Alltag, Mama

Ersatzomas wo seid ihr? // Wie man ohne Oma in der Nähe leben muss

Wie oft höre ich „Die Kinder haben heute Oma-Tag“ oder „Wir haben Ausgang, die Kinder schlafen bei meinen Eltern.“?! Meine Nachbarin allein hat mindestens einmal am Tag Besuch von ihrer Schwiegermutter, -vater, ihren eigenen Geschwistern oder denen ihres Mannes. High life in Dosen. Eben mal schnell alleine einkaufen fahren oder einen Arzttermin am Nachmittag wahrnehmen, ist dort alles kein Problem.

„Wann fahren wir endlich wieder zu Oma?“

Die Omas und Opas meiner Kinder wohnen leider alle ziemlich weit weg. Was heißt ziemlich?! Mindestens drei Stunden Autofahrt ein Weg. Aber wann macht man das schon mal, dass man „mal eben“ hochfährt?! Im trubeligen Alltag geht das ganz schnell unter. Im Endeffekt sehen die Kinder ihre Großeltern teilweise monatelang nicht. Und da kommt schon des Öfteren mal die Frage, wann wir endlich wieder zu ihnen fahren.

Entlastung im Alltag: Fehlanzeige

Wie gerne hätte ich mal einen Nachmittag ohne die Kinder! Wie gerne würde ich mal abends mit meinem Mann weggehen, ins Kino oder was essen. Wenn die eigenen Eltern nicht in der Nähe wohnen, ist das nicht ohne Weiteres möglich. Alternative Babysitter? Diesen Zug haben wir leider bisher verpasst. Mal davon abgesehen, dass man erst einmal jemanden finden muss, dem man selbst vertraut und dem die Kinder vertrauen, kostet der Babysitter ja gewöhnlich auch Geld. Geld, das bei uns meistens knapp ist. Da überlegt man sich dann schon zwei Mal, ob die freie Zeit, die Entlastung im Alltag wirklich so wichtig ist.

Ausgelaugt? Aber warum denn?

Gut, die Situation ist, wie sie ist. Ich kann sie nicht ändern. Dafür müsste ich in eine andere Stadt ziehen, und das möchte ich aktuell nicht. Was ich aber gerne hätte, ist etwas mehr Verständnis. Dafür, dass mein Alltag vielleicht schwerer ist, als für andere, die Oma und Opa nebenan wohnen haben. Bringt es mir etwas? Naja, mehr freie Zeit habe ich dadurch immer noch nicht. Aber ich möchte einfach gern Bewusstsein dafür schaffen, dass es Unterschiede gibt zwischen dem Familienleben A ohne Omas und Opas in der Nähe und dem Familienleben B mit Familie in der Nähe. Ich finde, dass nicht alle über denselben Kamm geschert werden können und sollten.

Leben ohne Oma in der Nähe

Das Modell der Ersatzomas

Gibt es denn nun eine Lösung für Familien ohne Oma in der Stadt oder müssen sie sich ihrem Schicksal hingeben? In einigen Städten gibt es das Modell der Ersatzomas. Das sind in der Regel Frauen, die schon in der Rente sind, also ein gewisses Alter erreicht haben und sich gerne um Kinder kümmern möchten. Entweder weil sie selber keine Enkelkinder haben oder weil sie eine Aufgabe suchen, die ihnen Spaß macht. Die Internetseiten, die diese gelegentliche Betreuung vermitteln, nehmen Geld dafür. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich dort noch nicht registriert habe. Aber die Idee finde ich toll und bin der Meinung, dass es viel mehr solcher Vermittlungen geben sollte, möglichst kostenlos.

Familien sind oft überlastet

Wie auch immer, ich persönlich komme im Alltag oft an meine Grenzen. Ohne Putzfrau, ohne Babysitter und ohne Familie, in der Nähe, die manche Arbeiten abnehmen könnte, ist das Leben manchmal ganz schön schwer. Dann noch Teilzeit arbeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten und Co. und man steht kurz vor der Überforderung. Eine Lösung habe ich für mich noch nicht gefunden.

Wie macht ihr das? Habt ihr die Großeltern in eurem näheren Umfeld und nutzt ihr sie auch, um eure Kinder mal abzugeben? Oder müsst ihr den Alltag auch meist komplett alleine wuppen? Habt ihr Lösungen gefunden, um auch mal Zeit alleine oder zu zweit zu sein?

6 Comments

  1. Katrin

    8. Juni 2018 at 14:46

    Hallo Filea, ich kann Deine Probleme sehr gut nachvollziehen. Auch bei uns sind alle Omas und Opas mind. 300km weit weg. Sonstige Verwandschaft ebenso. Wir haben tatsächlich jetzt den Weg zum Babysitter geschafft. Es ist eine Praktikantin aus unserem Kindergarten und unsere Große machte selber den Vorschlag, dass die doch mal aufpassen kann. D.h. wir sparen uns somit das aufwändige Kennenlernen….

