Frau, Persönliches

Das liebe Geld // Zwischen Konsum und leerem Konto

Der Frühling ist da, endlich. Die Sonne zeigt sich häufiger, es wird wärmer und die Laune steigt. Wäre da nicht die immer mitschwingende Sorge. Eine Sorge, die viele kennen und andere nicht nachvollziehen können. Es geht um das liebe Geld.

Keine großen Sprünge

Ich bin einer relativ armen Familie groß geworden. Das Geld war schon immer knapp. Mit einem Flugzeug geflogen bin ich das erste Mal in meiner Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau, weil sich meine Eltern nie einen größeren Urlaub als an die Nordsee leisten konnten. Wir wohnten mit einer 4-köpfigen Familie in einer 3-Zimmer-Wohnung in Berlin-Spandau. Ich teilte mir meiner älteren Schwester ein Zimmer. Große Sprünge waren nicht drin.

Leider wurden diese Geldsorgen auch nicht weniger, als ich eine eigene Familie gründete. Entweder war einer von uns in Ausbildung, im Studium, in Elternzeit oder arbeitslos. Wir hatten in unserer 11-jährigen Ehe noch nie die Situation, dass wir beide einigermaßen gutes Geld verdient haben. Und das merkt man dann auf dem Konto.

Wenn das Konto am 10. schon leer ist

Ja, auch wenn das ein unheimlich privates und unangenehmes Thema ist, ist das schlichtweg die Wahrheit. Und da man meiner Meinung nach nur damit wirklich weiter kommt im Leben, schreibe ich darüber. Es gibt Monate, da ist das Konto am 10. schon leer und wir müssen zwei Wochen lang extrem knapsen. Da überlegt man sich zwei Mal was von dem restlichen Geld im Portemonnaie im Supermarkt einkauft. Gott sei Dank gibt es in solchen Situationen Menschen – meist die engste Familie – die dann aushilft. Auch wenn diese selbst kein Geld haben.

Außenstehende kommen dann schnell ins Verurteilen. „Wieso kauft sie sich dann Schuhe, wenn sie angeblich kein Geld hat?“ Weil es eben Monate gibt, die etwas besser laufen. Und weil man Schuhe nun mal braucht. Aber ganz ehrlich: Jeder sollte sich doch eigentlich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern und andere nicht kritisieren oder? Nicht mal in Gedanken.

Konsum und die doofen Vergleiche

Nun ist die Situation an sich schon hart genug. Das Leben macht in diesen Monaten wirklich überhaupt keinen Spaß. Aber es gibt ja noch die anderen. Dank Instagram kann man die ja auf Schritt und Tritt verfolgen. Die mit den fünf Autos auf dem Hof. Oder die, die zwei bis drei Mal im Jahr in den Urlaub fliegen.  Das ist vielleicht übertrieben. Aber auch einmal pro Jahr in den Urlaub fliegen ist uns seit zehn Jahren nicht gegönnt gewesen. Unser abgenutztes Auto hat 500 Euro in der Anschaffung gekostet und fast seine 300.000 Kilometer gefahren. Und auch wir wohnen in einer 3-Zimmer-Wohnung mit meist gebrauchten Möbeln.

Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe das, um Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es Familien gibt, die nicht viel Geld haben. Und dass es vielleicht nicht immer angebracht ist, sein Haus, sein Auto und sein Boot vor anderen auf den Tisch zu legen. Ich denke, ihr wisst, was ich sagen möchte. Es tut einfach weh. Und es ärgert mich, dass es mich so ärgert. Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst und sie meinen es nicht böse. Konsum ist einfach da und nimmt fast schon Überhand in unseren Köpfen.

Geldsorgen Konsum und leeres Konto

Fotos by jennysarah

Gibt es einen Ausweg?

Mir hilft es, wenn ich denen entfolge, die mir ständig das Gefühl geben, dass sie ein Leben führen, das für mich unerreichbar ist. Das triggert mich aktuell zu sehr. Deswegen versuche ich zu vermeiden, diese Menschen und ihr schönes Haus fortwährend zu sehen. Natürlich ist das nur eine Vermeidungsstrategie. Besser wäre es, wenn mich das gar nicht jucken würde. Aber der Weg dahin ist lang und steinig. Dafür ist meine persönliche Situation zu mies, als dass ich damit zufrieden sein könnte.

