Erziehung, Mama

Eine Mutter beichtet: Ja, ich habe mein Kind schreien lassen.

Es ist 20:37 Uhr am Abend. Der Tag war lang. Ihr wenige Monate altes Kind hat sie nicht ein einziges Mal aus dem Raum gelassen, ohne zu weinen. Die Augenringe sind nicht mehr zu verbergen, die Müdigkeit steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Es ist ihr erstes Kind. Eigentlich wollte sie nie Kinder. Aber dann, nachdem sie fünf Jahre lang verheiratet war und an einen Punkt gekommen ist, wo sie den Sinn des Lebens immer noch nicht gefunden hat, entschied sie sich für ein Kind. Weil man das eben so macht. Ein Kind wäre das, was ihr noch fehlt im Leben. Ihre Werte weitergeben, das ist das, was sie möchte.

Als das Kind in ihre Welt tritt, ist alles anders, als sie sich das vorgestellt hatte. So viel schwerer. Sie bewegt sich ständig zwischen zwei Fronten. Wird hin und her geweht. Zwischen „Alles nach Bedarf“ und „Elterngeleiteter Erziehung“. Zwischen „Ich liebe mein Kind doch“ und „Was hab ich mir bloß dabei gedacht?“. Jeder Tag wird begleitet von vielen Unsicherheiten, ob das was sie da mit ihrem Kind tut, auch richtig so ist. Die Frage darauf wird sie wohl nie finden.

Das Kind ist anstrengend. Es weint viel, es muss viel verarbeiten, muss beschützt werden vor zu vielen Reizen. Und die Mama traut sich nicht mal mehr aus dem Haus. Stillen mag sie nicht, macht es aber trotzdem, hin und her gerissen, zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und denen des Kindes. Und so ist auch der Schlaf unglaublich kräftezehrend. Das Kind schläft nur in der Trage, wird wach, sobald sie es ablegt. Einschlafen dauert ewig und die Stunden wippend auf dem Medizinball wollen nicht enden.

Mit neun Monaten will das Kind selbst auf dem Arm der Mutter nicht mehr einschlafen. Es schreit und schreit und hört nicht auf. „Schlaf doch endlich! Wann schläfst du endlich ein?“ fragt die Mutter und wird vom Schreien des Kindes übertönt.  Sie weiß nicht mehr weiter. Sie kann nicht mehr. Die Kräfte sind dahin.

Eine Bekannte stellt die Frage: „Willst du, dass dir dein Kind ewig auf der Nase herum tanzt?“ Die Mama hat keine Kraft mehr und sieht keinen anderen Ausweg, als auf Anraten der Bekannte ein Schlafprogramm auszuprobieren. „Vielleicht hilft es ja?“, denkt sie sich. Sie kennt die beiden Seiten von Müttern ganz genau. Die Mütter, die total dagegen sind und die Mütter, die es erfolgreich ausprobiert haben. Letztlich entscheidet sie sich für das Programm.

Tür auf, Tür zu, beruhigen, singen, Tür auf, Tür zu.

Bis es funktioniert. Und die Kräfte wiederkommen.


Vor fünf Jahren war ich diese Mutter.

Als ich meine Tochter bekam, wusste ich nichts vom Muttersein. Alles war neu, jede Entscheidung vor der ich stand, ließ mich verzweifeln. Immer wieder fragte ich mich: „Was ist das Richtige für mein Kind?“ und ich wusste nie die Antwort. Ich handelte, weil man nun mal Handeln muss. Ich holte mir Rat von Freundinnen und erhielt immer wieder unterschiedliche Aussagen. Eine eigene Intuition hatte ich nicht.

Wisst ihr, kein Mensch ist perfekt, erst recht keine Mutter und kein Vater. Wir machen täglich so viele Fehler, obwohl wir stets das Wohl unserer Kinder im Hinterkopf haben. Ich finde aber falsch, dass Mütter zu mir sagten: „SO musst du es machen! DAS ist der einzige Weg.“ Genauso falsch finde ich es, wenn Mütter andere Mütter verurteilen. Denn es ist einfach nicht wahr, dass es DEN einen Weg gibt. Jede Mutter muss ihren eigenen Weg finden und keiner hat das Recht, diesen Weg zu kritisieren.