    Zum Thema Ersatzoma habe ich so meine Bedenken. Meine Erziehungs- und Lebenseinstellung, gerade was die Kinder betrifft, geht teilweise weit auseinander mit der der älteren Generation. Mir ist in dem Fall eine Pädagogik-Studentin lieber.

    1. Filea

      11. Juni 2018 at 20:21

      Da sagst du was, stimmt. Die Ansichten von meiner Mutter und mir gehen auch teilweise ganz schön weit auseinander. Bei Studentinnen oder Praktikantinnen habe ich allerdings immer die Angst, dass sie bald aus der Stadt ziehen, was ja oft der Fall ist und dann ist der schöne Babysitter auch dahin. Ich wünsche euch viel Erfolg und genießt die freie Zeit 😉

  2. Jennifer

    9. Juni 2018 at 00:37

    Ich kann dich so gut verstehen: Auch wir haben „nur“ eine Ersatzoma, da unsere Familien 350km und 600km entfernt wohnen und ein Umzug nicht in Frage kommt. Wir hatten diesbezüglich aber wirklich Glück: Eine ehemalige Kollegin meines Mannes hat die Rolle gerne übernommen, als sie in Rente gegangen ist. Sie selbst hat keine Enkelkinder und ist jetzt die Oma für unsere Kleine. Dadurch hatten wir nie Probleme, die sonst auf einen zukommen würden (alleine schon Vertrauen aufbauen). Vielen fehlt wirklich der Blick dafür, dass es heute keineswegs mehr normal ist, Unterstützung in Form der Familie zu bekommen.

    1. Filea

      11. Juni 2018 at 20:22

      Hallo liebe Jennifer,
      ich freue mich wirklich sehr für euch, dass ihr solch ein Glück mit eurer Ersatzoma hattet! Das ist wirklich so praktisch!
      Ich wünsche mir auch sehr, dass der Blick für die heutigen Familien geweitet wird und dafür, was sie leisten.

  3. Anne

    13. Juni 2018 at 09:24

    Hallo! Da hast du ja was angesprochen! Also, wir wuppen unseren Alltag mit mittlerweile 3 Jungs im Alter von 10, fast 7 und 1,5 Jahren und ich muss sagen, es ist manchmal grausam! Vor allem, wenn einer, oder noch schlimmer, mehrere krank sind. Dann bricht hier der Notstand aus. Mal eben ins Bett legen, weil es einem gar nicht gut geht, Fehlanzeige. Der Mittlere muss zur Kita, der Papa zur Arbeit und der Große geht, Gott sei Dank!, allein zur Schule. Unsere Kinder haben zeitaufwendige Hobbies wie Handball und gehen zur Musikschule. Allerdings haben wir in diesem Jahr bewusst entschleunigt. Weniger Termine, weniger freiwillige Arbeit, weniger Ansprüche an uns selbst. Dafür mehr Zeit als Familie und viel Freiheit für alle! Manchmal macht mein Mann etwas mit den Jungs, zum Beispiel eine Fahrradtour, manchmal ich. Manchmal teilen wir die Kinder auch auf, je nachdem, wie alle Lust haben. Mir ist es jetzt schnurz piep egal, was andere von mir denken! Niemand in unserem Bekannten- und Freundeskreis kann sich in solch eine Situation versetzen. Wir sind stolz auf das, was wir als Familie leisten und unser Zusammenhalt, und vor allem die Geschwisterliebe haut mich immer wieder von den Socken! Aus dem Umfeld kommt viel Lob für die Jungs und ich bin mega stolz auf sie!!! Also ja, sehr oft geht es weit über die eigenen Grenzen hinaus, dafür muss ich mich mit keiner herrischen Schwiegermutter herumzanken und bleibe fit und jung. Ich habe schlichtweg keine Zeit für Spleens und Kinkerlitzchen und das ist gut so! Außerdem muss unser Zuhause nicht 100% aufgeräumt und klinisch rein sein. Schließlich leben, lieben und lachen wir hier zusammen!

  4. Marei

    15. Juni 2018 at 06:56

    Meine Eltern sind auch 4 Stunden fahrt entfernt. Meine Schwiegermutter zwar nur 1 h aber sie ist zu alt, als das sie mir mit den Kindern helfen könnte. Ich hab inzwischen vier im Alter von 6, knapp 3 und Zwillinge mit 1. Es ist oft anstrengend. Aber Babysitter für vier Kinder zu finden ist glaube ich nicht so einfach und Ersatzoma ist auch noch keine in Sicht, aber Nachbarn die mir ab und zu mal einen oder zwei abnehmen weil die Kinder miteinander spielen können, so mach ich es auch das mal die anderen Kinder mit unseren Spielen, das ist auf jeden Fall etwas Entlastung.

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