Mama, Schwangerschaft

Ein viel zu frühes Ende // Die Geschichte meiner Fehlgeburt

Wisst ihr, es gibt so Themen, da redet man nicht offen drüber. Entweder weil man keine Schwäche zeigen will, es einem peinlich ist, man dadurch zugeben müsste, dass man es nicht alleine schafft oder weil man denkt, dass man anschließend alleine und letztlich als Außenseiter dasteht.

Viele Frauen haben das erlebt, was ich erlebt habe, aber kaum jemand spricht offen darüber. Die Fehlgeburt. Das möchte ich ändern. Inspiriert durch meine liebe Jule schreibe ich heute die Geschichte meiner Fehlgeburt auf. Und wer weiß, vielleicht ermutige ich noch jemanden, darüber zu berichten, um zu zeigen, dass wir eben nicht alleine sind. Im Zuge meiner Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich ganz viele Bloggerkolleginnen entdeckt, die über ihre Fehlgeburt geschrieben haben. Das finde ich bewundernswert und ganz toll, dass so viele offen damit umgehen. Weiter unten sind alle verlinkt.

Der Wunsch nach dem zweiten Kind

Es war ein heißer Sommertag und wir waren mit unserer Großen zu Besuch bei meiner Schwester an der Nordsee. Am Strand ging ich mit meiner Schwester spazieren und war ganz aufgeregt, denn ich wollte ihr mitteilen, dass wir uns für ein zweites Kind entschieden haben. Geplant hatten mein Mann und ich das schon im Frühjahr und ausgerechnet, dass wir ab Sommer starten können. Alle Mamis da draußen wissen, wie spannend so eine Kinderplanung ist. Jeder Tag wird genau beobachtet. Ich hatte damals sogar das Programm der „Natürlichen Familienplanung“ zu Hilfe genommen, weil mir u.a. das Messen meiner Temperatur sehr geholfen hat. Außerdem habe ich dadurch nun eine genaue Aufzeichnung meiner Zyklen von damals.

Zwei Übungszyklen waren schon ins Land gegangen und ich bin noch nicht schwanger geworden. Ihr kennt sicherlich den Hormoncocktail, der in jedem Zyklus die Frau übermannt. So erging es auch mir. Ich war jedes Mal fix und fertig. Dann kam der dritte Monat und ich hielt tatsächlich am 16. Tag nach dem Eisprung einen positiven Test in der Hand. Endlich! Ich rannte zu meinem Mann, der noch ganz verschlafen in seinem Bett lag und sprang voller Freude durch die Wohnung. Ich konnte unser Glück gar nicht fassen.

Ultraschal 6. Woche Fehlgeburt

Ein viel zu frühes Ende

Doch soll ich euch was sagen? Die Freude hielt nicht lange an. Schon am selben Abend bekam ich Blutungen. Erst waren es nur leichte Blutungen und ich hoffte noch. Ich hatte schon oft gehört, dass leichte Blutungen in der Schwangerschaft vorkommen können. Doch ich machte mir unheimliche Sorgen. Darf ich mich überhaupt noch freuen? Sollte es so schnell schon wieder vorbei sein?

Zwei Tage später voller Gefühlschaos, Hoffnung und Tränen, hatte ich einen Termin beim Frauenarzt und dieser bestätigte leider meine Sorgen: Es gab keinen Befund, mein HCG Wert war negativ, ich war nicht schwanger. BÄHM. Der einzige Satz meines Frauenarztes, der mir hängen blieb, war, dass ich schnell wieder schwanger werden würde, weil mein Körper quasi schon auf „schwanger“ eingestellt wäre. Ja danke, das hilft mir jetzt auch nicht.

Ich lief in mein Auto zurück, setzte mich hinein und weinte. Ich weinte und weinte und ich kann euch nicht sagen, wie lange ich so da saß. Ich war einfach nur überwältigt von diesem Hin und Her meiner Gefühle. In den nächsten Tagen ging alles von alleine ab. Ich hatte einfach eine starke Menstruation. Es war eigentlich nichts anders, und doch fühlte ich mich anders.

Man fühlt sich alleine

In solchen Situationen, die meist nur die verstehen können, die selbst einmal in dieser Situation waren, fühlt man sich meist sehr allein. Ich saß Zuhause auf meiner Couch, meine Mutter wuselte um mich herum, auch mein Mann war da, aber ich fühlte mich so einsam. „Es war doch nur ein Tag“, flüsterte meine innere Kritikerstimme in mein Ohr. „Du hast keinen Grund, traurig zu sein“. Und doch war ich es. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der mir sagt: Es ist okay, dass du trauerst. Selbst wenn es nur ein Tag war, in dem du die Hoffnung hattest, dass du ein zweites Baby bekommst. Du darfst traurig sein!