Vielleicht war es ein Fehler, an meiner Tochter ein Schlafprogramm anzuwenden. Aber zu dem Zeitpunkt war es die richtige Entscheidung für uns alle.

Vielleicht ist meine Tochter deswegen trotziger als andere, vielleicht aber auch nicht. Denn eins habe ich nie aufgehört: Sie zu lieben und jeden Tag mein Bestes zu geben. Trotz einer Menge Fehler. Und das ist das, was zählt.

Bei meinem Sohn war übrigens alles anders. Er war von vornherein ein guter Schläfer.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns mehr stehen lassen können, so wie wir sind und weniger denken, dass unsere Meinung, unser Weg der einzig wahre ist. Und ich wünsche den Müttern da draußen, die genauso unsicher sind, wie ich damals, dass sie ihren eigenen Weg finden, egal was andere dazu sagen mögen.

26 Comments

  1. Julia

    17. Januar 2018 at 20:06

    Ich bewundere deinen Mut und deine unglaubliche Ehrlichkeit, Janina. Es ist wirklich wundervoll, wie du deine Gedanken in Worte fasst. Ich versuche auch immer die Menschen nicht so doll in Schubladen zu packen und zu verurteilen. Jeder macht es anders und die meisten geben ihr Bestes. So wie du. Deine/Eure Geschichte zu lesen, stimmt mich dennoch aus unterschiedlichen Gründen etwas traurig. Dass du so am Ende seiner Kräfte warst tut mir so leid und dass du anstatt Unterstützung schreckliche Ratschläge bekamst, noch mehr. Die braucht man am wenigsten. Deine Tochter ist (ziemlich sicher) ein wunderbarer Mensch und wird geliebt. Das ist die Hauptsache. Ich drücke dich. Fest! Du bist eine tolle Frau und eine super Mama. Auch mit Damaligem Schlafprogramm!

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:13

      Liebe Julia,
      ich danke dir für deine Worte! Solche Menschen wie dich gibt es nicht so oft. Viele verurteilen, ohne darüber nachzudenken. Du bist auch eine richtig tolle Frau und Mutter! :-*

  2. Katharina

    17. Januar 2018 at 20:57

    Sehr ehrlich. Es gibt unterschiedliche Kinder und denen tut unterschiedliches gut. Ich glaube nicht, dass Deine Tochter deshalb später zum Psychologen muss. 💙😉

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:14

      Das hoffe ich auch 😉

  3. Janine

    18. Januar 2018 at 00:51

    Punkt. Mehr muss man dazu nicht sagen. Daumen hoch!

  4. Sophia

    18. Januar 2018 at 09:03

    Daumen hoch für so viel Ehrlichkeit! Bewundernswert! Und Du hast so recht! Am Ende seiner Kräfte sind manchmal Dinge der Ausweg für alle, die andere vielleicht nicht nachvollziehen können. Liebe Grüße, Sophia

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:14

      Das ist sehr lieb Sophia, danke für dein Verständnis <3

  5. JesS von feierSun

    18. Januar 2018 at 12:02

    Comment
    Wir sind alle nicht perfekt und das ist gut so und das ist gut so das unsere Kinder das sehen.
    Es ist erschreckend wie wenig Hilfe wir von außen bekommen. Ich war damals – als meine so krank war – auch weit über das Ende meiner Kräfte hinaus. Täglich ins Krankenhaus fahren, nicht ernstgenommen werden und diese Unsicherheit… Verdammt ich finde es eine Schande das Mütter so wenig unterstütz werden.

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:15

      Hallo Jess,
      ja da hast du Recht. Im Grunde steht man total alleine da, vor allem, wenn man keine Familie im Ort hat. Dann hat man es besonders schwer.

