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Schwimmkurs mit 5 Jahren // Mütter unter Druck und was dieser mit meiner Tochter gemacht hat

Vor kurzem habe ich euch erzählt, dass es gar nicht schlimm ist, wenn Kinder etwas länger brauchen, um zum Beispiel Fahrradfahren zu lernen. Außerdem habe ich dazu aufgerufen, dass wir als Eltern locker bleiben und dem Kind Zeit geben sollten. Wie das Leben so spielt, muss ich euch heute sagen: Ich unterliege genauso dem Druck und habe dadurch einen Fehler gemacht.

„Vor der Schule sollte das Kind schwimmen können“

Mit diesem Satz fing alles an. Ich weiß nicht mal mehr, von wem ich ihn gehört habe, aber das Problem war: Ich glaubte ihn. Auf einmal meldeten gefühlt alle Eltern in meiner Umgebung ihr Kind beim Schwimmkurs an. Und es war auf einmal wieder genau so, wie beim Fahrradfahren lernen. Ich hatte Angst, dass unsere Tochter auf einmal nur noch zuschaut und vor allem wollte ich sie davor bewahren, nächstes Jahr in ihrer Klasse zu sitzen und alle anderen Kinder könnten vielleicht schon schwimmen, nur sie nicht. Also, so dachte ich, bin ich eine „gute Mutter“ und meldete meine 5-Jährige Tochter beim Schwimmkurs an.

Das flaue Gefühl im Magen

Der Start des Schwimmkurs rückte näher und so wurde auch das flaue Gefühl in meinem Magen immer stärker. Denn ich wusste ja: Eltern müssen beim Schwimmkurs draußen bleiben. Ich hatte große Sorge, ob meine Tochter das überhaupt mitmachte. Ich kenne sie. Sie ist eben ein sehr sensibles Mädchen, braucht Zeit in fremden Situationen und mit Menschen, die sie nicht kennt. Dann kam der erste Tag vom Schwimmkurs, wir standen in der Eingangshalle vom Schwimmbad und warteten auf die Dinge, die da kamen. Und warteten, und warteten. Unsere Tochter wurde immer nervöser, ihre Augen immer größer und mir wurde immer mulmiger. Zum Glück durften die Eltern bei den ersten beiden Malen dabei bleiben und so hatte die Große wirklich viel Spaß im Wasser, auch wenn sie diesem und auch den Lehrern gegenüber noch einigen Respekt hatte. Aber die nächsten Male taute sie immer mehr auf. Was mir jedoch auffiel: Es waren jedes Mal andere Schwimmlehrer/innen da.

Schwimmkurs mit 5 Jahren

leoleobobeo / Pixabay

Und dann kam die Angst

Der Kurs war mit bis zu 15 Kindern ordentlich voll und wurde von drei Schwimmlehrern/innen begleitet. Doch Kontinuität bei den Lehrern war nicht da und die Kinder konnten kaum Vertrauen aufbauen. Als dann nur noch männliche Lehrer da waren, die unsere Tochter kaum kannte, war es soweit: Sie wollte nicht mehr hin. Ich weiß aus Erfahrung, dass Kinder ihre Meinung ziemlich schnell ändern können und so nahm ich sie im ersten Moment nicht so richtig ernst. Ich fragte nach, bot ihr Alternativen an, die es ihr leichter machten, doch noch zu gehen, aber sie lehnte alles ab. Sie erzählte mir mit kullernden Tränen, dass sie Angst hat dort hinzugehen, weil die Jungs (Schwimmlehrer) da sind und vor denen hätte sie eben Angst. Ich glaubte ihr, denn es war kein trotziges Weinen, es war echt. Und ich konnte sie verstehen. Wie soll man sich im Wasser sicher fühlen, wenn ständig neue Menschen für mich zuständig sind? Das geht vielleicht mit größeren Kindern, aber nicht mit den kleinen 5-Jährigen Mädels und schon gar nicht mit meiner sensiblen Tochter.

