Familienleben // Warum Eltern manchmal schreien

Ich glaube, die wenigsten Eltern auf dieser Welt wollen ihre Kinder mit Absicht anschreien. Und doch kommt es in den besten Familien vor. Wieso ist das so? Sind das alles schlechte Eltern, die sich besser im Griff haben sollten oder gibt es nachvollziehbare Gründe, weshalb Mama oder Papa laut werden?

Eine typische Alltagssituation

Es ist Donnerstag Nachmittag. Ein stressiger Tag liegt bereits hinter mir mit vielen Terminen und gegen 17 Uhr sind wir endlich vom Reiten wieder da und ich will mir noch schnell einen Kaffee machen. Ich bin allein für die Kinder zuständig. Mein Mann hat Spätschicht und wird erst gegen 22 Uhr nach Hause kommen. Kind 1 hat Hunger, ich mache dem Kind etwas zu Essen. Kind 2 hat Langeweile und nur Blödsinn im Kopf, also wird das Katzenklo ausgeräumt und das Katzenfutter ins Katzenwasser geschmissen. Ich mache alles sauber. Kaffee hatte ich immer noch nicht. Ich bin genervt, müde und gestresst und als Kind 2 mit dem nächsten Anliegen kommt, passiert es: Ich schreie Kind 2 an.

Der Besuch von Brigitte

Kennt ihr solche Situationen? Auch wenn ich es natürlich nicht gerne zugebe, ertappe ich mich des Öfteren dabei, meine Kinder anzuschreien. Meist merke ich das erst, nachdem es schon passiert ist und dann bekomme ich direkt ein schlechtes Gewissen. Ich will gar nicht schreien und doch kommt es einfach so aus mir heraus. Wie ein Automatismus. Da war sie wieder, die unkontrollierte Mutter, nennen wir sie Brigitte. Brigitte kommt ganz plötzlich zu Besuch und kaum war sie da und hat ihr Donnerwetter losgelassen, ist sie auch schon wieder verschwunden.

Ich kenne Brigitte aus früheren Zeiten, als das Baby auf meinem Arm nicht aufgehört hat zu schreien, oder nachts um drei immer noch nicht einschlafen wollte. In diesen Situation lugte sie um die Ecke und hat auch das ein oder andere Mal mit lauter Stimme „Hallo“ gesagt. Gott sei Dank war dann fast immer mein Mann zur Stelle, konnte das Baby nehmen und Brigitte sanft die Tür vor der Nase zumachen.

Wieso muss es soweit kommen?

Suche ich bei mir selbst nach den Gründen, wann und wieso ich meine Kinder (oder manchmal sogar meinen Mann – sorry Schatz) anschreie, komme ich Brigitte ganz schnell auf die Schliche. Meine Trigger, durch die Brigitte viel schneller kommt, als sonst, sind:

  • Wenn ich nicht gut genug für mich selbst gesorgt habe, mein „Selbstfürsorge-Tank“ also leer ist.
  • Wenn ich die Kinder alleine zu versorgen habe.
  • Wenn zu viele Reize auf einmal auf mich einströmen, z.B. beide Kinder gleichzeitig etwas von mir wollen.
  • Wenn ich müde bin (und das ist quasi Dauerzustand bei mir.. urgs!).
  • Wenn ich zu wenig Zeit für mich selbst habe, und dadurch meine mir eigens gesteckten Ziele nicht erreicht habe -> dadurch entsteht innere Unzufriedenheit und ich bin leichter reizbar.
  • Wenn die Kinder Dinge tun, die ich nicht möchte oder umgekehrt, Dinge nicht tun, die ich von ihnen gerne hätte.
  • Wenn ich meine Menstruation habe oder kurz davor stehe.
  • Wenn ich noch nicht mal kleine Dinge erledigt bekomme, wie z.B. mir einen Kaffee machen.

Sich diese Dinge bewusst zu machen, hilft mir vor allem dabei, die Situation zu akzeptieren und mich nicht selbst ständig dafür zu geißeln, dass ich doch mal lauter geworden bin, als ich wollte. Wenn ich mich selbst ertappe, kann ich überhaupt erst etwas dagegen tun. Aber manchmal bin ich einfach nur sauer, kaputt und innerlich leer und dann ist das eben so.

