Frau, Persönliches

Gedanken // Im Hier und Jetzt anstatt durchs Leben gehetzt

Heute Nacht ist also mal wieder Zeitumstellung und uns wird eine Stunde geschenkt. Nun gut, jede Mutter weiß, dass es den Kindern und ihrer inneren Uhr ziemlich egal ist, ob die Uhr eine Stunde vor- oder zurückgestellt wird. Es wird einige Zeit dauern, bis sich die Umstellung bei allen eingependelt hat.

Nicht im Hier und Jetzt

Aber die Sache mit der Zeitumstellung passt ziemlich gut zu einem Thema, was mir in letzter Zeit sehr häufig durch den Kopf geht: Ich fühle mich durch’s Leben gehetzt. Als Mama, Ehefrau und Angestellte habe ich viele Aufgaben, die alle zu meiner Zufriedenheit erledigt werden wollen (Hallo Perfektionimus). Ein Termin reiht sich an den nächsten. Morgens aufstehen, frühstücken, Kinder fertig machen und zum Kindergarten bringen, zur Arbeit fahren, nach der Arbeit schnell nach Hause, etwas essen, die Kinder wieder abholen, den Nachmittag mit den Kindern verbringen oder zum Schwimmen, Reiten oder Einkaufen fahren, die Kinder ins Bett bringen und todmüde aufs Sofa fallen. Und das alles jeden Tag aufs Neue. Dabei bin ich meist nicht im Hier und Jetzt, sondern überlege oft schon während der Arbeit, wie ich den Nachmittag organisiert bekomme und nachmittags denke ich darüber nach, was ich abends alles machen könnte. Dann bin ich deprimiert, weil ich abends aufgrund meiner Müdigkeit gar nichts mehr schaffe.

Die Zeit, unser Feind?

Einen Bereich habe ich in der Aufzählung gerade vergessen, und zwar meine Leidenschaft: Den Blog. Denn der geht ziemlich oft unter. Klar, wenn man Kinder hat, ist man ziemlich fremdgesteuert. #butfirstkinder, so könnte das Motto einer Mama lauten (gleich dahinter folgt #butfirstcoffee, wenn das irgendwo noch dazwischen passt). Natürlich versorgt man erst die Kinder, die Umstände bestimmen, was man zutun hat, man „funktioniert“ irgendwie durch den Tag. Aber ist das zufriedenstellend? Für manche Mamas mag das erfüllend sein, für mich ist es das nicht. Ich wünschte, der Tag hätte mehr als 24 Stunden oder ich würde weniger Schlaf benötigen, mal davon abgesehen, dass ich meinem Körper eh viel zu wenig Schlaf gönne, auch ein grundsätzliches Problem der Mamas.

Manchmal fühlt es sich wirklich so an, als wäre die Zeit mein Feind. Viel zu viele Termine und Wünsche für viel zu wenig Zeit. Es ist 20 Uhr abends. Die Kinder sind im Bett. Endlich habe ich Zeit für mich. Sollte ich tatsächlich mal nicht direkt so müde sein, dass mir die Augen zufallen, überlege ich, was ich mit meiner freien Zeit anstellen könnte. Oh, da kommen mir viele Ideen. Aufräumen wäre dringend dran, Katzenklo sauber machen, Wäsche zusammenlegen, achja, und etwas essen müsste ich auch noch. Der Bücherstapel auf meinem Nachttisch wird immer größer und eigentlich steht auch ein Telefonat mit meinem Vater an, den ich schon viel zu lange nicht mehr gesprochen habe. Nicht zu vergessen: Meine Lieblingssendung läuft auch gerade heute Abend im Fernsehen. Aber was möchte ich denn eigentlich für mich tun? Worauf hätte ICH jetzt richtig Lust? Da muss ich nicht lange überlegen: Bloggen. Ihr seht schon, ich habe ein Problem mit der Zeit.

Nicht im Hier und Jetzt den Moment genießen

 

Ach, war das schön

Bin ich nicht damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was ich in der Zukunft, also beispielsweise am kommenden Abend oder am nächsten Tag alles machen könnte, anstatt den Moment zu genießen, schwelge ich in der Vergangenheit. Es gab Zeiten in meinem Leben, da fühlte ich mich nicht gehetzt, sondern lebte tatsächlich den Moment. Egal wie kurz er war, er war schön. Aber es gibt diese Momente nicht mehr, weil die Menschen oder die Umstände, die der Grund für diese Momente waren, nicht mehr Teil meines Lebens sind. Wie gerne würde ich oftmals mit den Fingern schnippen und wieder diese Dinge erleben. Einfach nur sein, einfach nur genießen, ohne den Rucksack der vollen Termine, vielen Verantwortlichkeiten und Regeln. Aber bringt es mir etwas für die Gegenwart, an der Vergangenheit festzuhalten und sie mir zurückzuwünschen? Leider nein. Ich kann sie sowieso nicht zurückholen.