Was soll ich tun, wenn mein Kind nicht zum Schwimmkurs möchte?

Nun saß also dieses kleine Wesen vor mir und weinte und ich wusste nicht, was ich tun sollte. „Vor der Schule sollte sie schwimmen können“ schwirrte mir im Kopf und doch wusste ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Mein flaues Gefühl im Magen hat mich nicht getäuscht. Es war zu früh für sie. Ich habe mich mit einigen Leuten ausgetauscht und durfte beruhigt feststellen, dass es viele andere Möglichkeiten für mein Kind gibt, schwimmen zu lernen.

  1. Das Kind muss nicht vor Schulbeginn schwimmen können. Bei uns in NRW haben die Kinder ab der 2. Klasse Schwimmunterricht und sollten es dann spätestens in der 4. Klasse können. Bis dahin ist aber noch viel Zeit!
  2. Die Eltern können ihrem Kind selbst schwimmen beibringen. Dafür muss man natürlich Zeit und Lust haben und man ist definitiv keine schlechter Mutter, wenn man das nicht tut, aber wenn man beispielsweise kein Geld für einen Schwimmkurs hat (die Dinger sind nämlich ordentlich teuer!), dann wäre das vielleicht eine gute Alternative. Man kann das Kind dann, wenn es soweit ist, bei der Prüfung für’s Seepferdchen anmelden.
  3. Man kann auch einen privaten Schwimmlehrer engagieren, der sich nur für euer Kind Zeit nimmt. Ja, das kostet sehr viel Geld, aber wenn ihr vielleicht noch andere Kinder habt, die auch eher schüchtern sind und Angst haben, könnt ihr euch zusammentun und das Geld teilen, dann ist es teilweise sogar günstiger als ein normaler Schwimmkurs. Fragt doch einfach mal in eurer Umgebung, wer Schwimmlehrer ist oder fragt in Facebook Gruppen eurer Stadt nach.

Sind die Schwimmkurse mit 5 Jahren also generell zu früh?

Das kommt natürlich ganz auf das Kind drauf an. Ich kenne Kinder, die sind sogar unter 5 und haben unheimlich viel Spaß am Schwimmkurs. Das kann aber nur jede Mutter/jeder Vater für ihr/sein Kind entscheiden.

Ich habe heute mit dem Ausbildungsleiter unseres Schwimmkursanbieters gesprochen und ihm meine Sicht der Dinge geschildert. Ihm erklärte ihm, wieso meine Tochter nicht mehr zum Schwimmkurs kommen wird. Daraufhin gab er mir gegenüber ehrlicherweise zu, dass er früher, als er selbst noch die Anfängerschwimmkurse geleitet hat, nur Kinder ab 6 Jahren zugelassen hatte. Wieso sie jetzt mit 5 Jahren starten weiß ich nicht und ich werde auch nichts unterstellen. Mich hat es allerdings in meinem Gefühl bestärkt und in meiner Meinung bestätigt, dass heutzutage alles zu früh startet und gekonnt werden muss.

Hört auf euer Mutter-Gefühl!

Zum Schluss muss ich mir nun an meine eigene Nase fassen. Hätte ich auf mein inneres Gefühl gehört, hätte ich meine Tochter noch nicht zum Schwimmkurs angemeldet. Ich habe mich von dem Druck der anderen Mütter beeinflussen lassen, zu Lasten meines Kindes. Und das tut mir für mein Kind sehr leid. Wir werden ihr jetzt so viel Zeit geben, wie sie braucht. Wir haben uns vorgenommen, öfter mit ihr ins Schwimmbad zu fahren, damit sie wieder Spaß am Wasser hat und gerne dorthin geht. Und entweder macht sie dann noch einen Schwimmkurs oder eben nicht. Das wird sich zeigen. Aber ich hoffe sehr, dass ich nicht nochmal den selben Fehler machen werde und zukünftig auf mein Mutter-Gefühl höre.

