Erziehung, Mama

Vier Jungs, ein Thermomix und eine Mama, die in dem trubeligen Alltag nicht durchdreht // Geht das?

Ich gebe es zu: Ich komme mit meinen zwei Kindern schnell an meine Grenzen. Das merke ich, indem ich viel zu schnell laut werde. Aber ich habe mittlerweile gemerkt, dass ich als Mama darauf achten muss, mir auch eigene Auszeiten zu gönnen. Seit ich das mache, komme ich mit unserem Alltag viel besser klar und bin gelassener. Ich habe mich allerdings gefragt, wie das bei Familien mit mehr als zwei Kindern ist. Können sich die Mamas in so einer großen Familie überhaupt auch mal eine Pause gönnen oder ist der Mama-Burnout quasi vorprogrammiert?

Meine gute Freundin – die übrigens auch noch meine Namensvetterin ist – lebt jeden Tag den Alltag mit vier Kindern. Alle vier sind Jungs und ich habe größten Respekt vor der Aufgabe, die sie jeden Tag stemmen muss. Neben ihrer Rolle als Mama ist sie noch Ehefrau und arbeitet als Lehrerin in einer Grundschule. Wie und ob sie das hinkommt? Das habe ich sie gefragt.


Liebe Janina, stell dich doch am Anfang kurz vor.

Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Bielefeld in NRW wohne ich seit nunmehr 14 Jahren zusammen mit meinem Mann und unseren vier Jungs im wunderschönen Sachsen. Die Sächsische Schweiz quasi vor der Haustür, das schönste Barockschloss Sachsens nur 10 Minuten fußläufig von uns entfernt und um uns herum viele kleine Orte wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, bin ich immer wieder dankbar dafür, dort leben zu dürfen, wo andere Urlaub machen.

Wenn ich nicht gerade mit meinen Schülern in die englische Sprache eintauche oder wir die Welt der Musik erkunden, leite ich ein sehr erfolgreiches, kleines Familienunternehmen und versorge aufgeschlagene Knie, bin als Mama-Taxi unterwegs oder agiere als Co-Architekt von Holzeisenbahn-Landschaften und Lego-Bauten.

Du hast vier Jungs im Alter von 3 bis 11. Beschreibe doch einmal euren Alltag. Ist er so trubelig, wie ich ihn mir vorstelle?

Vermutlich sogar noch trubeliger! (lacht). Unsere Jungs sind 3einhalb, 6, 8 und fast 11 Jahre alt. Da hat einfach jeder vom Alter wie vom Charakter her die unterschiedlichsten Bedürfnisse und es ist nicht immer einfach, allen und allem gerecht zu werden.

Ich genieße die Zeit und atme erst mal tief durch, wenn morgens so gegen halb acht alle Kinder aus dem Haus sind. An drei Tagen in der Woche habe ich dann bis gegen Mittag Zeit, meine beruflichen und privaten „to do`s“ abzuarbeiten. Das bedeutet, ich plane und bereite in der Zeit meinen Unterricht vor, erledige Arbeiten im Haushalt, Bürokram und was halt sonst aktuell gerade ansteht. An den restlichen zwei Wochentagen bin ich dann vormittags in der Schule und unterrichte.

Eine Mama mit vier Jungs und ihrem trubeligen Alltag Gelassenheit

Ab 12 Uhr füllt sich das Haus aber wieder mit Leben, denn da hole ich unsere zwei Kiga-Jungs wieder ab und gegen 15 Uhr kommen die beiden Schuljungs nach Hause. Spätestens dann wird es wieder so richtig trubelig, denn alle haben natürlich erst mal was zu erzählen. Nach einem kleinen gemeinsamen Kaffeetrinken geht es anschließend je nach Wochentag und Wetterverhältnissen entweder raus zum Spielen für die Jungs, zum Leichtathletik-Training oder es muss noch etwas für die Schule gemacht werden.

Um halb sieben rum ist schließlich Abendbrot angesagt und bis halb acht sind wir dann im Badezimmer soweit durch und die Jungs auf dem Weg ins Land der Träume. Für mich stehen danach aber noch so spannende und notwendige Pflichten wie Küche aufräumen und Brotbüchsen für den nächsten Tag vorbereiten auf dem Plan (immerhin vier an der Zahl, wenn mein Mann gerade Frühschicht hat und ich auch meine Schultage, dann sind es sogar 6 Büchsen!).