  6. Jule

    18. Januar 2018 at 18:31

    Wieder ein sehr schöner und ehrlicher Beitrag aus dem wahren Leben. Deinem Leben. Wir sind alle nicht perfekt und tatsächlich geben wir tagtäglich unser Bestes. Als Menschen, als Eltern, als Frauen….wir wollen unsere Kinder unterstützen und begleiten und am Liebsten immer das Richtige tun. Das geht natürlich nicht immer. Ich finde es gut (wie du weisst) zu reflektieren, zu verbessern und zu hinterfragen.

    Traurig finde ich allerdings tatsächlich Deine Worte, dass Du eigentlich nie Kinder wolltest und Dich dazu entschieden hast „weil man das so macht“. Es zeugt tatsächlich davon, dass Du zwar Deine Kinder liebst, aber in Deinem Leben nicht zu 100% glücklich bist. Das ist so schade. Ich kann mir diese Situation nur sehr schwer vorstellen irgendwie. Ich hoffe, dass Du Deinen Weg gehst und irgendwann da bist, wo Du hingehörst und sein willst. Im Glück. Mit einem dicken Lächeln auf dem Gesicht und der Gewissheit: Diesmal habe ich alles richtig gemacht!

    Wir hatten das Schlafproblem bei Tilda damals übrigens auch und haben uns auch besagtes Buch besorgt. Wir haben es glaube ich einen Abend versucht und es ging uns so ans Herz, dass wir es gelassen haben. Stattdessen haben wir so ziemlich alles gemacht, was die junge Dame wollte. Das war okay für eine gewisse Zeit. und irgendwann, von einem Tag auf den anderen, schlief sie einfach alleine ein. Alle Kinder sind unterschiedlich und alle Eltern auch.

    Man sollte tatsächlich etwas weniger Schubladendenken an den Tag legen und auch andere Eltern nicht verurteilen für das was sie tun. Allerdings denke ich, dass jeder (auch in Sachen Erziehung) seine Meinung hat und diese eben auch äußert. Bei meinem SChwimmbadbeitrag (Du erinnerst Dich?) wurde mir auch vorgeworfen, ich würde über eine Mutter urteilen, die ich nicht kenne. Das stimmt. Und ich vertrete es auch. Denn manche Verhaltensweisen kann ich einfach nicht gutheißen. Und auch nicht ignorieren.

    Du bist toll Janina. Danke für Deine Worte!

    Jule

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:18

      Liebe Jule,
      ja, dass mit dem Verurteilen ist ein schwieriges Thema. Ich kann verstehen, wie du über die Frau im Schwimmbad gedacht hast bzw. denkst, aber trotzdem weißt du nicht zu 100% wie es in ihr drin aussieht, und wieso sie diesen Weg vielleicht gewählt hat. Meistens ist man tatsächlich zu schnell am Verurteilen.
      Ich danke dir für deine Worte. Ich glaube, ich bin mittlerweile auf einem guten Weg, der zwar noch lange nicht zu Ende ist, aber es wird.
      Ganz liebe Grüße,
      Janina

  7. Kyra

    21. Januar 2018 at 08:04

    Es ist total nachvollziehbar, dass man in dieser Situation alles ausprobiert! Aber gab es denn da gar keine Hilfe vom Kindsvater?

    1. Filea

      21. Januar 2018 at 09:18

      Danke Kyra. Die gab es, klar. Aber er war sich genauso unsicher, wie ich und hat dann eher das gemacht, was ich vorgeschlagen habe, als eine eigenständige Meinung zu haben.