In zwei Jahren ist mein Mann mit seiner Ausbildung fertig und wir werden endlich beide verdienen. Ich hoffe sehr, dass sich die finanzielle Situation dann endlich entspannt.

Außerdem hilft es mir, wenn ich mich mit Gleichgesinnten austausche. Sehe, dass es auch anderen so geht. Dass ich kein Yeti und nicht seltsam bin. Auch dafür soll dieser Blogpost sein. „Über Geld spricht man nicht“, so die Redewendung. Wieso denn nicht? Weil es Schwäche zugibt? Weil es unperfektes Leben zeigt? Na also, genau deshalb schreibe ich darüber. Denn ich bin alles andere als perfekt und ich habe viele Schwachpunkte in meinem Leben. Aber ich zeige sie. Um andere zu stärken.

16 Comments

  1. Michaela

    11. April 2018 at 20:19

    Danke für deinen ehrlichen Bericht. Ich kenne deine Situation nur zu gut. Obwohl meine Frau ca. 70 Stunden die Woche arbeitet, geht sich alles gerade mal so aus. Und ja, ich weiß, dass das mehr ist als bei euch. Aber wir waren auch schon in eurer Situation und daher kann ich es sooooooo gut nachvollziehen wie du dich fühlst. Mir geht es oft auch so. Es sollte mich nicht jucken…aber es tut es. Man fühlt sich „vom Leben ungerecht behandelt“.

    Am meisten nerven mich persönlich dann Aussagen wie: „Ja, dann musst du eben mehr arbeiten.“ Äh ja, danke. Auf die Idee wäre ich ja sonst nie gekommen.

    1. Filea

      11. April 2018 at 20:22

      Erst einmal vielen Dank für deine Worte! 70 Stunden die Woche ist ja echt schon mal eine Hausnummer. Das ist für mich auch das schwierige. Natürlich könnte man teilweise mehr arbeiten. Aber dann hat man als Familie weniger Lebensqualität. Dann hat man quasi mehr Geld, kann es aber nicht ausgeben, weil man keine Zeit mehr hat, um ordentlich zu kochen oder mit den Kindern in den Zoo zu fahren. Also ganz so einfach ist es dann doch nicht getan mit „dann musst du eben mehr arbeiten“.

  2. Leila

    11. April 2018 at 20:29

    Eim gutes Thema! Beim kommentieren habe ich gerade gemerkt das es zu lang wird. Vielleicht sollte ich da einen Antwort Artikel schreiben…Danke für die Inspiration zum Denken!

  3. JesS

    11. April 2018 at 22:31

    Ein sensibles Thema und daher erst mal: Super da du so offen sein kannst. Ich – auch wenn man es heute vielleicht nicht denke – weiß genau, wie sich das anfühlt. Als Kind hatten wir nie neue Schule (das dankten meine Füße mit einer fetten Fehlstellung viele Jahre), nie neue Sachen. Mein Bett kam vom Sperrmüll. Es stand dort und augenscheinlich war doch nichts dran. Geld von den Großeltern musste ich abgeben, meine beiden Brüder genau so. Ab dem 10. musste ich den Kioskmann anbetteln noch eine Schachtel Zigaretten oder Tabak für meine Mutter an schreibe zu lassen. Und das täglich – manchmal in verschiedenen Kiosks. Also ja, ich kenne die andere Seite und es war schrecklich. Ich finde es gut, dass du den Profilen entflogst, dass mache ich selber auch, wenn sie dich zu sehr triggern! Manchmal darf man auch vermeiden, weil wir uns nicht immer geißeln müssen! Und ich merke das die Antwort viel zu lang wird, aber ich möchte es dir sagen:
    Du bist nicht dein Haus, dein Auto oder dein Konsum? Du bist wunderbar, wie du bist. Nicht das, was du hast!
    Du bist wunderbar weil du bist, lebst und liebst!