Ist das alles durch, habe ich, je nach Dringlichkeit, Uhrzeit und Müdigkeitsfaktor, noch ein bisschen Spielraum für wichtigen Schreibkram, ein gutes Buch auf dem Sofa, Zeit mit meinem Mann oder ich falle doch direkt ziemlich müde ins Bett, denn der Wecker klingelt werktags um 5.30 Uhr für mich.

Gibt es auch Tage, an denen du das Gefühl hast, an deine Grenzen zu stoßen?

Oh ja, auch solche gibt es immer wieder mal und das regelmäßig. Alles andere wäre auch, glaube ich, nicht normal in meiner Lebenssituation. Und damit meine ich nicht allein die Tatsache, dass wir vier Kinder haben. Obwohl auch das natürlich in die Waagschale mit hineingeworfen werden muss. Wenn ich an meine Grenzen stoße, liegt das jedoch nicht nur allein an dem Alltag mit vier wirbelwindigen Jungs, sondern meistens potenzieren sich kurzfristig die Anforderungen an mich um ein Vielfaches. Wenn plötzlich jeder etwas von mir will und das noch gleichzeitig und ich Druck verspüre und das Gefühl, niemandem und nichts mehr gerecht werden zu können, dann ist eindeutig meine persönliche Grenze erreicht und überschritten: Da will der Ehefreund vielleicht gerade dies und das bereden oder gemeinsam mit mir regeln, zeitgleich hat von vier Kindern jeder etwas anderes, wobei ich unbedingt zuhören, helfen oder mitmachen muss. Für die Schule steht eine zusätzliche Arbeit an, die der Vorbereitung bedarf (z.B. ein Elterngespräch, eine Teamsitzung oder Zeugnisformulierungen, die fertig werden müssen) und im weiteren privaten Umfeld gilt es womöglich auch gerade, Dinge zu regeln, zu bereden, zu klären oder zu organisieren. Da kann einem schnell mal alles ziemlich zu viel werden und der Kopf mehr als rauchen. In solchen Momenten hilft mir dann meistens nur noch ein lautes „Stopp!“, ein kurzes Innehalten und in mich Hineinhorchen, um dann mit so viel Ruhe und Gelassenheit, wie ich sie aufbringen kann, die genannten Dinge nach ihrer Wichtigkeit und NACHEINANDER abzuarbeiten.

Eine Mama mit vier Jungs und ihrem trubeligen Alltag sächsische Schweiz mit Papa

Bringt dir dein Lehrer-Beruf etwas in der Erziehung deiner Kinder?

Hm… (überlegt), eigentlich war es eher umgekehrt: Das Leben mit den eigenen Kindern hat mir viel mehr Perspektiven und Verständnis für meine Unterrichtstätigkeiten in der Schule eröffnet.

Bei der Erziehung unserer Kinder war von Anfang an viel Bauchgefühl dabei. Erst bei offensichtlichen Problemen oder Schwierigkeiten habe ich mir Hilfe aus diverser Literatur oder auch bei anderen, erfahrenen Müttern geholt.

Erziehung in der Schule, in einer Klasse mit vielen „fremden“ Kindern, und die Erziehung der eigenen Kinder zu Hause lässt sich nur bedingt auf einander übertragen. Beiden gemein ist aber auf jeden Fall, dass man mit Klarheit und Authentizität im eigenen Reden und Handeln sowie mit liebevoller Konsequenz das Beste erreichen kann mit den Kindern.

Wie schaffst du es, bei vier Jungs, einem Haus, einem Mann und deinem Lehrer-Job, dich als Frau nicht zu vergessen?

Das ist in der Tat gar nicht so einfach und oft genug ein kleiner Balance-Akt. Da aber nicht nur ich selber, sondern vor allem auch die ganze Familie etwas davon hat, wenn die Ehefrau und Mama ausgeglichen und zufrieden ist, sind kleine „Auszeiten“ für mich absolut erfrischend und notwendig. Das weiß auch mein Mann und so ist er mir immer wieder ein guter Komplize in den Tücken des Alltags und hält mir den Rücken frei, indem er z.B. oft die Großeinkäufe managt, dabei meistens noch die Jungs mitnimmt oder auch gemeinsam mit ihnen rausgeht und verschiedenste Aktivitäten mit ihnen umsetzt. In diesen Zeiten nehme ich mir dann die Freiheit, mich ans Klavier zu setzen, einen längst überfälligen Brief oder auch Tagebuch zu schreiben oder einen interessanten Artikel zu lesen. All das sind nämlich Sachen, die ich für mich tue und die mich stärken und aufbauen und die jenseits meiner Mama-Pflichten liegen.