Kann man etwas gegen das Schreien tun?

Lösungsansätze gibt es. Die Punkte, die ich aufgelistet habe, sind ja „einfach“ nur ins Gegenteil umzuwandeln (mehr schlafen, mehr Zeit für mich etc.), aber so einfach ist das manchmal nicht. Es gibt Phasen im Leben, da kann man nicht an sich arbeiten und da ist alles zu viel. Das ist okay. Das wird auch wieder anders. Spätestens, wenn die Kinder das Haus verlassen 😉

Wenn ihr an wirklichen, praktischen Tipps interessiert seid, wie man es vermeiden kann, seine Kinder anzuschreien, dann schaut mal bei meiner Kollegin Jeannine von mini-and-me.com vorbei. Sie schreibt wundervolle Artikel zu dem Thema und setzt diese auch wesentlich besser um, als ich das jemals könnte. Zumindest aktuell kann ich es nicht.

Habt ihr bei euch noch andere Gründe entdeckt, weshalb ihr mal aus der Haut fahrt? Oder bleibt ihr ruhiger als ich? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen. 

3 Comments

  1. Claudia 10. Oktober 2017 at 20:54

    Hallo Janina,

    ich bin sonst eine stille Mitleserin, möchte mich heute aber mal zu Wort melden.

    Danke für diesen ehrlichen Beitrag! Du sprichst mir so aus der Seele! Endlich mal eine Bloggerin, die nicht nur über ihre tollen
    Mamagefühle schreibt und wie plüschig alles ist.

    Denn so schnell ensteht da Druck als
    Leserin. Man fragt sich
    oft, was mach ich falsch,
    dass ich nicht so eine
    total entspannte easy
    Mutter bin?
    Tiefenentspannt, immer
    lächeln, immer einen
    ruhigen Singsangton.

    Alle Mütter sollten viel ehrlicher zueinander sein als nur immer „besser“,
    „hübscher“ und „toller“.
    Mach weiter so!

    Und betreffend deinem
    Beitrag. Ich kann es fast
    genauso unterschreiben.
    Deine Punkte, wieso man
    an diesen Punkt gelangt,
    entsprechen genau
    meinen Punkten. Zu
    wenig Zeit für sich,
    ständiges präsent sein,
    zu nichts im Ruhe
    kommen, Lärmpegel etc.
    Und Schlaf, ja, ganz grosses Thema hier!

    Ich hoff, wir finden alle
    einen Weg. Aber wie sagt
    man so schön? Jeder
    Weg führt zum Ziel und
    mit Kindern hört der
    Weg nie auf, um an sich
    zu arbeiten und
    weiterzukommen.

    Liebe Grüsse, Claudia

    Reply
    1. Filea 10. Oktober 2017 at 22:23

      Liebe Claudia,
      es ist zwar schon spät, aber ich möchte dir trotzdem direkt antworten. Erst einmal: Vielen Dank für deine Worte!!! Das meine ich aus tiefstem Herzen! Denn weißt du was? Genau das ist der Grund, weshalb ich diesen Blog betreibe, weshalb ich auf „Veröffentlichen“ klicke, obwohl ich weiß, dass meine Worte oftmals nicht rosa plüschig und mit Watte abfedernd sind. Ich möchte die Mamas da draußen ermutigen und ihnen sagen, dass sie nicht alleine sind! Dass es Zeiten gibt, die stürmisch sind und dass man das sagen darf!
      Ich finde es toll, dass du bei dir festgestellt und entdeckt hast, was deine Punkte sind, durch die du ausgelaugt bist. Auch wenn du vielleicht nicht sofort etwas daran ändern kannst, ist es super, zu wissen, wo die Knackpunkte sind und dann ganz klein anzufangen, für sich selbst zu sorgen. Ich hoffe für uns alle, dass wir das schaffen und auch für dich ganz besonders, dass du Oasen findest im Alltag, die dich auftanken lassen.
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Janina

      Reply
      1. Claudia 11. Oktober 2017 at 10:49

        Danke Janina! Und ja, langsam bin ich mir wieder meine Oasen am erschaffen. Nicht immer leicht, aber umso wichtiger.

        Liebe Grüsse aus der Schweiz, Claudia

        Reply

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