Deswegen schreibe ich mein Erlebnis hier auf. Ich habe nicht mehr daran zu knabbern. Gott sei Dank durfte ich – so wie es der Frauenarzt hervorgesagt hat – einen Monat später wieder schwanger werden und nun meinen Sohn im Arm halten. Aber es gibt viele Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden und die sehr darunter leiden. Und das verstehe ich! Es macht etwas mit einem. Und das darf es auch. Man darf sich verkriechen, man darf heulen, schreien, schimpfen. Man darf genauso auch lachen und am nächsten Tag wieder genauso weiter machen, wie vorher, wenn man sich danach fühlt. Aber wir Frauen sollten eben genau das fühlen und rauslassen dürfen, was wir in uns spüren.

Mut machen durchs Weitererzählen

Ich glaube, uns Frauen fehlt an so vielen Stellen ein „Ich verstehe dich“. Und das möchte ich heute in die Welt rufen: Ich verstehe dich! So wie ich, haben ganz viele Frauen vor mir ihre Geschichte zum Thema Fehlgeburt aufgeschrieben. Und weil ich denke, dass alle diese Geschichten den Frauen Mut machen, die genau dasselbe durchmachen müssen, wie wir, verlinke ich sie für euch:

Katharina von der Blogprinzessin

Jess von Feiersun

Leonie von MiniMenschlein

Einer schreit immer

Yasmin von der Rabenmutti

Irene von Dr. Mama Arbeitstier

Und falls ihr jetzt am Ende noch ein paar Zahlen und Fakten nachlesen möchtet, empfehle ich euch diese Seite und eine tolle Übersicht von der Lisa von aktiv-mit-kindern, wie hoch das Risiko einer Fehlgeburt wirklich ist.

*Um keine Verwirrung zu stiften: Das Bild des Ultraschalls ist von meiner ersten Schwangerschaft, die gut verlief. Die Fehlgeburt 3 Jahre später war im Stadium etwas früher, als auf dem Bild. 

21 Comments

  1. Jule

    7. Dezember 2017 at 19:02

    Ein so wichtiger Beitrag. Vielen für deine Gedanken! Es ist so wichtig den Frauen zu zeigen dass sie verstanden werden.

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 20:47

      Ich danke dir liebe Jule. Vor allem für die Inspiration :-*

  2. Sandra

    7. Dezember 2017 at 19:18

    ein sehr schöner Beitrag und ich kann ihn komplett nachvollziehen ❤
    Bleib stark. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute fur die Zukunft ❤

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 20:48

      Vielen Dank liebe Sandra! Ich wünsche dir auch alles Gute, was auch immer auch bei dir gewesen ist <3

  3. Judith

    7. Dezember 2017 at 20:31

    Liebe Filea,
    ich kann dich und den Schmerz so gut nachempfinden. Ich/wir haben zwei Sternenkinder, über beide habe ich in meinem Blog geschrieben. Weil es hilft den Schmerz zu lindern und ein Signal in die Welt zu schicken „Du bist nicht allein“. Inzwischen trage ich bauchzwerg Nr. 3 in mir und habe keinen sehnlicheren Wunsch als dass wir unser kleines Wunder im März endlich gesund und wohl auf in die Arme schließen dürfen.

    LG Judith

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 20:49

      Liebe Judith, ich danke dir für deine Worte! Das „Du bist nicht allein“ ist mir so wichtig und ich freue mich total, dass ich genau das transportieren konnte. Ich freue mich sehr mit dir, dass ihr im März euer Wunder in den Armen halten könnt und ich wünsche dir für deine restliche Schwangerschaft alles Gute :-*

  4. Tamara

    8. Dezember 2017 at 09:26

    Es ist so wichtig, dass dieses Thema mehr Beachtung bekommt. Erst nach meiner eigenen Fehlgeburt fiel mir auf, wie viele Frauen betroffen sind. Dabei ist es so wichtig, dass man sich nicht alleine fühlt. Im März habe ich meinen Weg als Gastbeitrag veröffentlichen dürfen: https://motherbirthblog.wordpress.com/2017/04/06/ein-abschied-gastbeitrag-von-erdbeerlila/
    Danke für diesen Post 💜