Übrigens, ein Beispiel dafür, dass Kinder sogar mit 4 Jahren Spaß am Schwimmkurs haben, ist das Chaosmädchen meiner wundervollen Kollegin Jule vom Blog Chaos & Queen. Die Chaosfamilie hat auch vor kurzem ihre Erfahrungen mit dem Schwimmkurs aufgeschrieben.

Wie ist das bei euch? Haben eure Kinder einen Schwimmkurs besucht und wenn ja, wie alt waren sie? Oder habt ihr euren Kindern das Schwimmen vielleicht sogar selbst beigebracht? Ich freue mich über eure Geschichten. 

Schwimmkurs mit 5 Mütter unter Druck

Titelbild: leoleobobeo / Pixabay

23 Comments

  1. BEatrice

    11. November 2017 at 16:52

    Den besagten Satz kenne ich. Und ich denke auch, dass Schwimmenkönnen wichtig ist. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, wie ängstlich ich selbst im Wasser war. Ich brauchte lange und lernte es irgendwann in der Grundschule gepaart mit Schwimmübungen mit meiner Großtante und eben im Schwimmunterricht in der Schule. Meinen Kindern mache ich da auch keinen Druck. Mein Sohn wird bald 7 und in diesem Sommer habe ich angefangen mit ihm schwimmen zu üben. In seinem Tempo, mit der Berücksichtigung seiner Eigenheiten. Langsam und in Ruhe, aber konsequent gehen wir die Sache jetzt an. So bleibt der Spaß erhalten. Es sind halt alle Kinder unterschiedlich und das sollte man immer berücksichtigen.

    1. Filea

      12. November 2017 at 14:33

      Das ist sehr schön, dass ihr eurem Sohn Zeit gebt! Ich wünschte, ich würde mich da schon viel eher befreien können, aber leider passiert auch das nur Schritt für Schritt. Ich finde es auch wichtig, dass Kids schwimmen lernen, aber irgendwann werden sie das, ob nun ein paar Jahre früher oder später. Danke für den Einblick!

  2. Dagmar

    11. November 2017 at 22:56

    Klassische Schwimmkurse sind wirklich selten auf die Bedürfnisse kleiner Kinder abgestimmt. Das hast du richtig gemacht, als du sie aus den Kurs genommen hattest. Dasselbe hatte ich mit meinem dritten Kind bei einem Kurs bereits am ersten Tag gemacht. Ich habe auch gerade über unseren Weg zum Schwimmen bei unseren vier Kindern geschrieben. Heute waren wir übrigens im Schwimmbad. Und während ein Kurs kleiner Fünfjähriger zitternd am Beckenrand saß und kaum im Wasser war, tobten meine Beiden 80 Minuten im Wasser.
    http://kindheitinbewegung.net/frei-schwimmen/

    1. Filea

      12. November 2017 at 14:49

      Ist schon sehr interessant, wie unterschiedlich die Kinder sind. Danke für die Verlinkung zu deinem Artikel, ich finde das immer sehr spannend in andere Familien blicken zu dürfen! Du hast das auch genau richtig gemacht.

  3. David (Münsterpapa)

    12. November 2017 at 13:24

    Ich habe auch auf mein Vater-Gefühl gehört und meinen 5jährigen Sohn vom Schwimmkurs abgemeldet! Alle gemeinsam (Mama, Papa, Kind) haben wir uns dann für Punkt 2 entschieden. Ich werde demnächst darüber berichten!