  8. Anda

    26. Januar 2018 at 01:01

    Liebe Filea, ich hoffe mein Kommentar klingt nicht böse, denn das soll er nicht. Es macht mich zwar wütend und unfassbar traurig das zu lesen und dennoch versuche ich so sachlich wie möglich zu schreiben.
    Ich finde es unverantwortlich ahnungslos eine so große Aufgabe, wie ein Kind, zu übernehmen, ohne sich vorher Gedanken zu machen und sich zu informieren.
    Dann muss ich sagen, kann ich deine Überforderung sehr gut verstehen, wie du das Verhalten deines Kindes beschreibst, sehe ich meine Tochter vor mir. Sie lässt sich partout nicht ablegen, schläft auch bei uns im Bett (mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.) Ich habe zwei Tragetücher und verschiedene Tragen (teils geliehen). Ich trage sie fast den ganzen Tag, sie schläft, wird gestillt, sie spielt (ein bisschen für sich, dann spiele ich mit) dann kommt sie wieder in die Trage.
    Ich gebe dir vollkommen recht, jede Mutter muss ihren eigenen Weg finden, aber die Grausamkeit, sein Kind schreien zu lassen ist keiner. Das mag vielleicht „funktionieren“ tatsächlich resigniert das Kind aber nur. Der Lerneffekt ist nicht „oh ich brauche mich nicht aufspielen, Mama fällt darauf nicht rein“ Babys manipulieren nicht, sie durchleiden nachweislich Todesängste. Der Lerneffekt ist:“Mama kommt nicht, ich bin müde, habe Angst und bin alleine, ich bin verlassen“ dann schlafen sie, vor Erschöpfung, ein.
    Das sorgt für ein schlechtes Urvertrauen und legt den Geundstein für psychische Krankheiten.
    Es gibt in Fällen wie deinen viele Hilfen, Krankenhäuser haben Schreiambulanzen, sie helfen Eltern herauszufinden, was das Baby braucht und wie man das Baby verstehen kann. Hebammen helfen auch ganz toll. Notfalls hilft auch fast immer die Brust. (Jedes Kind bevorzugt andere Stillpositionen).
    Es gibt Wege ein „Schreibaby“ zu handhaben, ohne es im Stich zu lassen.
    Ich wünsche jeder Mama die Kraft das zu schaffen. Und ich hoffe sehr, dass dieser Trend bald ein Ende findet.
    Ich finde es wunderbar, dass du so mutig bist und offen zu deiner Entscheidung stehst und ich möchte dir definitiv nicht unterstellen eine schlechte Mutter zu sein, denn ich kenne dich nicht.
    Ich denke, du hast einen Fehler gemacht( aus psychologischer Sicht ist es das leider) aber ich glaube du bist intelligent genug um daraus zu lernen und beim vielleicht zweiten Baby anders zu reagieren.
    LG Anda

    1. Filea

      27. Januar 2018 at 11:58

      Liebe Anda! Erst einmal danke ich dir für deinen sachlichen Kommentar, denn das ist nicht selbstverständlich! Ich möchte gar nicht viel zu dem Inhalt dessen sagen, denn ich verstehe deine Meinung und kenne ja auch die Sichtweise derer, die gegen solche Schlafprogramme sind. Was ich etwas schade finde, dass bei all dem immer nur auf das Kind geschaut wird (Stillen ohne Ende, Tragen etc. was hilft dem Kind) und die Mutter wird dabei vergessen. Muss da eben durch. Das ist zu einfach und zu einseitig gedacht. Man muss eben alle Facetten und Umstände betrachten. Was mich betrifft war es mir einfach wichtig, offen und ehrlich zu sagen, wie es mir damals ging und dass ich deswegen keine schlechte Mutter bin. Ob ich denselben Weg heute nochmal einschlagen würde, kann ich dir nicht sagen. Bei meinem zweiten Kind brauchte ich ihn nicht, weil er von selbst ein guter Schläfer und ein pflegeleichtes Kind war.
      Alles in allem danke ich dir für dein Feedback und deine Meinung und dass du dir so viel Zeit genommen hast, deine Sicht der Dinge aufzuschreiben. Liebe Grüße zurück, Janina

