Persönliches

Wegen Eigenbedarf gekündigt // Umziehen ohne Geld – wie soll das gehen?

Es ist 19 Uhr abends, wir sind gerade dabei, die Kinder bettfertig zu machen, als es an der Haustür klingelt. Ich ziehe meinem Sohn gerade seinen Schlafentzug an und mache die typischen Grunzgeräusche, um den Tag mit einem Spaß zu beenden, als ich mitbekomme, worum es geht: Der neue Hauseigentümer übergibt uns die Kündigung wegen Eigenbedarf. BÄÄM.

Vier Monate zuvor

Ende des letzten Jahres haben wir die Nachricht erhalten, dass das Haus, in dem wir leben, verkauft wird. Es riss mir damals schon den Boden unter den Füßen weg. Umziehen? Ohne Geld? Wie sollen wir das machen? Mein Mann ist in Ausbildung! Wir müssen doch nur noch zwei Jahre überbrücken, bis es finanziell gesehen endlich etwas mehr Luft gibt. Und nun das. Wir mussten Leute durch unsere Wohnung gehen lassen, die sich anschauten, wo sie ihre Möbel hinstellen wollen. In unserer Wohnung, die seit vier Jahren unser Zuhause war und die wir doch gar nicht verlassen wollten!

Dann – kurz vor Weihnachten – kam endlich die erlösende Nachricht: Der Käufer wird sich das Dachgeschoss ausbauen und wir dürfen wohnen bleiben. Ich weiß noch, wie ich jubelschreiend durch die Wohnung gerannt bin. Es war eine Erlösung. Weihnachten konnte kommen.

Von vornherein Eigenbedarf geplant

Vier Monate später ist die Grundbucheintragung durch und wir haben die Kündigung in der Hand. Meine Vermutung ist, dass der neue Vermieter und Käufer des Hauses von vornherein vor hatte, selbst einzuziehen und uns zu kündigen. Aber hätte er es anfangs schon gesagt, dann hätten wir schon andere Wohnungen gesucht und selbst gekündigt und er würde keine Miete mehr von uns bekommen, weil die Wohnung leer stünde, bis er selbst einzieht. Wisst ihr, Menschen sind so grausam. Man schaut ihnen ins Gesicht, man scherzt mit ihnen und hinterrücks rammen sie dir das Messer in den Rücken. Ich könnte mit dem Wissen, eine Familie mit zwei kleinen Kindern auf die Straße zu setzen, nicht einfach so leben. Aber wie gesagt, das ist nur eine Vermutung und nicht bewiesen.

Jetzt haben wir drei Monate Zeit

Letztlich ist es auch egal, ob er es geplant oder es sich so ergeben hat: Wir müssen raus. Und da wir leider „erst“ vier Jahre in dieser Wohnung wohnen, haben wir eine Kündigungsfrist von nur drei Monaten. In drei Monaten müssen wir hier raus sein. Wie wir alle wissen, ist Wohnraum extrem knapp und so ist es auch in Bielefeld. Es gibt so gut wie keine Wohnungen. Kommt wie bei uns noch die Anforderung hinzu, dass sie günstig sein und auch noch in der Nähe der Schule meiner Tochter sein muss, kann man es eigentlich fast vergessen. Ich gehe die üblichen Wege über Zeitung, Immobilienscout und wie sie alle heißen, aber die Nerven liegen jetzt schon blank.

Umzug ohne Geld – wie soll das gehen?

Meine größte Sorge ist und bleibt aber das Geld. Wie ich euch schon berichtet habe, haben wir davon nämlich gerade so viel, dass wir uns über den Monat retten. Ersparnisse, Fehlanzeige. Die Bank hat uns schon vor einem Monat gesagt, dass das Ausbildungsgehalt meines Mannes nicht angerechnet wird und wir somit kein Geld von der Bank bekämen. Aber wie sollen wir einen Umzug inklusive Umzugswagen, Farbe für die Renovierung, Kaution für die neue Wohnung (für die alte mussten wir keine bezahlen) und eventueller kaputter Möbel bezahlen? Für mich eine Unmöglichkeit. Aber ich muss auch zugeben, dass ich ziemlich pessimistisch bin. Leider.

