Buchrezension, Kooperation

Buchrezension // „Ich bin das Mädchen aus Aleppo“ oder: Vom Mädchen, das den Frieden wollte.

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Während ich mir in aller Ruhe einen heißen Tee mache, stolpere ich auf dem Weg zurück zu meiner Couch über drei verschiedene Spielzeuge, die meine Kinder heute morgen liegen gelassen haben. Innerlich rege ich mich darüber auf. Überhaupt haben meine Kinder viel zu viel Spielzeug. Ich kuschele mich in meine wohlig warme Decke ein und beginne zu lesen. Ich wusste, dass das Buch, welches ich in den Händen halte, mich berühren wird. Und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Das Mädchen aus Aleppo

Bana ist ein siebenjähriges Mädchen aus Aleppo. Sie wohnt mit ihrer Mama, ihrem Vater und ihrem Bruder zusammen in einer Wohnung und geht zur Schule. Sie hat ein gutes Leben. Sie spielt mit ihren Puppen, geht oft ihre Großeltern besuchen und freut sich, wenn ihre Eltern ihr etwas vom Markt mitbringen. Bis die erste Bombe auf Aleppo abgeworfen wird und sich Banas Leben von der einen auf die andere Sekunde schlagartig ändert.

Eine kleine Seele in Angst

Seitdem der Bürgerkrieg gestartet ist, kennt Bana nur noch ein Leben voller Angst. Viele Stunden muss sie während der Luftangriffe im Keller verbringen und warten. Einmal wird sogar ihr Vater festgenommen und keiner weiß, ob er zurückkommt. Doch das tut er Gott sei Dank. Das kleine Mädchen, was sich eigentlich mit seinen Freunden treffen, in der Schule lernen und Dummheiten anstellen sollte, muss sich nun damit beschäftigen, wie es ist, wenn um sie herum ständig Bomben zersplittern und Menschen sterben. Sie muss Bilder sehen, die man nicht mal seinem schlimmsten Feind wünscht.

Ohne mein iPad wäre der Krieg noch viel schlimmer gewesen.

Ihr iPad bietet der kleinen Bana und ihren mittlerweile zwei Brüdern etwas Ablenkung. Den Strom zieht sich die Familie aus Generatoren, die sie sich mit den noch verbliebenen Nachbarn teilen. Internet gibt es dadurch auch. Aber der schlimmste Moment für das kleine Mädchen ist wohl der, als Bana ihre tote Freundin aus den Trümmern eines zerbombten Hauses bergen muss.

Die einzige Hoffnung: Nachrichten an die Welt

Was bleibt einer kleinen Familie, die inmitten diesem Schlachtfeld sitzt, nicht rauskommt und keinen Ausweg sieht? Bana registriert sich mit ihrer Mutter bei Twitter und versendet Hilferufe in die Welt.

I need peace. – Ich brauche Frieden.

Rasend schnell verbreiten sich Banas Nachrichten. Sie ist selbst erstaunt, wie viele Menschen ihre Nachrichten lesen. Die Reaktionen darauf geben ihr Mut und Hoffnung und lassen sie nicht verzweifeln. Sie ist sicher: Von den anderen Ländern wird Hilfe kommen.

Wenn ich die Mitteilungen las, bekam ich das Gefühl, dass man an unserem Schicksal teilnahm, dass wir nicht allein waren.

Und Banas Mama formulierte es so: „Die Welt im Keller war winzig. Aber mit einem simplen Mobiltelefon wurde sie ganz groß“. Sogar einen Hashtag hat die kleine Bana eingerichtet: #standwithaleppo.

Die Lage spitzt sich zu

Doch der Krieg wurde schlimmer, die Bomben kamen immer näher. Die Rebellen wollten alle Menschen Straße für Straße ausrotten und so wurde es für die kleine Familie von Bana immer gefährlicher, dort zu bleiben. Schlimmer noch: Ihr Haus wurde getroffen. Alles war zerstört. Nichts war mehr übrig. Gezwungenermaßen musste Bana und ihre Familie fliehen und wurde von den Bomben in die Enge getrieben.

Wir sind frei

Am Ende der Geschichte steigt die Familie in einen Bus, der sie in Sicherheit bringt. Ein Happy end. Für Banas Familie. Doch Bana gibt sich damit nicht zufrieden, dass sie und ihre Familie nun nicht mehr im Kriegsgebiet leben. Denn sie weiß genau, es gibt zu viele Kinder, die im Krieg leben und im Krieg leiden müssen. Deswegen engagiert sie sich weiter für den Frieden. Und schreibt deswegen dieses Buch, welches ich mit gemischten Gefühlen schließe.

Ich bin das Mädchen aus Aleppo Bastei Lübbe Kinder malen

Mein Fazit

Beim Lesen bekommt man definitiv eine Gänsehaut nach der anderen. Doch was können wir uns von dieser traumatischen Geschichte mitnehmen? Natürlich empfinde ich unglaubliche Dankbarkeit, dass ich in einem friedlichen Land leben darf und meine Kinder hoffentlich ohne Krieg aufwachsen dürfen. Aber es zeigt mir auch wieder, dass ich mir als Mutter viel zu viele Gedanken darüber mache, ob ich meinem Kind die bestmögliche Kindheit beschere. Ich brauche mich nicht über die rumliegenden Spielzeuge aufregen, denn ich kann froh sein, dass meine Kinder Spielzeuge haben und in Ruhe damit spielen können. Die Mutter von Bana schreibt ihrer Tochter:

Ließ ich dich zu viele Süßigkeiten naschen? Wie lange sollte ich dir erlauben fernzusehen? Was hätte ich dafür gegeben, wenn das meine größten Sorgen geblieben wären. Wenn ich mir nur darüber den Kopf hätte zerbrechen müssen, was du isst, und nicht darüber, ob du überhaupt etwas zu essen hast. Wenn meine einzige Sorge gewesen wäre, dass du eine leichte Erkältung hast, und nicht, ob du von einer Kugel oder einem Schrapnell getroffen wirst.

Es entspannt mich zu wissen, dass es meine Kinder gut haben. Weil sie ein Dach über dem Kopf haben, weil der Kühlschrank und Kleiderschrank voll ist und weil sie keine Todesangst durchleben müssen. Und ich wünschte, dass jedes Kind dieser Welt auch so leben dürfte. Doch von alleine wird das nicht passieren. Bana macht darauf aufmerksam und ich tue das mit diesem Artikel ebenso.

Die Aktion „Kinder malen für Kinder“

Eine ganz einfache Möglichkeit, wie wir alle helfen können, bietet die Aktion „Kinder malen für Kinder“ von dem Verlag Bastei Lübbe an. Auf der Internetseite www.luebbe.de/kinder-malen-fuer-kinder könnt ihr ein Bild eurer Kinder hochladen und für jedes Bild spendet der Verlag 1 Euro an ein Projekt, dass sich um geflüchtete Kinder und deren Familien kümmert. Ich finde das richtig klasse und super einfach, deswegen haben wir unser Bild auch schon hochgeladen. Macht doch mit!

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