Frau, Persönliches

5 Songs, die mein Leben schreiben

Kennt ihr das? Ihr hört ein Lied und sofort seid ihr in einer bestimmten Situation. Ihr denkt an eine Person, die euch mit diesem Lied verbindet oder schnuppert den Geruch des Urlaubs, in den euch ein Lied zurückversetzt. Musik kann so viel: Berühren, erinnern, verbinden. Was wäre eine Welt ohne Musik? Ich denke jeder hat diese Lieder. Lieder die das Leben schreiben. Eben weil sie die Menschen in einem bestimmten Zeitabschnitt ihres Lebens begleiten. Ich habe diese Lieder. Und diese 5 Songs, die mein Leben bisher geschrieben oder auch beschrieben haben, teile ich heute mit euch.

Genie in a bottle (Christina Aguilera)

Urgs, mag jetzt vielleicht der ein oder andere von euch denken. Das Lied ist doch total ausgenudelt. Aber das ist es eben. Die Songs sind ganz persönlich, individuell, weil sie mit einer Geschichte bestückt sind, die nur der verstehen kann, der sie erlebt hat. Meine Geschichte zu diesem Lied betrifft meine Schulzeit. Ich war eine gute Schülerin und doch habe ich im Nachhinein das Gefühl, nie so richtig gerne zur Schule gegangen zu sein. Viele verflossene Liebesgeschichten wurden in dieser Zeit geschrieben, gefühlt immer zu meinem Leidwesen. Was war ich verknallt! So oft. Und so oft wurde ich enttäuscht. Vielleicht gehört aber genau das in die Schulzeit hinein? Außerdem wurde ich auch des Öfteren gemobbt wegen meiner Brille und auch generell hatte ich nie viele Freunde. Zu den beliebtesten der Klasse gehörte ich nie, und würde ich auch nie gehören.

Das Lied „Genie in a bottle“ erinnert mich an meine erste „größere“ Klassenfahrt. Sie muss in der Grundschule gewesen sein und wir sind mit der kompletten Stufe nach Süddeutschland gefahren. Ich kann mich erinnern, dass es ziemlich weit weg war und ich weiß heute noch, wie ich gleich am nächsten Tag in einer Telefonzelle stand und meine Eltern anrief, mit der Bitte mich abzuholen. Schon immer fühlte ich mich in einer großen Gruppe nicht wohl. Ich fühlte mich schon immer „anders“. Natürlich holten mich meine Eltern nicht ab. Und genau deswegen konnte ich auch noch dieses Lied erleben, was wir dann nämlich auf den Mädchenzimmern rauf und runter hörten und unsere eigene kleine Party feierten. Irgendwie ja doch schön.

Kiss me (Sixpence None The Richer)

Ohja, dieses Lied hat mich verfolgt. Ich war ein Teenager, ganze 14 Jahre jung und endlich, endlich hatte ich meine erste richtige Beziehung. Könnt ihr euch noch an das Kribbeln erinnern, das ihr verspürt habt, als ein Junge das erste Mal seine Hand auf euren Bauch legte? Ich weiß es noch wie heute. Wir lagen in meinem alten Hochbett, im Kinderzimmer, das ich mir mit meiner Schwester geteilt hatte. Hach… schön war das. Aaaaaaber zwangsläufig kommt es in seiner ersten Beziehung (oder vielleicht auch ohne diese) dazu, dass der erste richtige Kuss bevorsteht! Ein Zungenkuss. Uuuuuuh und ich als unerfahrenes junges Küken hatte so eine riesige Angst davor! Jetzt im Nachhinein, mit 32 und nachdem man zwei Kinder in die Welt gebracht hat, natürlich total lächerlich. Aber damals hat mich das so dermaßen beschäftigt, dass ich diesen Jungen küssen soll und ich nicht weiß, wie das geht.

Genau zu dieser Zeit lief das Lied „Kiss me“ gefühlt von morgens bis abends im Radio und verfolgte mich überall hin. Tja und wie das meistens so ist im Leben, macht man sich im Vornherein viel zu viele Gedanken. Der erste Kuss kam, zum Abschied an der Haustür und er dauerte und dauerte und dauerte… 30 Minuten später waren die Lippen wund und ich ein Stück größer.

Here without you (3 doors down)

Viele Küsse später und viele Tränen, die mit Trennungsgeschichten gefüllt sind, begab ich mich (übrigens während der Rest meiner Klasse auf Klassenfahrt war haha) am Computer meiner Schule in den Chat und begegnete dort einem Jungen aus Bielefeld. Es folgten Telefonate, der erste Besuch bei mir an der Nordsee, wo ich zu der Zeit mit meiner Mutter lebte und der erste Kuss, der mir dieses Mal übrigens nicht so schwer fiel, wie der allererste 5 Jahre vorher. Da ich allerdings noch mein Abitur vor mir hatte und mein Freund in Bielefeld studierte, mussten wir eine Fernbeziehung führen und so kam es, dass wir das Lied „Here without you“ als unser Lied wählten. Jedes Paar hat doch ein Lied oder? Dieses war unseres. Noch heute denke ich sofort an meinen Mann und an diese herzzerreißende Zeit von damals, voller Abschied und Wiedersehensfreude. Ups, jetzt hab ich euch schon verraten, was aus diesem Freund geworden ist, aber dazu später mehr.