Unser Aufruf im Netz

Die Kündigung ist noch keine 24 Stunden her und ich sitze hier und weine. Aber mittlerweile nicht mehr wegen der Kündigung an sich, die hat mich natürlich mega schockiert. Ich weine, weil mein Handy alle paar Sekunden bimmelt und zwar weil jemand von euch meinen Aufruf zur Wohnungssuche teilt. Und das haut mich von den Socken. Es berührt mich. Treibt mir die Tränen in die Augen und eine Gänsehaut jagt die nächste. Ich hätte nicht gedacht, dass so viel Mitgefühl aufgebracht werden kann. Hätte nicht gedacht, dass ihr so mitfiebert. Dass ich und die Probleme meiner Familie anderen so viel bedeuten kann, dass sie sich kümmern. Wo sonst so viel Missgunst herrscht, darf ich gerade erfahren, was es heißt, dass jemand Hilfe anbietet. Auch wenn es „nur“ eine liebevolle Nachricht ist. Sie bedeutet mir so wahnsinnig viel. DANKE!

5 Comments

  1. Christine

    25. April 2018 at 22:29

    Danke für deine offenen Worte !
    Ich drück euch ganz fest die Daumen für die Wohnungssuche!
    Grüße aus Bayern

  2. "Mama, warum weinst du denn?" // Darf man vor den Kindern seine Gefühle zeigen? - FILEA

    29. April 2018 at 19:23

    […] uns vergangene Woche die Kündigung auf Eigenbedarf reingereicht wurde und mir klar wurde, dass wir in drei Monaten aus unserer Wohnung ausziehen […]

  3. Joanna Maria

    4. Mai 2018 at 00:10

    Au Waia… da befindet ihr Euch in einer wahren Horrorsituation. Ich halte Euch ganz doll die Daumen. Ich habe gelernt, dass Gott immer hilft, wenn auch nicht eine Sekunde zu früh! Wir haben seinerzeit sehr viel Glück mit unserer Wohnung gehabt. Auch wenn´s Staffelmiete ist so bezahlen wir doch warm noch wesentlich weniger als die ortsübliche Kaltmiete. Warum solltet nicht auch ihr solches Glück haben? Habt ihr daran gedacht euch gegen die Kündigung zu wehren? Wart ihr beim Mieterverein? Oft sind die Eigenbedarfskündigungen nämlich aufgrund von für Leihen nicht erkennbaren Mängeln eigentlich unwirksam oder zumindest anfechtbar! Mein Jurastudium ist bereits so lange her und ich kenne den Text der Eigenbedarfskündigung nicht aber ich weiß, dass da sehr oft einiges zu reißen gibt….. Vielleicht greift bei Euch sogar die Sozialklausel (https://www.eigenbedarfskuendigung.com/haertefall/), wenn sich dein Mann noch in Ausbildung befindet. Es ist vor allem die kurze Zeit in der ihr die Wohnung verlassen müßt. Wie Du meintest, hättest Du es vorher gewußt, hättest Du eher suchen können. Ich hoffe so sehr für Euch, dass es wie bei uns seinerzeit auch so gut klappt.
    Alles Liebe
    Joanna Maria

    1. Filea

      4. Mai 2018 at 10:21

      Hallo liebe Joanna! Vielen Dank für deine lieben Worte! Wir sind tatsächlich jetzt ganz frisch in den Mieterschutzbund eingetreten und werden dagegen vorgehen. Ob es was bringt, wird sich zeigen. Ich danke dir für deine Tipps. Ich hoffe und bete auch sehr, dass Gott uns helfen wird. Es heißt ja immer Vertrauen, jetzt müssen wir das auch tun 😀
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Janina

  4. Manchmal wird am Ende alles gut - FILEA

    25. Juni 2018 at 18:56

    […] Vor zwei Monaten habe ich euch davon berichtet, dass uns wegen Eigenbedarf die Wohnung gekündigt wurde. Im ersten Moment war es ein riesiger Schock für mich. Ich hatte nicht daran geglaubt, dass dieser Berg, der sich auf einmal vor uns aufgetan hat, erklommen werden kann. Die ersten Wohnungsbesichtigungen waren auch sehr ernüchternd. Aber dazu ein anderes Mal mehr. […]

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