    Tamara

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 20:57

      Liebe Tamara, ich danke dir erst einmal, dass du deinen Link hier geteilt hast. Ich habe deine Geschichte gelesen und bin tief berührt. Es tut mir so leid, dass so viele Frauen das erleben müssen! Und dann noch OP und alles. Ich kann mir kaum vorstellen, wie das gewesen sein muss. Darf ich denn fragen, ob es vielleicht bereits wieder geklappt hat? Ich wünsche dir jedenfalls nur das Beste und denke ganz fest an dich! Liebe Grüße, Janina

  5. Andrea

    11. Dezember 2017 at 14:43

    Hallo zusammen…ich kann deine Trauer sehr gut nachvollziehen. Doch bei mir war es etwas schlimmer. Es wäre mein erstes gewesen und ich war 9 Wochen lang schwanger bis mir meine Fa sagt das das Herz nicht mehr schlägt. Das war furchtbar für mich. Ich hoffe für dich das alles gut wird.

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 21:00

      Liebe Andrea, ich glaube tatsächlich, dass man in so einer Situation nicht von „besser“ oder „schlimmer“ sprechen kann. Jeder empfindet die Dinge des Lebens unterschiedlich stark. Aber ich fühle mit dir und es tut mir leid, dass du das erleben musstest. Ich hoffe sehr, dass es dir besser geht.

  6. Anne

    12. Dezember 2017 at 14:56

    Danke für den tollen Beitrag. Ich gehöre leider auch dazu und ich bin immernoch unendlich traurig. Bei mir ist es noch gar nicht lang her. Ich habe mein Baby in der 9. Woche verloren und mich bereits einige Wochen darauf gefreut.
    Es wäre unser erstes gewesen und wir haben es uns sehr gewünscht. Leider bin ich bis heute nicht wieder schwanger geworden und habe auch noch ziemlich zu kämpfen. Ich gehöre zu den „Glücklichen“ (so nannte mich die Ärztin), die keine Ausschabung machen musste, trotzdem tat es sehr weh und ich hatte lange Blutungen und bis heute keinen vernünftigen Zyklus.
    Ich habe mir Hilfe gesucht, denn ich kann nicht mehr einfach weitermachen. Ich habe es auch nur wenigen Menschen gesagt….
    Danke für den Beitrag, es tut sehr gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 21:03

      Liebe Anne, ich danke dir sehr für deine ehrlichen und mutigen Worte! Es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung ebenso machen musstest. Es gibt in so einem Fall nichts „glückliches“, es ist immer schlimm und das darf es auch. Du darfst so viel trauern wie du möchtest und auch so intensiv, wie du es fühlst. Ich finde, du hast genau richtig gehandelt. Wenn man an einen Punkt gelangt, wo es nicht mehr geht, dann sollte man sich jemanden suchen, der einen wieder aufbaut. Ich hoffe, dass du so jemanden gefunden hast. Ich selbst habe auch jemanden gefunden, dem ich mich anvertrauen kann und es bisher nicht eine Sekunde bereut. Ich wünsche dir wirklich sehr, dass du bald wieder schwanger wirst und die Vergangenheit ruhen lassen kannst. Aber dafür braucht es Zeit. :-*

  7. Katarina

    13. Dezember 2017 at 20:08

    Danke Janina fürs teilen deiner Geschichte. Und auch fürs verlinken, aber das soll hier nebensächlich sein. Ich habe ja selber letztes Jahr darüber geschrieben und erfahren wie vielen Frauen (und einem selbst) es gut tut wenn man mal offen drüber redet. Drüber schreibt. Denn leider denkt man immer das man niemanden kennt dem sowas passiert. Und dann ist man durch das gesellschaftliche Schweigen ganz alleine. Aber wir sind viele.

    1. Filea

      13. Dezember 2017 at 21:04

      Liebe Katarina, ja, das darf ich nun auch erleben, dass wir nicht allein sind und das tut sehr gut!

  8. AG

    17. Dezember 2017 at 14:20

    Es tut mir leid aber das ist alles etwas übertrieben. Ich hatte auch einen ABGANG. Ich weiß wovon ihr schreibt. Sogar mit Ausschabung also schon größer, nämlich 12. Woche. Es ist KEINE Fehlgeburt! Und es sind auch keine Sternenkinder!!! Das was passiert ist ist ein natürlicher häufig vorkommender Vorgang. Ja ich war auch traurig. Ja man darf traurig sein. Aber eine Fehlgeburt und Sternenkinder sind ein tatsächlicher Schicksalsschlag und nicht mit einem „Abgang“ am 17. Tag nach der Periode zu vergleichen!