    1. Filea

      12. November 2017 at 14:51

      Hallo lieber Münsterpapa, ich freue mich sehr, dass du auf meinen Blog gestoßen bist! Deine Frau kenne ich ja bereits 😉 Das ist ja spannend, dass ihr scheinbar den gleichen Weg hinter euch und quasi auch vor euch habt wie wir. Ich bin sehr gespannt, was du berichten wirst! Liebe Grüße, Janina

  4. Britta

    12. November 2017 at 23:09

    Oh je, da bist du wohl auch an sogenannte „selbsternannte Erziehungsexperten“ geraten. Leider lassen wir Mamas uns oft durch solche Kommentare verunsichern. Ich kenne das! Bin selbst schon öfter Opfer dieser Experten geworden… Schau gern mal hier https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/08/selbsternannte-erziehungsexperten-oder.html?m=0 und hier https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/08/selbsternannte-erziehungsexperten-20.html?m=0

    1. Filea

      14. November 2017 at 20:38

      Puh, da hast du ja auch krasse Erfahrungen gemacht, manche Leute sind in ihrem Beruf echt Fehl am Platze… Ich finde es toll, dass du so aufbauende und aber auch ehrliche Worte findest! Weiter so!

  5. Nadine

    13. November 2017 at 15:02

    Find ich auch! Alles muss immer früher anfangen! Dem Schwimmen bin auf ch auch aufgesessen bei meinem Sohn, hätte ja schon bei seiner älteren Schwester geklappt! Wir hatten auch den hochangeoriesenen, teuren Unterricht in einer kleinen Gruppe, teuer und mamas dürften anwesend bleiben! Kenne die ch dich mein kleines sensibelchen! Bei der 4. Stunde habe ich meinen weinenenden 5 jährigen aus dem Wasser gefischt und unter Protest der Schwimmlehrerin das Bad verlassen! O-Ton wenn sie ihn jetzt mit der Bockigkeit durchlassen, lernt er nie schwimmen! Ein Jahr später hat er’s dich gelernt in einem anderen Kurs, mit viel mehr Kindern, mit einer Lehrerin aus Zucker😍 ohne dass ich anwesend war und hatte nach drei Stunden sein Seepferdchen! Mehr habe ich nicht dazu zu sagen, außer hört auf euer Bauchgefühl und nicht darauf, was die Leute sagen, immer wieder!

    1. Filea

      14. November 2017 at 20:39

      Super, was du schreibst! Es kann manchmal so einfach sein, wenn man seinem Kind Zeit gibt! Schön, dass es bei euch dann doch geklappt hat!

  6. Nadine

    13. November 2017 at 15:05

    Oh nein, so viele Fehler! 😐 Tut mir leid, T9 lässt mich im Stich und ich habe es einfach so weggeschickt!

  7. Sara

    13. November 2017 at 15:22

    Also ich konnte bis ich 8 war nicht schwimmen und das war gar kein Problem in der Schule. Und ich habs letztendlich nicht im Schwimmunterricht der Schule sondern im Urlaub am Meer von meinem Onkel gelernt 😉

    1. Filea

      14. November 2017 at 20:40

      Das ist toll, siehst du, es geht auch anders! Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst!

  8. Nadine

    13. November 2017 at 16:39

    Meine älteste Tochter wird im Januar 5. Hab schon von verschiedenen Seiten gehört „ach, dann steht ja bald ein Schwimmkurs“ an. Aber nur ich weiß dass sie zur Zeit keinen Schritt ohne mich und Wasser machen würde und auch sonst noch viel zu ängstlich ist (Eingewöhnung im kiga läuft immer noch…) Fahrrad auch nur mit Stützräder. Sonst hätte sie sich nie drauf gewagt. Ganz anders als die jüngeren Geschwister …
    Von daher ist der Artikel wohl für mich geschrieben worden damit ich nicht den gleichen Fehler mache. Danke !!

