zurück!

  2. Kati

    22. März 2017 at 15:53

    Ich kann Carolin nur zustimmen! Sehr toll!

    Ich bin beeindruckt, ich hätte das nicht gekonnt. Es wäre wahrscheinlich nur ein Stottern zu hören gewesen 😀

    Wie konntest du dich da beruhigen? Ich bekomm meine Nervosität nie in den Griff!

    Liebe Grüße

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