Frei werden von Vergangenheit und Zukunft

Auf der Instagram Seite von Marius Großhans habe ich diesen Satz gelesen und fühlte mich direkt ertappt. Ich muss frei werden von den Gedanken, die mich in der Vergangenheit festhalten wollen und ich muss die Zukunft auf mich zukommen lassen. Laut Marius ist es eine Entscheidung im Hier und Jetzt zu leben, den Moment zu genießen, sich nicht ablenken zu lassen und seine Gedanken zu trainieren. Das ist sicherlich ein Prozess, aber alleine sich dessen bewusst zu werden, dass man gerade nicht in der Gegenwart lebt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mein Ziel ist es, den Moment zu genießen und dann das zutun, was ich als nächstes tun möchte.

Eine Katze sitzt, bis ihr das Sitzen langweilig wird. Dann steht sie auf und geht weg.“ A. Watts

Frei werden von Vergangenheit und Zukunft den Moment genießen

2 Comments

  1. Jule

    28. Oktober 2017 at 20:33

    Liebe Janina.
    Ich kann dich ein Stück weit verstehen. Ich bin auch abends kaputt und wirklich müde. Irgendwie schaffe ich es trotzdem fast täglich noch etwas für mich zu tun. Entweder für den Blog oder Sport. Aber es gibt natürlich auch Tage, da geht das nicht.

    Allerdings denke ich dass die Vergangenheit zu uns und unserem Leben dazu gehört. Ich denke super gerne an eben diese Momente zurück, die du beschreibst. Ich war auch zeitweise extrem frei. Habe jeden morgen in den Tag gestartet ohne zu wissen was er bringt. Das war verrückt. Das war aufregend. Aber die Zeiten haben sich geändert. Man wird ja auch älter. Und würde ich heute noch so leben würde ich mich vermutlich nach Familie und Kindern sehnen. Denn auch die Freunde von damals haben sich verändert und entwickelt. Zumindest die Meisten *lach*
    Ach Janina was würde ich nochmal um die Zeit damals geben. Und doch bin ich sehr glücklich mit dem Leben was ich heute habe….. Und versuche auch die Momente zu genießen und im Hier und Jetzt zu leben.
    Fühl dich umarmt.

  2. JesS von feierSun.de

    29. Oktober 2017 at 00:50

    Ach du liebe, die Vergangenheit gehört ja irgendwie auch zu uns und trotzdem bringt sie uns nicht immer weiter. In dem Punkt gebe ich dir total recht. Aber sie gehört auch zu uns und wir dürfen uns an sie erinnern. Erinnern, wie und was uns zu dem gemacht hat, wer wir heute sind.
    Vielleicht muss noch jemand kommen, und dein Feuer entfachen? Dein Feuer für etwas, wofür du brennen kannst. Lichterloh. Etwas, was auch deine Müdigkeit überwinden wird. Und so nebenbei gesagt, die Kinder werden größer und in gewisser Weise wird es einfacher mit hin. Das habe ich nicht glaubt, aber erlebe es gerade.
    Aber ich gebe Dir auch wieder total recht, wie wichtig es ist, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Das kann ich selber ganz schlecht. Ich sehe nur Ziele, manchmal merke ich gar nicht, dass ich sie erreicht habe, denn ich sehe Ziele. Ich renne seit Jahren und irgendwie sollte ich aufpassen, dass ich nicht den Boden unter den Füßen verliere oder stolpere. Daher, lass uns daran denken, was war und uns an unseren Wünschen arbeiten – aber nicht vergessen im jetzt zu sein.
    Es klingt vielleicht banal, aber manchmal hilft einfach atmen und einen Moment in die Ferne schauen. 😉

    Drück Dich
    JesS

    P.S. Serien kann man in Mediatheken nachschauen und Bücher laufen nicht weg. Das Leben zieht aber weiter… jeden Tag, jede Stunde, immer….

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