  9. Barbara

    18. Dezember 2017 at 16:01

    Ich finde auch, Frauen sollten mehr darüber reden.
    Warten, Hoffen, das Hochgefühl nach dem Test, die Vorfreute, das Bangen, Hoffen das es ein Fehlalarm war, warten auf den natürlichen Abgang oder eine Ausschabung.
    Die „hilfreichen“ Kommentare
    – das war doch nur ein Abgang
    – Teste nicht so früh, früher wußte man noch nichtmal das man schwanger ist. Na klar Oma konnte nicht bis 28,29 oder 30 zählen. Ebenfalls konnte Oma sich nicht erklären warum die Oberweite spannt und explodiert.

    Es war eine schlimme Erfahrung. Possitiv getest
    2 Wochen später Blutung, Ultraschall, genaues kann man nicht sagen Fruchthöhle ist da, abwarten
    2 Wochen später wieder Blutung und die Gewissheit das war es. Ausschabung oder warten.
    Ich hatte mich für einen natürlichen Abgang entschieden. Jede Frau hat Anspruch auf Hebammenbetreuung. Man muss diesen Weg nicht alleine gehen. Das war bei mit in der 9 Ssw.

    13,5 Monate später habe ich eine große Tochter bekommen.

  10. Caroline

    18. Dezember 2017 at 16:11

    Hallo mir ging es vor zwei Jahren ganz ähnlich. Ich war nach 6 Übungszyklen zum ersten Mal schwanger geworden. Den positiven Test hielt ich am 14.12. in der Hand. 10 Tage später, ich war in der 7. SSW, hatte ich den Termin beim Arzt. Und dort erfuhr ich, dass keine Schwangerschaft besteht und Blutungen n bereits am Muttermund sichtbar seien. Ich brach draußen vor der Praxis in Tränen aus, mein Mann war zum Glück dabei. Und am gleichen Abend (der vor heilig Abend) bekam ich richtig starke Blutungen mit viel Beimengungen. Die nächsten Tage waren nicht schön, meine Familie merkte, dass etwas nicht stimmt. Als ich alles erzählte, verstand keiner so richtig meinen Schmerz.
    Zum Glück wurde ich wieder 6 Monate später schwanger und jetzt ist mein süßer Sohn 9 Monate alt. Ich werde dieses Ereignis nie vergessen und kann alle Frauen sehr gut verstehen, denen es auch so erging!

  11. Yvonne

    13. Januar 2018 at 22:13

    Hallo

    Hallo zusammen,
    danke dass ihr darüber sprecht. Ich habe vor ein paar Tagen unser zweites Baby verloren und ich fühle mich mit all meinen Gefühlen so furchtbar alleine. Es tut zu gut zu lesen wie es anderen geht und zu merken du hast ein Recht auf deinen Schmerz. Danke,

    Viele, zur Zeit traurige Grüße
    Yvonne

  12. Linda

    21. Januar 2018 at 16:07

    Auch ich habe das erlebt.2 mal.die erste in der 9.ssw ebenfalls von selber abgegangen mit Blutung und die zweite in der 14.ssw.da dachte ich alles ist nun sicher und dann beim Ultraschall schlug das kleine Herz einfach nicht. Bin dann ebenfalls zum Auto und hab nur noch geweint.hab meinem Mann dann angerufen und konnte nur sagen „komm bitte heim.es tut mir so leid!“ Ein Jahr später haben wir noch einen versuch gestartet und halten nun unseren kleinen im arm.5 Monate nun schon
    ♡♡♡

    1. Filea

      27. Januar 2018 at 11:51

      Liebe Linda, danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. 14. Woche ist wirklich sehr schlimm. Da denkt man, man hätte alles überstanden und dann sowas. Ich freue mich aber sehr für euch, dass ihr euren Schatz im Arm halten könnt, toll! Alles Gute für eure kleine Familie! Liebe Grüße, Janina

      1. Linda

        15. April 2018 at 19:17

        Liebe janina, ist ja nun schon eine Weile her und ich wollte mal vorsichtig nachfragen wie es dir mittlerweile geht. versucht ihr es weiter? Wünsche jeder Frau nach einer fehlgeburt ein Happy end, auch wenn im Kopf die kleinen Sternenkinder immer einen traurigen Schmerz hinterlassen.
        Ich denke ganz oft an die zwei. bei unserer 2. fg haben wir sehr damit kämpfen müssen und haben dann ein weißes Boot bebaut zusammen und es Beschriftet und abends als es dunkel war haben wir ein Licht darauf gestellt und es hier bei uns im Fluss nieder gelassen….es war so traurig und doch tat es so gut.

        Liebe Grüße nochmal!

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