      1. Anda

        27. Januar 2018 at 16:21

        Liebe Janina,
        danke dir für die Liebe Antwort. Ich freue mich immer, wenn man es schafft, dass jeder seine Meinung vertreten kann und beide Seiten sachlich bleiben.
        Es ist richtig, dass auch die Mutter sich selbst wichtig bleiben sollte, als Mutter darf man sich nicht selbst verlieren.
        Aus diesem Grund habe ich ja nach dem Papa gefragt. Bei uns übernimmt mein Mann auch öfter mal die Kleine. Jetzt ist sie 6 Monate alt (Wahnsinn wie schnell das geht!!) und so kann ich mir immer öfter eine halbe Stunde/ Stunde gönnen und mal etwas für mich tun.
        Ich muss dazu sagen, dass ich mir Bach einer Fehlgeburt nichts sehnlicher gewünscht hatte, als ein gesundes Kind und deshalb vielleicht auch anders an die ganze Sache rangegangen bin. Zudem habe ich mit vielen Mamas im Bekanntenkreis gesprochen gehabt. Meine Mama hat mich als Baby auch schreien lassen, das hat sich dann in der Pubertät gezeigt, ich bin mit 16 ausgezogen und war auch kurz in stationärer psychologischer Behandlung, dort wurde das alles aufgearbeitet und die Psychologin hatte die Problematik auf dieses Schreienlassen zurückgeführt.
        Ich kann dir nicht sagen, ob das auch tatsächlich der Fall ist und mit Sicherheit spielen auch viele andere Faktoren eine Rolle. Aber ich musste hart an mir selbst arbeiten um mein Leben in den Griff zu bekommen und glücklich sein zu können und ich will alles, was mir möglich ist tun, um meinem Kind das zu ersparen.
        Was ich damit sagen will, ich kann deine Entscheidung nicht nachvollziehen und ich denke, dass es auch eine andere Lösung gegeben hätte, aber ich kenne dich nicht und ich kenne deine Geschichte nicht. Deshalb hoffe ich, dass es nicht so klingt als würde ich dich verurteilen, nur weil ich diese Entscheidung nicht gut heiße, denn das ist nicht das selbe.
        Ich glaube als Mama trifft man immer auf Leute, die es „besser wissen“, mir wurde letztens gesagt, meine Tochter sei verwöhnt, weil ich sie viel trage. Und das von einer Frau, die selbst keine Kinder hat. Und dass ich „lange“ stille, wäre absurd, das Kind braucht das nicht, es gäbe super Fläschchennahrung. Und diese andere Mutter hat sich dann weggedreht und mich keines Blickes mehr gewürdigt… Du siehst also, jede Mama wird verurteilt und ich denke nicht, dass das notwendig ist. Deshalb urteile ich nicht.
        Ich bin froh, dass ich hierauf gestoßen bin, weil eine andere, sachliche Meinung dabei helfen kann, die eigene Meinung zu bilden.
        Liebe Grüße Anda

  9. Sarah Sp.

    11. Februar 2018 at 21:57

    Mich ärgert und belustigt es zugleich, dass so viele Frauen aufschreien, wenn es um die Themen Familienbett, Einschlaftraining etc. geht. Es fallen Sätze wie Urvertrauen und Instinkte und dass diese mit den Füßen getreten würden, reagiere man nicht wie es die Natur will. Manche gehen soweit und erzählen was von späterer schlechten Charakterbildung, Bindung zwischen Eltern und Kindern und Traumata.
    Sind unsere Eltern und wir alle Geistesgestörte, weil die Generation zuvor die Kinder in die eigenen Betten gelegt hat? Und sind in den Völkern, in denen noch heutzutage die Kinder lange bei der Mutter schlafen, alles friedfertig und frei von psychischen Abgründen? NEIN! Denn die Erziehung und Liebe, die das Kind erfährt, zählt.

    Dieses ganze Aneinandergereibe, weil jeder ein Buch schreiben und veröffentlichen kann oder jeder im Internet seinen Senf dazugeben möchte, macht die Gesellschaft doch zwieträchtig. Verständnis zeigt keiner mehr, HAUPTSACHE NUR BIS ZUR EIGENEN NASENSPITZE GUCKEN.

    Es gibt Kinder, die sind einfacher zu handhaben, sanfter im Gemüt. Andere wiederum kleine, wundervolle Temperamentsbündel. Es gibt Frauen, die Zuhause sind, haben eben Partner, der arbeitet, können schlechte Nächte anders am Tag wegstecken. Es gibt Alleinerziehende, die Geld verdienen müssen, da sind schlaflose Nächte für ALLE ein Problem.