    1. Filea

      14. November 2017 at 21:00

      Genau Nadine, geb euch Zeit, das ist echt wichtig! Auch wenn es schwer ist, sich nicht dem äußeren Druck hinzugeben, du kennst dein Kind am besten! Und dein Kind ist gut so wie es ist, ganz gleich, wann es schwimmen und Fahrrad fahren kann. 🙂

  9. Frühlingskindermama

    13. November 2017 at 20:54

    Hallo,
    ich stand vor über einem Jahr auch vor dieser Entscheidung und habe mich mithilfe meines Blogtextes und der Kommentare dagegen entschieden. Nun haben zwar viele seiner Freunde das Seepferdchen und können schwimmen, aber für meinen Großen war es auf jeden Fall besser so. In der Schule gibt es nächstes Jahr (2. Klasse) dann Schwimmunterricht und wir werden sehen, wie das für ihn ist. Für manche Kinder ist es super mit 5 Jahren, für andere viel zu früh.
    Falls Du meine damaligen Gedanken lesen magst:
    https://fruehlingskindermama.blogspot.de/2016/07/schwimmkurs-mit-5-jahren-ja-oder-nein.html

    Viele Grüße!

    1. Filea

      14. November 2017 at 21:04

      Das ist ja interessant, dass wir wirklich dieselben Gedanken hatten und über dasselbe gebloggt haben. Danke für deinen Beitrag!! Je mehr Mamas darauf aufmerksam machen, dass 5 wirklich früh und der Start ist, desto besser. Liebe Grüße zurück!

  10. Bianca

    14. November 2017 at 10:17

    Wir haben unsere Tochter mit 4 zu einem Schwimmkurs angemeldet in dem es explizit nur darum ging, die Freude am Wasser zu entdecken und die Scheu abzulegen. Also eine geoße Party im Wasser mit Unterwasserkamera. Den nächsten Schwimmkurs darf sie machen, wann sie möchte – oder auch nicht, denn sie übt schon fleißig von sich aus, wenn wir ins Schwimmbad gehen. Der Kurs wird zwar von den anderen Anbietern etwas belächelt, aber nur so macht es für mich Sinn! Die Schwimmlehrerin gibt selbst zu, dass sie als Kind wegen strengem Schwimmunterricht Angst vor Wasser entwickelt hat und genau deshalb macht sie es heute anders.

    1. Filea

      14. November 2017 at 21:05

      Ja ich glaube, das nennt man bei uns „Wassergewöhnung“, allerdings weiß ich gar nicht, ob dort die Eltern dabei bleiben dürfen oder nicht. Ich kann mir vorstellen, dass man belächelt wird, bei uns ging es auch direkt los mit den Bewegungen etc. Alles immer schnell schnell.

  11. Simone

    14. November 2017 at 20:35

    Meine 6-jährige Tochter hat diesen Sommer in einem Ferienkurs ihr Seepferdchen gemacht, weil sie es wollte. Aber du hast recht, gefühlt geht JEDER dahin, deshalb habe ich garnicht darüber nachgedacht, als sie mich fragte. Ihre Freundin wurde dieses Jahr eingeschult, von 25 Kindern können gerade mal 4 schwimmen, deshalb würde ich mir da überhaupt keine Gedanken machen! Es ist wie bei allem, erst wenn das Kind es möchte, dann klappt das auch, als Eltern kann man da nichts beschleunigen und das ist vielleicht auch ganz gut so.

    1. Filea

      14. November 2017 at 21:06

      Hallo Simone, danke für deinen Beitrag! 4 von 25, das nimmt ja echt nochmal mehr den Druck. Ich freue mich für deine Tochter, dass sie diesen Sommer ihr Seepferdchen gemacht hat. Da war sie bestimmt stolz! Ganz liebe Grüße, Janina

  12. Nordherz

    15. November 2017 at 15:16

    Ganz schweres Thema.
    Es gibt wohl kein Alter ab dem es definitiv geht. Das ist ganz individuell je nach Kind.