    Deine JesS

  4. Alu

    11. April 2018 at 23:18

    Ich kenne das sehr gut und kann nur sagen, es kommen hoffentlich auch wieder bessere Zeiten. Das sage ich mir dann immer und die Kinder brauchen nun mal Schuhe und Co. LG alu

  5. Julie

    12. April 2018 at 12:07

    Danke für deinen ehrlichen Text. Ich glaube, dass das Thema einfach oftmals unter den Tisch gekehrt wird, weil man sich dafür schämt. Mir geht es da nicht viel anders. Leider.

  6. Katharina

    12. April 2018 at 13:27

    Bei uns heißt es immer: es ist egal wie viel Geld Du hast, am Ende ist das Konto immer leer. Für mich stimmt es jedenfalls. Ich bin mit wenig Geld aufgewachsen. Ich bin per Anhalter zur Schule gefahren weil ich nicht wollte, dass meine Eltern noch mehr belastet werden. Nur so als Beispiel. Ich weiß es also zu schätzen, dass unser Einkommen heute vergleichsweise hoch ist. Dafür zahlen wir noch immer Studienkredite ab, weil wir schon immer alles selbst getragen haben. Ja: es gibt bessere und schlechtere Monate. Und das wichtigste ist, dass man einen Ausblick hat: dass eine Zeit kommt in der es wieder besser wird. Das zumindest find ich unheimlich tröstlich. Und was die Anderen und ihr Einkommen angeht: was weiß man schon was wirklich dahinter steckt…… ob das Haus geerbt wurde oder ob das Auto nur mit Lesingraten fährt….. es ist doch so vieles nur Schein…..

  7. sonja

    12. April 2018 at 14:07

    Liebe Filea, ich finde es ganz toll, dass du darüber sprichst. Ich selber kenne beide Seiten. Seit den Elternzeiten knapsen wir auch schon wieder ganz schön, obwohl man das von außen betrachtet wohl erst mal nicht denken würde. Aber wie Katharina vor mir schon sagt: die Klamotten der Kinder kommen oft genug von den Omas, das Haus ist gemietet und das Auto vom letzten guten Gehalt vor den Kindern bezahlt worden. Ich glaube, dass bei ganz vielen Familien der Schein auch sehr trügen kann. Ich selber lege keinen großen Wert darauf, was andere von mir denken. Als an der Tanke neulich mal wieder die EC-Karte nicht ging, hab ich nur gezuckt und gesagt, „Oh ist wohl das Gehalt noch nicht drauf.“ Und dann die andere Karte genommen, bei der das Dispo noch nicht ausgeschöpft ist. Mir ist egal, was die Frau dann denkt. ist doch keine Schande. Vergleich dich nicht mit anderen. Ausbildungen gehen vorbei. Der bewusste Umgang mit Geld aber, der wird euch auch bleiben, wenn ihr mal mehr habt. Und auch der Blick für die wesentlichen Dinge im Leben. Und das sind nicht die neuen Schuhe. <3

  8. Petra

    12. April 2018 at 19:37

    Danke, dass du es so ehrlich sagst. Ich kenne das mit dem Neid, den man nicht will. Und ich kenne die Angst, wenn man auf das Konto gucken muss. Du bist nicht allein. Danke dafür!

  9. Lieblinks #3 • Edition ELTERN

    13. April 2018 at 19:48

    […] Auch Janina vom Blog Filea blickt auf Instagram auf Menschen, die anders leben können, als sie selbst, und das tut manchmal weh. Ihre offenen, ehrlichen und unverbitterten Gedanken dazu: „Das liebe Geld. Zwischen Konsum und leerem Konto.“ […]

  10. Jenny

    13. April 2018 at 22:22

    Schön, dass du das so ehrlich geschrieben hast, denn es ist genau so: niemand spricht gerne drüber, jeder probiert irgendwie den Schein zu wahren. Das ist wirklich schade, weil dass irgendwie das Gefühl gibt, dass das eigene Leben nicht solch eine (facebook, Instagram etc.)Berechtigung hätte, wie eben die Funkel-Glitzer Accounts. Traurig ist, dass das hier wahrscheinlich nur die verstehen, die es auch durchgemacht haben, oder einfach gerade in der selben Situation stecken, weil von anderen kommt, wie oben schon geschrieben wurde nur „musst halt mehr arbeiten“ oder ähnliches…

  11. Nicole

    16. April 2018 at 19:18

    Von Herzen „DANKE“ für Deinen offenen Bericht. Ich wünschte es gäbe mehr echtes Leben und echte Geschichten, v.a. in der schönen bunten Instagram Welt. Du bist ehrlich, das beeindruckt und imponiert mir mehr als jedes stylische Kinderzimmer oder bunter Ferienreport. Danke für so viel Echtheit! Das bist toll!