Immer mal wieder richtet es sich auf Nachfrage auch meine Schwiegermutter gerne ein und übernimmt abends einen Horchdienst bei uns, sodass mein Mann und ich auch gemeinsam etwas unternehmen können. Und weil ich die Kinder bei der Oma gut versorgt weiß, sind an solchen Abenden meine Mama-Antennen ausgeschaltet und ich bin mal wieder ganz nur Frau und Ehepartnerin.

Dein bisheriges Leben im Nachhinein betrachtet: Würdest du etwas anders machen wollen?

Bei dieser Frage ist man im ersten Impuls vielleicht geneigt, „ja“ zu sagen, denn jeder Mensch kennt und hat wohl Zeiten in seinem Leben, die nicht einfach waren und die man sich anders gewünscht hätte. Im zweiten Impuls überlegt man dann, was es denn wäre, was man anders machen würde. Und je länger ich genau darüber nachdenke, umso mehr komme ich für mich persönlich zu dem Schluss, dass ich tatsächlich nichts anders machen würde, selbst wenn ich es könnte. Traurige oder schwierige Zeiten in meinem Leben gehören genauso zu mir, wie die glücklichen Phasen. Erst und gerade die schwierigen Zeiten verleihen uns Tiefe und Profil. Sie geben uns neue Stärke und zudem ist Traurigsein wohl etwas Natürliches, denn es ist wie ein Atemholen zur Freude und ein Vorbereiten der Seele dazu. Ein Zitat von Seneca beschreibt ziemlich gut, was ich meine:

„Ein Schiff ist im Hafen sicher, aber dafür wurde es nicht gebaut.“

Eine Mama mit vier Jungs und ihrem trubeligen Alltag Mütze Wald

Welchen ultimativen Tipp kannst du frischgebackenen Eltern geben?

Gelassenheit! Ganz viel Gelassenheit und ein unbedingtes Hören auf das berühmte Bauchgefühl.

Unsere heutige Zeit ist so sehr geprägt von einem Geist des immer und umfassenden Informiert Seins über alles und das gesammelte Wissen (auch und natürlich das über Babypflege und Erziehung) ist ja dank guter und mobiler Vernetzung zum Internet immer nur einen schnellen Mausklick zu „Herrn Google“ kurz entfernt. Man will natürlich alles richtig machen als Eltern und nur das Beste für sein Kind. An diesem Wunsch ist nichts Verkehrtes. Dieses „Beste“ und möglichst „immer richtig“ findet sich aber oft genug gar nicht so sehr in den Tiefen des Internets oder sonstigen Ratgebern, sondern vielmehr in uns selbst, in uns als Mama und Papa, auch wenn wir das gerade ganz frisch und zum ersten Mal sind. Sicher ist es nicht verkehrt und auch gar nicht verwerflich, gut informiert zu sein (auch ich habe so einiges gelesen, als ich mit unserem ersten Kind schwanger war), aber jedes Kind und jedes Familiengefüge ist anders und individuell. Mit mehr Vertrauen in unsere ureigensten Instinkte als Eltern können und werden wir gar nicht so viel falsch machen, sondern unseren Kindern genau das geben, was sie in jedem Moment ihres Lebens gerade brauchen. Diese Erfahrung habe ich mit jedem unserer Kinder jedenfalls immer wieder gemacht.

Auf welche drei Dinge kannst du als Mama nicht verzichten?
  • Make-up:

Früher habe ich nie viel Make-up benutzt, eher zum Pickelabdecken in der Pubertät oder hier und da mal etwas Wimperntusche. Heute ist der „Augenringe-Abdeckstift“ unverzichtbar geworden. Ohne ihn vorher aufgetragen zu haben, gehe ich fast nicht mehr aus dem Haus. Kombiniert mit bequemer und gleichzeitig schicker Kleidung fühle ich mich so auch als Mama im Alltag viel wohler und attraktiver.

Eine Mama mit vier Jungs und ihrem trubeligen Alltag Janina

  • Unseren Thermomix:

Den liebt oder hasst man wohl entweder. Meine TM-Liebe hält nun schon seit 13 Jahren. Zum Beköstigen meiner kleinen Großfamilie ist er mir nach wie vor einfach jeden Tag aufs Neue ein gleichermaßen unkomplizierter wie treuer und vielseitiger Begleiter.