    Denkt doch bitte alle mal weiter nach und schaut über den eigenen Tellerrand. Dann gäbe es weniger Mütter, die sich anfeinden, sondern unterstützen. Die Welt ist schon dank des puren Egoismus und der Ignoranz eine harter Ort für unsere Kinder, lasst doch wenigstens diese Sachen nichtig sein.

    1. Anda

      11. Februar 2018 at 23:55

      Nun, liebe Sarah, leider ist dein Kommentar alles andere als sachlich und widerspricht sich in sich selbst. Du schreibst davon, dass Frauen aufhören sollen sich anzufeinden aufgrund verschiedener Erziehungsansätze. Das habe ich auch nicht getan, mehr noch habe ich meine Erfahrungen geteilt, ebenso wie Janina es getan hat und habe zudem noch betont, dass es wichtig ist Erfahrung anderer zu kennen und diese zur eigenen Meinungsbildung zu nutzen. Deinen Kommentar darauf fasse ich allerdings als Angriff auf, er ist abwertend und beleidigend. Du solltest dich dafür schämen anderen Kurzsichtigkeit und Empathielosigkeit vorzuwerfen, wo du doch selbst im Glashaus sitzt. Wie ich dich aufgrund deines Kommentars einschätze, wirst du leider nicht in der Lage sein zu verstehen, was ich meine, da für dich richtig ist, was du glaubst richtig zu sein. Ich werde deshalb nicht weiter darauf eingehen, da solche Diskussionen einfach nicht mein Stil sind.
      LG Anda

      1. Filea

        18. Februar 2018 at 21:20

        Hi Anda, ich hatte nicht das Gefühl, dass Sarah gezielt dich gemeint und angegriffen hat. Und wenn, dann denke ich, dass solche Anfeindungen nichts bringen. Ich hoffe, dass wir uns annehmen, wie wir sind. LG Janina

    2. Filea

      18. Februar 2018 at 21:19

      Hallo Sarah, danke für dein Feedback. Man spürt, dass du schon einiges erlebt hast! Ich würde mir generell wünschen, dass wir uns weniger vergleichen und anmaßen, andere zu kritisieren, man selbst würde es besser machen. Man sollte eher bei sich bleiben und versuchen, das beste für die Familiensituation zutun. Wie auch immer die aussieht.

  10. Andrea

    16. März 2018 at 06:14

    Genau so ging es mir auch!! Ich war völlig am Ende. Ich kann dich total verstehen- irgendwann tut man ALLES damit es zu Hause ruhiger wird. 🙁
    Mir wurde dann das EINSCHLAFBUCH von ANNA WALGREN empfohlen. Auch ein Einschlafprogramm, deswegen natürlich auch umstritten, aber vom Ansatz ganz anders. Trotz der Rezensionen im Internet hab ich es bestellt, gelesen und es hat mir die Augen geöffnet. Ich musste nicht mal das komplette Programm anwenden, ein paar Dinge übernehmen hat schon gereicht. 😀
    Es war wirklich anstrengend das durchzuziehen, aber nach einer Woche hat mein Sohn in seinem Bett 6 Stunden am Stück geschlafen und musste nie alleine weinen. Das war unglaublich nach dem ganzen herumtragen, singen und schuckeln… <3 Bis heute schläft er friedlich die komplette Nacht durch, er ist jetzt 2,5.

    Jeder Mama die dies liest und sich so fertig und erledigt und am Ende fühlt wie du oder ich damals möchte ich dieses Buch empfehlen. Ein Versuch ist es wert! 😉
    Noch ein kleiner Tipp: Emotionale erste Hilfe (EEH) hätte mir bestimmt schon viel eher helfen können, aber davon hab ich leider erst viel später gehört.
    Alles Gute den gestressten Mamis, es ist nicht leicht, aber irgendwann wird es besser!!