  12. Wegen Eigenbedarf gekündigt // Umziehen ohne Geld - wie soll das gehen? - FILEA

    25. April 2018 at 17:14

    […] größte Sorge ist und bleibt aber das Geld. Wie ich euch schon berichtet habe, haben wir davon nämlich gerade so viel, dass wir uns über den Monat retten. Ersparnisse, […]

  13. Madeleine

    25. April 2018 at 20:49

    Hey, vielen Dank für den Post! Uns geht es ähnlich und zum Glück leben wir auf dem Land. Unsere Miete ist erschwinglich, aber mit Familie brauchen wir dafür zwei Autos. Dafür ist es hier viel einfacher, sich dem Konsum zu entziehen. Wir tuen es nicht nur aus Geldnot, sondern auch wegen der Umwelt. Trotzdem freue ich mich, wenn die erkreiselten gebrauchten Klamotten für meine Tochter ankommen und wir führen eine Liste mit Dingen, die wir uns kal kaufen wollen, wenn mal was übrig ist. Was mir am meisten hilft ist, dass wir nurnoch streamen und kein Free Tv mehr schauen. Somit sehen wir viel weniger Werbung. Da ich selbst mit wenig Geld aufgewachsen bin und lange studiert hab, bin ich es gewohnt mit wenig Geld zu leben und ich hab das Glück, dass mich ein Geldregen meiner Mitmenschen überhaupt nicht juckt. Mein Kann und ich sind da sehr resistent, vll schon ein bisschen zu resistent. Wenn wir sehen, wie sich einer ein neues Auto kauft denken wir eher: “ der arme, die karre schluckt so viel Sprit“ und freuen uns, dass wir unser Geld sinnvoller anlegen. Außerdem machen wir Waschmittel und Putzmittel selbst, nähen, haben einen Garten. Führen eine App- Einkaufsliste. Wickeln mit Stoff. Reparieren Kleidung… Und und und. Wenn man mal aufgehört hat sich selbst zu bedauern ( und das haben wir…) sieht man es als Chance und wird kreativ. Jetzt hat mein Kann einen besseren Job bekommen. Ein bisschen Angst hab ich schon, dass wir es „verprassen“ und es uns in Zulunft einfacher machen und mehr konsumieren. Drückt mir die Daumen, dass wir es sinnvoll verwenden 😉 Ich wünsche dir und deiner Familie nur das Beste! Das schönste im Leben kostet kein Geld 🙂

  14. Desiree Tietz

    25. April 2018 at 23:47

    Hallo toll das du so offen und ehrlich das Thema angesprochen hast. Ich kenne diese Gefühl gut. War ich mit meiner Großen alleinerziehende von Anfang an und landete bei der Tafel so passierte es in der Elternzeit mit der Jüngsten jetzt auch wieder. Doch obwohl es hart war war es mir die Zeit mit der kleinen Wert. Um unsere Wohnkosten zu senken sind wir damals in den Westerwald gezogen und haben dort ein Haus gekauft, manch anderer kauft sich für die Summe einen Mittelklasse Wagen. Aber für uns ist es billiger als Miete zu zahlen witziger Weise. Und zum Glück bekomme ich als Krankenschwester überall Arbeit. Doch bin ich allein verdienter da mein Mann berentet ist. Dieses normale vermisse ich oft in der schönen digitalen Welt mit ihrem ganzen schischi und Bling Bling. Glaube mir irgendwann geht es bergauf .
    Liebe Grüße
    Desiree

  15. Ersatzomas wo seid ihr? // Wie man ohne Oma in der Nähe leben muss - FILEA

    8. Juni 2018 at 11:50

    […] man selbst vertraut und dem die Kinder vertrauen, kostet der Babysitter ja gewöhnlich auch Geld. Geld, das bei uns meistens knapp ist. Da überlegt man sich dann schon zwei Mal, ob die freie Zeit, die Entlastung im Alltag wirklich so […]

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