Frau, Persönliches

Leben // Ich bin doch keine Maschine

Ich brauche die Kontrolle zurück,

kann nicht mehr nur funktionieren.

Ich bin doch keine Maschine.

Jeden Morgen, wenn ich mich für den Tag, der vor mir liegt, fertig mache, mache ich Spotify an und höre die Musik, die ich mag. Aktuell ganz besonders bei mir beliebt ist das Album von Tim Bendzko. Jedes Lied fängt mich mit mit seinen Texten, ich kann mich wiederfinden und darin verlieren. Musik hat für mich eine Macht, wie kaum etwas anderes. In Sekunden kann ich an bestimmte Menschen, bestimmte Situationen erinnert werden und das nur durch die Melodie eines bekannten Liedes. Bin ich traurig, brauche ich nur eins, zwei Klavierklänge und die Tränen kullern. Andersherum springe ich auf um zu tanzen, wenn ich einen schnellen, mitreißenden Song höre und dann geht es mir besser.

Die ganze Welt steht mir offen, ich steh‘ wie angewurzelt daneben

Einfach so weitermachen ist keine Option. Wenn ihr mir auf Instagram folgt, wo ich euch in den Stories des Öfteren über meine Gefühlslage auf dem Laufenden halte, wisst ihr vielleicht schon, dass es mir im Moment nicht gut geht. Natürlich gibt es bessere Tage, aber aktuell überwiegen die schlechten. In fast allen Bereichen meines Lebens gibt es Baustellen, bin ich unzufrieden und die Summe daraus ergibt eine unglückliche Frau und Mutter, Anfang 30, die eigentlich in der Blütezeit ihres Lebens stehen sollte, selbstsicher, ihre Familie genießend und was tu ich? Wie angewurzelt, völlig benebelt, unmotiviert, kaputt und geschafft in der Ecke liegen. Zumindest abends, wenn ich endlich mal Zeit für mich hätte. Tagsüber funktioniere ich, denn so viel Selbstachtung habe ich noch, dass der Alltag irgendwie laufen muss. Innerlich bin ich leer. „Glücklich sein“, diese Beschreibung meines Lebens habe ich schon lange nicht mehr verwendet.

Ich liege in Ketten aus unausgesprochenen Regeln

Neben all den äußeren Umständen, die Bereiche meines Lebens, in denen es Schwierigkeiten gibt, hab ich dann noch ein wahrscheinlich viel größeres Problem: Und das bin ich selbst. Zumindest das Selbst, was ich dachte, zu sein. Ich habe euch schon mehrmals mit hinein genommen, in den Prozess, in dem ich mich befinde. Frei werden in Gedanken und im Handeln, aber auch festzustellen, dass wenn man freier werden möchte, nicht immer sofort kann. Wer bestimmt mein Denken, meine Werte, mein Handeln, mein Wollen und meine Ziele? Bin das wirklich ich oder sind das die Regeln und Erwartungen, die mir anerzogen wurden, die mir die Gesellschaft vorgibt, in der ich lebe? Wer möchte ich wirklich sein? Nach welchen Regeln möchte ich leben? Das sind alles Fragen und Dinge, mit denen ich mich gerade intensiv beschäftige. Oder nein. Mit denen ich mich so gerne beschäftigen MÖCHTE, denn wie ja oben schon geschrieben, liege ich in der Ecke und kann gar nichts mehr. Da ist selbst das Lesen eines Buches zu viel, denn nach den ersten Zeilen bin ich kurz vorm Einschlafen. An sich selbst arbeiten und etwas behalten ist abends um 21 Uhr und mit einem Müdigkeitspegel wie eine Woche nicht geschlafen schlicht unmöglich.

Ich will leben, bis zum letzten Atemzug

Wie gesagt: Der erste Schritt ist es, zu erkennen, wer ich wirklich sein möchte und erst danach kann ich mir meine Ziele setzen. Ich bin noch beim Formen meiner Selbst, so wie ich mich gerne hätte, aber ich weiß, dass ich noch so viel erleben möchte. Eben weil ich in diesen Ketten lag, steht mir nun eigentlich die ganze Welt offen und ich würde am liebsten sofort loslaufen und sie erkunden, frei, ohne Erwartungen, ohne Verbindlichkeiten. Aktuell geht das nicht. Und das macht mich wahnsinnig, lässt mich verzweifeln. Ich will, aber kann nicht. Da steht eine unzufriedene Frau und Mutter, Anfang 30, die weiß, dass es ihr schlecht geht und die sogar weiß, wieso, aber die nichts daran ändern kann.

Bis ich die Schwerkraft besieg‘
werd‘ ich nicht kapitulieren, werd‘ ich nicht kapitulieren.

Also gebe ich nicht auf und schaffe mir kleine Inseln nur für mich. Dazu möchte ich euch ermutigen. Ihr seid wichtig!!! Ihr müsst nicht einfach immer nur funktionieren, ihr dürft euch auch um euch kümmern. Thema Selbstfürsorge. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Bild: Pixabay / StockSnap

Leave a Reply

*