Songs die das Leben schreiben Liebe Hochzeit Liebessong
One moment in time (Whitney Houston)

Uff, jetzt holt sie aber die ganz harten Schinken aus dem Keller. Jaaa, das tue ich! Denn auch dieses Lied ist Teil meiner Lebensgeschichte. Dieses Lied bedeutet mir sehr viel. Wir schreiben das Jahr 2005 und ich hatte meine Abiturprüfungen erfolgreich hinter mich gebracht. Zur Abschlussfeier des Abiturs in der großen Aula der Schule war es Gang und Gäbe, dass ein Lied gesungen wird, zum Abschluss der Schulzeit. Ein Jahr vorher, als ich noch von dem Abitur in der Tasche träumte, bewunderte ich das große Mädchen mit ihrem langen, schwarz gelocktem Haar, wie es dort unten auf der Bühne stand und so wundervoll sang. Und ihr könnt es euch vielleicht schon denken: Dieses Jahr durfte ich dort stehen. Ich will nicht behaupten, dass ich eine herausragende Sängerin bin, aber ich war so glücklich, so stolz, dass ich dort singen durfte.

„One moment in time“ war also der Song, den ich zum Abschluss meiner 13-jährigen Schulzeit mit dem Abitur in der Tasche und meinem zukünftigen Leben in Bielefeld vor der Nase singen durfte.

Give me one moment in time
When I’m more than I thought I could be
When all of my dreams are a heart beat away
And the answers are all up to me

Es hat so gepasst. Alle applaudierten. Es war wundervoll. Ein einzigartiger Moment.

Endless love (Luther Vandross, Mariah Carey)

Ein Jahr später, im Herbst 2006, heiratete ich den Freund, mit dem mich der Song „Here without you“ seit jeher verbindet. Doch nicht nur dieses Lied ist ein Teil von unserer beider Geschichte. Am 07. Oktober 2006 hatte ich ein weißes Kleid an. Mein Papa stand neben mir, mein Herz pochte und die Tür ging auf. Ganz vorne in der Kirche stand mein Zukünftiger und es ertönten die ersten Klänge von „Endless love“. Warum mir das heute noch sehr viel bedeutet, dass mich mein Vater zum Altar begleitet hat, könnt ihr hier nochmal nachlesen. Wir hatten es nicht immer leicht.

Aber so schließt sich der Kreis meines Lebens. Es begann mit einem kleinen Mädchen, dass seinen Platz in der Welt noch nicht hatte, das viele Enttäuschungen erlebte, sowohl in der Liebe, als auch in der Familie und das dann doch einen Mann gefunden hat, der sie bis heute liebt. Und obwohl mein Weg noch ganz lang, holprig und manchmal ganz schön düster ist, liebt mich dieser Mann dennoch und ist stets mein Halt. Wenn auch anders, als ich es mir manchmal wünschen würde.

Was sind die Lieder deines Lebens?

Diese Lieder wieder neu zu entdecken, hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich bin sehr gespannt, welche Lieder noch dazu kommen werden oder ob diese 5 Songs, die ich hier herausgestellt habe, stets am meisten Gewicht haben werden. Auf jeden Fall lade ich dich ein, auch einmal darüber nachzudenken, welche Lieder in deinem Leben eine Geschichte haben. Und wenn du sie gefunden hast, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du diese Geschichten mit mir teilst.

6 Comments

  1. Natalia

    15. Januar 2018 at 21:00

    Schöne Momente! Ich finde es toll, wenn sich Lieder und Leben vermischen. Ich kann keine Björk Songs hören, ohne dabei an Frankenstein zu denken, denn ich habe das Buch immer zur CD gelesen. Eine Sache zu machen war mir schon als Teenie zu langweilig!
    Liebe Grüße Natalia

    1. Filea

      15. Januar 2018 at 21:07

      Hey, das nennt man Multi-tasking 😉 Liebe Grüße zurück :-*

  2. Jessica

    16. Januar 2018 at 18:11

    Das ist ein wundervoller Beitrag, besonders verknüpft mit persönlichen Geschichten 🙂 Ein Song was sich durch mein Leben zieht ist „This Love“ von Maroon 5. Es war das erste englischsprachige Lied was ich gerne mochte und auch heute noch gerne höre 🙂 „Another You, Another Way“ von Against The Current erinnert mich immer an ihr allererstes Konzert in Wien, welches ich vor über 2 Jahren besucht habe. Das war für mich das beste Konzert wo ich jemals war, die Stimmung, die Leute einfach alles hat so zusammengepasst, war schon fast magisch 🙂 Und „Over My Head“ von The Fray hörte ich nach langer Zeit wieder beim 2. Date mit meinem jetzigen Freund, wo sein Auto nicht mehr angesprungen ist und ich peinlich berührt meine Mama anrief damit mein Papa 50 Meter von daheim zum Parkplatz kommt und Starthilfe gab 😀 Wir lachen jetzt noch immer alle darüber 😀

    Liebe Grüße,
    Jessi
    http://moredolcevita.at

    1. Filea

      17. Januar 2018 at 13:20

      Hi Jessi, vielen Dank für die tollen Songs, die dein Leben begleitet haben. Es ist super spannend, die Lebensgeschichten anderer Menschen zu lesen. Dein Blog ist übrigens auch sehr schön :-* Alles Liebe dir! Janina

  3. Jule

    18. Januar 2018 at 18:23

    Ein schöner Beitrag! Ich bin auch jemand, dem im Alltag zu bestimmten Situationen gerne passende Lieder einfallen. Ich liebe Musik…leider kann ich weder singen noch tanzen 😉 Ich finde es toll, wenn einen Lieder durchs Leben begleiten und sie erinnern mich ganz oft an ganz besondere Menschen. <3

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:15

      Ach ich glaube, es geht gar nicht darum, singen oder tanzen zu können, sondern Spaß im Leben zu haben <3

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