    Diesen Satz, dass man vor der Schule schwimmen können muss, haben wir auch gehört. Hier gibt es aber ellenlange Wartelisten für die Kurse.
    Unser Sohn ist jetzt im Schwimmkurs seit Januar. Da war er fast 6 Jahre alt. Einmal die Woche eine Stunde. Es ist inzwischen der zweite Kurs-Block. Er ist aus dem ersten rüber gewechselt. Die Lehrer sind immer die selben. Es ist ein DLRG Kurs und die Leute machen das ehrenamtlich und mit Leidenschaft. Vom Schwimmlehrer hab ich gesagt bekommen dass die wenigsten Kinder das in einem Kurs-Block schaffen. Da das Schwimmen, wie man es in Deutschland lernen muss, eine unnatürlich Bewegung ist und die Kinder das erst verknüpfen müssen. Und das dauert.
    Die machen das wirklich toll und ich bin froh dass wir einen guten Kurs erwischt haben und es ihm Spaß macht.

    Aus Gesprächen mit Eltern seiner Freunde wissen wir aber, das wir da echt Glück haben mit Kurs und Lehrern. Denn sein Freund kann zum Beispiel nach zwei Intensivkursen immer noch nicht schwimmen. Dort wird/wurde ganz anders gelehrt. Nicht spielerisch sondern sehr trocken. Während bei meinem Sohn jede Bewegung einen Namen hat (Eisbär, Pinguin) haben die einfach nur die Bewegungen gezeigt bekommen.

    Es müssen also auch die Kurse kindgerecht sein und zum Kind passen. Es muss nicht unbedingt daran liegen dass das Kind nicht bereit dafür ist. Aber an was es liegt, wird einem sein Gefühl und sein Eindruck schon sagen. Darauf sollte man wirklich achten. Kann ich dir nur zustimmen.
    Ich wünsche deiner Tochter so oder so alles gut, dass sie Spaß am Schwimmen und am Wasser hat.

    Hier ist es übrigens ähnlich wie in NRW. Die Kinder der ersten und zweiten Klasse haben die Möglichkeit in der GTS an einer Schwimm-AG teilzunehmen wo sie auch schwimmen lernen können. Wir machen das nicht, weil ich denke zwei ist zu viel und das verwirrt ihn wahrscheinlich. Aber für seinen Freund ist das vielleicht der richtige Kurs.

    Übrigens, ich habe es bis heute vermieden mit meinem Sohn ins Schwimmbad zu gehen und werde das bei meiner Tochter ebenso halten. Ich kann selbst nicht schwimmen und ich bezweifle dass ich mich jemals überwinden werde es zu lernen. Ich bin mit 6 Jahren im Tunesienurlaub fast ertrunken. Sobald mir das Wasser bis mindestens zur Brust geht, bekomme ich Panik, Beklemmungen und Atemnot. Daher wollte ich meinen Kindern nie signalisieren „Wasser/Schwimmbad ist was ganz schlimmes“ und das war meiner Meinung nach auch richtig so. Mein Sohn hat viel Spaß im Wasser. Und er geht mit Papa ins Schwimmbad. So haben die auch was „für sich“ – exklusive Papa-Zeit 😉

    1. Filea

      15. November 2017 at 20:58

      Erst einmal danke ich dir für deine vielen Worte und deine Offenheit bezüglich dir selbst und deines Sohnes. Du hast vollkommen recht, ich kann dir nur zustimmen, dass jedes Kind individuell betrachtet werden sollte. Aber ganz ehrlich: Wo passiert das noch? Wann nehmen sich die Menschen tatsächlich mal Zeit für die unterschiedlichen Menschen/Kinder? Das geht in der heutigen schnelllebigen Zeit unglaublich schnell unter, leider. Wichtig ist und wahrscheinlich die einzige Chance, dass die Eltern auf der Seite ihres Kindes stehen und sich für die Individualität dessen einsetzen.
      Ich wünsche euch und eurem Sohn alles Gute und ich finde es toll, dass du so reflektiert an die Sache heran gehst. Ganz liebe Grüße an dich!

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