  • Mein Smartphone:

Lange Zeit habe ich mich aus Prinzip gegen so ein Ding gewehrt und ziemlich eisern an meinem alten, geliebten Siemens M50 Handy festgehalten. Nachdem der Ehefreund mich aber damals von „Whatsapp“ überzeugt hatte und dann eben doch kurzerhand ein Smartphone für mich angeschafft wurde, hatte ich Blut geleckt und würde es keinesfalls mehr missen wollen. Fotos, Videos oder Statusberichte von und mit Familie und Freunden sind so schnell auf das praktische kleine Telefon übermittelt und natürlich knipse ich auch selber fleißig damit oder drehe kleine Videos – meistens von unseren Jungs. Sehr gerne genutzt auch die Notizfunktion oder das schnelle Abrufen von Rezepten. Und im Falle, mir sollte wirklich einmal langweilig sein, spiele ich auch durchaus mal eine Runde „Sudoku“ auf dem Teil. Dank „Whatsapp“ und den vielen Sprachnachrichten kann ja auch unsere Freundschaft schon seit Jahren so wundervoll funktionieren. 🙂

Teile doch dein liebstes Rezept mit uns:

Kartoffel-Apfelauflauf mit Feta (für 4 Portionen)

Zubereitung: 20 Min. + Gar- und Abkühlzeit: 60 Min.

800 g festkochende Kartoffeln

200 ml Schlagsahne

Salz

3 Eier

2 rote Zwiebeln

Pfeffer

1 EL Öl zum Braten

½ EL fein gehackter Rosmarin

3 Äpfel (400 g)

½ EL Thymianblättchen

2 EL Zitronensaft

1 EL Butter für die Form

100 ml Milch

250 g Fetakäse, zerbröckelt

  •  Kartoffeln mit Schale in Salzwasser kochen. Noch warm pellen, abgekühlt in Scheiben schneiden.
  • Zwiebeln längs halbieren und in dünne Spalten schneiden.
  • Im heißen Öl 1-2 Minuten braten. Abkühlen lassen.
  • Apfelgehäuse ausstechen. Äpfel in Scheiben schneiden. Sofort mit Zitronensaft mischen.
  • Milch mit Sahne und Eiern verquirlen. Mit Salz und Pfeffer und der Hälfte der Kräuter würzen.
  • Eine Auflaufform (30×15 cm) fetten. Kartoffeln, Äpfel und die Hälfte des Käses darin abwechselnd einschichten. Mit der Eiersahne übergießen. Mit Zwiebeln, restlichen Kräutern und Käse bestreuen.
  • Bei 200 Grad auf der 2. Schiene von unten ca. 25 Minuten garen.

Und zum Abschluss: Was möchtest du in diesem Leben unbedingt noch machen?

Ich bin ein großer Astrid Lindgren – Fan. Inhaltlich stehen mir ihre Bücher und ihre Einstellung zum Leben und zu Kindern darin schon seit meiner eigenen Kindheit total nahe. Äußerlich-landschaftlich ist es ihre Heimat, Schweden, die mich in den Filmen zu ihren Kinderbüchern oder in Dokumentationen immer wieder begeistert. Darum möchte ich auf alle Fälle in diesem Leben noch gemeinsam mit meinem Mann und unseren Jungs dort mal einen Urlaub verbringen und das Land mit seiner eindrucksvollen Natur und Lebensart selber ein Stück erkunden, entdecken und kennen lernen.

Desweiteren möchte ich gerne noch das Orgel spielen erlernen. Ein Wunsch, der tatsächlich recht bald Realität werden könnte und der aufgrund meiner Vorkenntnisse im Klavierspielen nicht allzu schwierig in der Umsetzung sein sollte.


Liebe Janina, ich danke dir sehr für das Interview und deine Freundschaft. Ich würde mich freuen, dich des Öfteren auf meinem Blog begrüßen zu dürfen :-*

Freundschaft

Die beiden Janinas viel zu selten selten vereint. Auf dem Bild hält sie meinen wenige Wochen alten Sohn auf dem Arm.

3 Comments

  1. Natalia

    20. Februar 2018 at 22:06

    Was für eine mega power Frau!!! Hut ab!

  2. Jule

    27. Februar 2018 at 21:57

    Ein wirklich gelungener Artikel! Vielen Dank dafür. Eine tolle Frau! Und auf dem Bild siehst Du soooo anders aus, Wahnsinn!

    1. Filea

      4. März 2018 at 23:13

      Ja, einige Kilos mehr 😀

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