Alltag, Erziehung, Mama

„Mama, warum weinst du denn?“ // Darf man vor den Kindern seine Gefühle zeigen?

Als uns vergangene Woche die Kündigung auf Eigenbedarf reingereicht wurde und mir klar wurde, dass wir in drei Monaten aus unserer Wohnung ausziehen müssen, brach ich mitten im Wohnzimmer vor den Kindern in Tränen aus. Ich konnte nicht anders. Die Tränen liefen und die Emotionen kamen unaufhaltsam aus mir heraus. Als ich mich beruhigt hatte, überkam mich im ersten Moment ein schlechtes Gewissen. „Haben meine Kinder zu viel mitbekommen?“, „Die Große ist doch so sensibel. Wird sie damit klar kommen?“ waren meine ersten Gedanken. Doch selbst wenn ich es hätte vermeiden wollen, dass mich meine Kinder so sehen, es wäre nicht gegangen.

Gefühle zeigen ist wichtig

Grundsätzlich bin ich dafür, dass die Kinder auch wissen und erleben dürfen, dass es Mama oder Papa auch mal nicht so gut geht. Dass Mama auch mal traurig oder wütend ist. Deswegen verstecke ich mich eigentlich nicht. Ich zeige meinen Kindern, dass ich gerade sauer bin oder ich weine vor den Kindern, wenn es mir nicht so gut geht. Aber ich glaube auch hier kommt es auf die Dosis an. Würde ich jeden Tag traurig sein und würden die Kinder nichts anderes von mir sehen, würden sie ein falsches Bild vom Leben erhalten. Ich würde ihnen vermitteln, dass es nur noch Traurigkeit gibt. Gott sei Dank gibt es in meinem Leben aber auch viele schöne Momente und sie werden immer mehr. Auch das dürfen die Kinder mitbekommen.

Kinder lernen ihre eigenen Gefühle kennen

Wie sollen die Kinder denn den Umgang mit ihren eigenen Gefühlen lernen, wenn die Eltern immer so tun, als wäre alles in Ordnung? Ich höre oder lese immer noch Aussagen wie „Vor meinen Kindern weine ich nicht.“ und ich kann das sogar nachvollziehen, dass man diesen Impuls hat. Es gibt viele Eltern, die ihre Emotionen versuchen herunterzuschlucken oder dafür ins „stille Kämmerlein“ gehen. Schwäche zeigen fällt auch mir generell schwer. Aber es hilft den Kindern meiner Meinung nach tatsächlich mehr, wenn man Gefühle zeigt und sich dadurch menschlich macht.

Kindern seine Gefühle zeigen Mama warum weinst du

Ich verberge meine Gefühle nicht

Wenn man mich fragt, wie ich damit umgehe und ob ich den Kindern meine Gefühle zeige, dann sage ich ganz klar: JA! Ich möchte mich nicht vor den Kindern verstecken und erst in ein anderes Zimmer gehen müssen, bevor die Tränen kullern oder ich sauer bin. Klar ist allerdings auch, dass alles eine Grenze hat. Wird es zu heftig mit meinen Emotionen, so dass ich mich zum Beispiel nicht mehr beherrschen kann, dann liegt es an mir, in ein anderes Zimmer zu gehen und erstmal runterzufahren.

Ich finde es wichtig, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben und zu erklären, warum Mama gerade traurig ist oder was genau mich wütend gemacht hat. Dabei muss den Kindern allerdings klar werden, dass es absolut nichts mit ihnen zutun hat. Dieser Punkt des offenen Gesprächs fällt mit ehrlich gesagt noch recht schwer. Aber ich weiß, dass es der richtige Weg ist. Und ich hoffe, je älter die Kinder werden, desto mehr verstehen sie auch und desto leichter wird es mir fallen, offen und ehrlich mit ihnen zu sprechen.

Wie ist das bei euch? Wie geht ihr mit euren Gefühlen vor den Kindern um? Fällt es euch leicht, Gefühle zu zeigen oder geht ihr doch lieber in ein anderes Zimmer?

2 Comments

  1. JesS

    29. April 2018 at 22:07

    Ich bin da sehr offen. Nicht nur als ich umgekippt war oder beim Selbstmord meines Freundes (da hab ich natürlich damals nur erzählt das er gestoben ist, da war sie noch viel kleiner). Empathie lernen Kinder in dem sie lernen mit Gefühlen um zu gehen… daher verheimliche ich nichts. Abgesehen davon ist mein Mädchen so sensibel das sie eh merkt wenn was nicht ist und so können wir dann darüber sprechen. Viele Kinder haben mehr Angst wenn Themen totgeschwiegen werden, weil sie sie dann nicht greifen können – reden vertreibt die Angst.

  2. "Mama warum weinst Du?" - Wie viele Gefühle dürfen Eltern zeigen?

    16. Mai 2018 at 13:16

    […] neulich so ziemlich zeitgleich das gleiche Thema bei sich zu Hause. Deshalb verlinke ich gerne Ihren Artikel dazu. Klickt doch mal […]

Leave a Reply