    1. Filea

      23. März 2018 at 09:11

      Liebe Andrea, vielen Dank für die ganzen Tipps, das wird den Lesern bestimmt weiterhelfen! Emotionale erste Hilfe habe ich selbst erst vor Kurzem kennengelernt (von einer Bekannten, die dort hingegangen ist) und ich finde, solche Dinge sollte es viel mehr geben und auch mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken. Sich Hilfe zu lohnen ist doch keine Schwäche!
      Ich freue mich sehr für dich, dass ihr einen Weg gefunden habt, der funktioniert und ich wünsche dir mit deinem kleinen Mann (der übrigens im selben Alter ist, wie mein Sohn) alles Liebe und Gute! Janina

  11. Jenny

    20. Juni 2018 at 20:44

    Genau so ging es mir auch. Nur mit dem Unterschied dass ich sie gerne geschüttelt hätte. Zweites Kind kaum Schlaf, kein Verständnis vom Partner, keine Hilfe. Ich ließ sie schreien. In dem Moment das einzige richtige. Nach diesem Erlebnis bekamen wir Hilfe und jetzt auch eine Diagnose. Ich verurteile keine Mutter mehr. Ich habe viele Fehler gemacht aber ich liebe meine zwei Kinder

    1. Filea

      27. Juni 2018 at 22:51

      Das kann ich alles sehr gut verstehen. Oft kommt vieles zusammen, was von außen gar nicht sehen kann. Da sieht man dann nur, dass die Mutter ihr Kind schreien lässt. Ich bin auch der Meinung, dass wir uns untereinander viel weniger verurteilen sollten. Alles Liebe dir!

  12. Kerstin

    4. September 2018 at 22:46

    Liebe Andrea, ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, denn uns ging es genauso. Die Große hatte zwar auch ihre Probleme mit dem (Wieder-)einschlafen, der Kleine war aber nochmal eine andere Nummer. Da half auch die Erfahrung mit dem ersten Kind nicht. Es steigerte sich immer weiter, bis ich nachts monatelang im Schnitt (!) 12 Mal an seinem Bett gestanden und wirklich ALLES versucht habe – außer schreien lassen. Weil mir das zu herzlos erschien. Nachdem ich die Tage nur noch mit Koffeintabletten überstand und unsere Ehe fast im Eimer war, habe ich mir, neben einer schon begonnenen Schlafberatung, noch mehr Hilfe gesucht. Ich war eine Woche in einer Kinderklinik in Viersen, wo der Kleine und unsere Interaktion beobachtet wurde. Im Grunde war es einfach. Schlafhilfen schrittweise abbauen, aber vor allem: Auch mal Schreien lassen. Tatsächlich. Denn das eigentliche Problem war, dass ich immer wollte, dass mein Kind glücklich ist. Ich habe ihm immer geholfen, über frustrierende Momente hinweg zu kommen, bin nachts beim kleinsten Pieps an seiner Seite gewesen. Als Folge hat er nie gelernt, Frustration auszuhalten und sich selbst zu beruhigen. Ich habe alles gegeben. Mit dem Ergebnis, dass ich auch immer gebraucht wurde. Nicht nur nachts, auch tagsüber. Als der Knoten geplatzt war, ging es schnell. Innerhalb weniger Wochen lernte er – ja, auch manchmal unter frustrierten Schreien -, sich selbst zu beruhigen. Vor einer Woche ist er ein Jahr alt geworden. Manchmal gibt es noch Nächte, in denen er viel verarbeiten muss und wir ihm drei, vier Mal helfen müssen, Ruhe zu finden. Aber meistens schläft er durch. Ich schaue immer, ob seine Grundbedürfnisse gestillt sind (Trinken, Essen, körperliches Wohlergehen und Nähe), aber wenn ich das alles gegeben habe und er immer noch frustriert ist, dann muss er lernen, damit zurecht zu kommen.
    Es ist niemals einfach und immer individuell. Wie oft habe ich früher eine Mutter gesehen und gedacht: „Mein Gott, das würde ich/das werden meine Kinder nie tun.“ Vieles habe ich getan und vieles haben meine Kinder gemacht. Klar, kann man und muss man nach negativen und positiven Vorbildern schauen – es gibt zu viele Situationen, in denen man so etwas braucht, weil man es selbst noch nicht weiß – aber man kann sich nur einzelne Handlungen anschauen, das Gesamtpaket sieht man einfach nicht.
    Alles, alles Gute für euch!

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